Künstlerprofil Walter von Wecus (1893-1977)

1893      Walter von Wecus erblickt am 8.Juli 1893

              als Sproß einer im 16. Jahrhundert aus

              Franken nach Düsseldorf eingewanderten

              Patrizierfamilie das Licht der Welt. Einige

              seiner Vorfahren sind als Bürgermeister in

              Düsseldorf tätig gewesen. Sein Großvater

              wie auch sein Vater waren angesehene Ge-

              schäftsleute der Stadt, die - dem Ver-

              nehmen nach - zunächst als Kolonialwaren-

              Großhändler, später dann als Brennstoff-

              händler und Spediteure ihr Geld verdienten.

 

1899      Walter wird eingeschult. Er erweist sich als

              durchschnittlich guter Schüler. Schon als

              6-Jähriger soll Walter am Rheinufer gesessen,

              Schiffe gezeichnet und diese zuhause als

              Modelle nachgebaut haben. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wechselt

              Walter zu Ostern 1904 auf das renommierte Königliche-Hohenzollern-

              Gymnasium - das heutige Görres-Gymnasium - in der Düsseldorfer

              Innenstadt (Ecke Bastionstraße/Königsalle). Die humanistische Ausbildung

              liegt dem Jungen allerdings nicht so recht. Er ist eher musisch begabt und

              so entschließen sich die Eltern, ihn 1908 auf die Düsseldorfer Kunstgewer-

              beschule am Burgplatz in der Altstadt von Düsseldorf zu schicken.

             

              Kunstgewerbeschule Düsseldorf

 

Kunstgewerbeschule Düsseldorf (um 1904)

              Die 1883 in Düsseldorf gegrün-

              dete Schule setzt den Schwer-

              punkt ihrer Ausbildung in Vor-

              wegnahme der Ideen des

              Deutschen Werkbundes in den

              Bereich der angewandten

              Künste. In verschiedenen

              Fachklassen werden Lehr-

              gänge zur Buch- und Werbe-

              typografie, zur Objekt- und

              Schmuckgestaltung, zum For-

              men-, Muster- und Modellbau,

              zur Interieurgestaltung und zur

              Gebäudearchitektur angeboten. Auch die zeichnerische Ausbildung von

              Kunstlehrern/innen wird als Lehrgang angeboten. Unter der Leitung von

              Peter Behrens (1868 -1940) positioniert sich die Kunstgewerbeschule für

              einige Zeit gleichrangig neben der Düsseldorfer Kunstakademie. Der

              Maler Lothar von Kunowski (1866-1936) leitet sowohl die zeichnerischen

              Grundkurse wie auch die zeichnerische Fachausbildung von Kunstlehrern

              und Ausbildern. Unter anderem erhält hier auch August Macke (1887-

              1914) zwischen 1904 und 1906 seine zeichnerische und farbtheoretische

              Ausbildung. 1907 verläßt Peter Behrens die Schule, um als künstlerischer

              Berater das zukünftige Design der AEG zu verantworten. Der Architekt

              Wilhelm Heinrich Kreis (1973-1955) übernimmt Peter Behrens Nachfolge.

              Der  Ausbildungsschwerpunkt verschiebt sich dadurch in den Folgejahren

              mehr und mehr in den architektonischen Bereich. Auch der junge Walter

              von Wecus erhält hier seine architektonische Grundprägung.

1910      Walter von Wecus unterbricht seine Ausbildung an der Kunstgewerbe-

              schule, um in einem Düsseldorfer Maler- und Anstreicherbetrieb das

              vorgeschriebene Praktikum zu absolvieren. Er lernt die Praxis der

              Farbgestaltung - ganz den Werkbund-Ideen folgend - "von der Pike auf"

              kennen. Mit finanzieller Unterstützung seiner Eltern reist er zwischen-

              zeitlich "zu Studienzwecken nach München, Paris und Berlin", um vor Ort

              in verschiedenen Großprojekten die Kunst der Kirchenausmalung, die

              Frescomalerei in "gehobenen" Restaurants und Gaststätten sowie die

              malerische Ausgestaltung einer Berliner Schwimmanstalt (mitwirkend)

              kennenzulernen.

1912      Walter von Wecus nimmt sein Studium an der Kunstgewerbeschule in

              Düsseldorf wieder auf.

Mobilmachung 1914

1914      Mit der allgemeinen Mobilmachung zum

              1. August 1914 dünnt sich das Lehrer-

              und Schülerpersonal an der Kunstgewer-

              beschule merklich aus. Auch Walter von

              Wecus fühlt sich berufen, seine vater-

              ländische Pflicht zu erfüllen und meldet

              sich als Freiwilliger. Er wird dem Reser-

              ve-Infanterie-Regiment Nr. 261 zuge-

              teilt, das zunächst an der Westfront in

              Frankreich und später an die Ostfront

              nach Russland verlegt wird. Der Kampf-

              einsatz bewirkt, dass der 21-jährige

              Walter von Wecus sehr schnell alle Illusionen verliert. Er ist froh, den Auf-

              trag zu erhalten, die Geschichte des Regiments künstlerisch aufzuarbei-

              ten. In dieser Funktion ist von Wecus direkt der Regimentskommandantur

              zugeordnet und vom Einsatz in der vordersten Front befreit. Sein Regi-

              ment verliert im Laufe des Krieges die Hälfte seiner Mannschaftsstärke.

              Bis Kriegsende 1918 verzeichnet das Infantrie-Regiment Nr. 261 den

              Verlust von 63 Offizieren und 2325 Unteroffizieren und Mannschafts-

              graden.

1919     Walter von Wecus kehrt völlig desillusioniert aus dem Krieg zurück und

             versucht, in der Düsseldofer Künstlerszene Fuß zu fassen. Er stellt einen

             Mitgliedsantrag beim Düsseldorfer Malkasten und gründet, als er hört,

             dass seine Chanchen damit steigen, zusammen mit ehemaligen Mitschü-

             lern der Kunstgewerbeschule Düsseldorf die Künstlervereinigung. "Die

             Form". Zudem bemüht er sich darum, seine Zeichnungen und Gemälde

             öffentlich ausstellen zu können. Viel Erfolg ist ihm aber zunächst nicht

             beschieden.

Portraitzeichnung Prof. Peter Behrens von Dr. Erwin Quedenfeldt

             Immerhin erklärt sich der Düsseldorfer Techniktüft-

             ler, Erfinder, Zeichner und Fotograf Dr. Erwin Que-

             denfeldt (1869 -1948) bereit, einige der Werke des

             damals 26-jährigen Walter von Wecus in seinem

             Fotoatelier in der Rosenstraße 38 auszustellen. Nur

             wenig weiter, auf der Rosenstraße 48, wohnt der

             Maler Wilhelm Degode und in der Rosenstraße 54

             der Eifelmaler Fritz von Wille. Das Fotoatelier dient

             Quedenfeldt auch als private Fotografenschule und

             viele zeitgenössische Düsseldorfer Künstler, darun-

             ter Gert Wollheim und Otto Pankok - kommen regel-

             mäßig zu Besuch und nehmen gerne die Gelegenheit

             gerne wahr, das neue Medium unter Quedenfeldts

             fachkundigen Anleitung auf seine künstlerische Ver-

             wendungsfähigkeit zu prüfen. Quedenfeldt führt Walter von Wecus in die

             linke Künstlerszene ein - unter anderem in den neugegründeten "Aktivis-

             tenbund von 1919", in die Künstlergruppe: "Junges Rheinland" und bei den

             Düsseldorfer "Anarcho-Syndikalisten" rund um die FAUD (Freie Arbeiter-

             Union Deutschlands). Walter von Wecus "schwimmt mit" und beteiligt sich

             an deren Ausstellungen.

            

             Bühnenbild und Bühnenarchitektur

          

             Die Direktion des Düsseldorfer Schauspielhauses wird auf Walter von Wecus

             aufmerksam. Er wird aufgefordert, Entwürfe für das Bühnenbild einer ge-

             planten Neuproduktion: "Gyges und sein Ring" auszuarbeiten und einzu-

             reichen. Dieser Auftrag wird Walter von Wecus weiteren Berufsweg als

             Bühnenbildner und Bühnenarchitekt entscheidend beeinflussen.

             Düsseldorfer Zeit

 

1918/   Walter von Wecus Entwurf wird angenommen und so erhält er zunächst

1919     einen saisonalen, nur für die aktuelle Restspielzeit 1918/19 geltenden

             Arbeitsvertrag, der aber auch nach dem Wechsel der Intendantur im

1919/   Düsseldorfer Schauspielhaus weitergeführt und in der Spielzeit 1919/1920

1920     in einen Vertrag als künstlerischer Beirat mit Schwerpunkt Bühnenbild und

             Bühnenarchitektur überführt wird (12 Produktionen). In der Spielzeit

             1920/21  ist Walter von Wecus für das Düsseldorfer Schauspielhaus, für

1920/   das Stadttheater Düsseldorf und für die Freilichtbühne Düsseldorf tätig

1921     (14 Produktionen). Daneben betreut er zwei Produktionen des Landes-

             theaters Altenburg.

 

             "Wanderjahre"

1921/    Walter von Wecus wird in der nachfolgenden

1922      Spielzeit 1921/1922 erstmals in Bonn tätig.

              Insgesamt betreut er zwischen Krefeld und

              Frankfurt/Main sechs unterschiedliche Spiel-

              orte, was zwar mit einer unermüdlichen

              Reisetätigkeit verbunden ist, ihm andererseits

              aber auch einen großen Erfahrungsschatz

              bezüglich der bühnenarchitektonischen Ge-

              staltungsmöglichkeiten einbringt. Nach und 

              nach erarbeitet er ein Konzept, Bühnenbil-

              der nicht so sehr nach Einzelszenen sondern

              als wandlungsfähige Gesamtszenarien auf-

              zubauen. Modular dreh- und verschiebbare

              Einzelelemente, vor allem aber eine dyna-

              misch-intelligente Lichtregie verleiht jeder

              Spielszene - je nach dramaturgischem Be-

              darf - ihre eigene spezifische Umgebung. Alles in allem arbeitet Walter

              von Wecus in dieser Spielzeit die Bühnenbilder von 27 verschiedenen

              Opern- und Schauspielproduktionen aus. Davon 10 Inszenierungen

              alleine in Bonn, an dessen Stadttheater er "besonders variable, experi-

              mentierfreudige und für seine Vorstellungen besonders empfängliche

              Kollegen" antrifft.

              In den 20-er Jahren erarbeitet sich das Stadttheater Bonn weit über

              die Landesgrenzen hinaus große Reputation. Schon bald zählt es wegen

              seiner hochwertigen Ensembles (Schauspieler, Sänger, Musiker, Regis-

              seure - nicht zuletzt aber auch durch die eindrucksvollen, modernen

              Bühnenbilder von Walter von Wecus) zu den führenden Theatern in

              Deutschland.

             Bonner Zeit

            

             Walter von Wecus entwickelt für das Stadttheater Bonn in den folgenden

             Spielzeiten immer wieder aufsehenerregende Bühnenbilder, die seinen Ruf

             als führenden deutschen Bühnengestalter festigen.

             Spielzeit 1922/23:  11 Produktionen (Stadttheater Bonn).

             Spielzeit 1923/24:  19 Produktionen (Stadttheater Bonn)

                                         zudem 1 Gastproduktion des Frankfurter Künstler-

                                         theaters in den Kölner Messehallen und eine Produk-

                                         tion auf der Freilichtbühne Bad Godesberg (im Redou-

                                         tenpark)

              Spielzeit 1924/25: 12 Produktionen, davon 7 Produktionen im Stadt-

                                         theater Bonn, 3 Produktionen im Stadttheater Aachen

                                         und 2 Produktionen im Prinzregententheater in

                                         München.

             Die beiden Münchner Aufführungen

             endeten in einem handfesten Theater-

             skandal, in dessen Folge die modern

             interpretierten Stücke - erzwungen

             durch "Bühnenstürmungen des em-

             pörten Münchner Publikums" - abge-

             setzt werden mussten. Walter von

             Wecus hatte ein gewöhnungsbedürf-

             tiges, stilistisch spartanisch reduzier-

             tes Bühnenbild für die Produktion

            "Titus Andronicus" entworfen. Der

             ausgelöste Theaterskandal und die einseitig verurteilende Berichterstat-

             tung in den Medien machte den Namen Walter von Wecus schlagartig

             bekannt. Man beschäftigte sich zwangsläufig mit seinen ungewohnten,

             weitgehend auf Elementarformen, Farbe und Raum reduzierten Bühnen-

             bildern.

 

              Spielzeit 1925/26: 17 Produktionen, davon 15 Produktionen im Stadt-

                                         theater Bonn, 1 Produktion im Stadttheater Aachen

                                         und 1 Produktion auf der Freilichtbühne in Bad Go-

                                         desberg (im Redoutenpark).

              Spielzeit 1926/27: 12 Produktionen, alle im Stadttheater Bonn

              Spielzeit 1927/28: 17 Produktionen, davon 16 im Stadttheater Bonn und

                                          1 Produktion im Passionsfestspielhaus in Stieldorf im

                                          Siebengebirge.

              Spielzeit 1928/29:  8 Produktionen, alle im Stadttheater Bonn

              Spielzeit 1929/30:  7 Produktionen, alle im Stadttheater Bonn

              Spielzeit 1930/31:  10 Produktionen, alle im Stadttheater Bonn

              Spielzeit 1931/32:  8 Produktionen, alle im Stadttheater Bonn

 

              Mit der "Widerspenstigen Zähmung" beendet Walter von Wecus am

              10.6.1932 sein über 10 Jahre andauerndes Engagement in Bonn.         

              

             Bühnenbilder von Walter von Wecus für das Stadttheater Bonn

 

             Düsseldorfer Kunstakademie

 

1925     Der damalige Direktor der Kunstakademie, Prof. Dr. Walter Kaesbach

             (1879-1961), seines Zeichens ein Kunsthistoriker, beauftragt Walter von

             Wecus mit dem Aufbau und der Leitung einer "Klasse für Bühnenkust" an

             der Düsseldorfer Kunstakademie. Sie ist die erste Bühnenkunstklasse an

             einer deutschen Hochschule und Walter von Wecus wird bereits 1926 mit

             33 Jahren zum jüngsten Hochschulprofessor ernannt. Voller Elan entwickelt

             er einen dezidierten Lehrplan für das Bühnenkunst-Fachstudium, das zu-

             nächst, wie alle anderen Studiengänge der Hochschule auf einem gestal-

             terischen Pflicht-Grundstudium (Zeichen, Malen, Farbtheorie etc.) aufbaut.

             Von Wecus definiert fünf wesentliche Lernbereiche als Eckpfeiler für das

             Studium der Bühnenkunst:

Grafisches Signet der Bühnenkunstklasse

             Der Bühnenraum

                    o Raumgestaltung

                    o Bodengestaltung

                    o Die Bewegungen

                       der Schauspieler

                    o Das Bühnenmodell

             Die Bühnenfarbe

                    o Farblehre

                    o Beleuchtungsapparat

                    o Bühnenmalerei

             Der Schauspieler

                    o Kostümgestaltung

                    o Kostümkunde

                    o Der Mensch im

                       Bühnenbild

              Die dramatische Dichtung

                    o Gehalt der Dichtung

                    o Form der Dichtung

                    o Bühnenanweisungen

                      des Dichters

               Die Bühnentechnik

                    o Bühnen-Einrichtung

                    o Materialverwendung

                    o Verwandlungssystem      

Walter von Wecus mit Studenten der Bühnenbildkunst

1928      Nachdem das notwendige Lehrpersonal für den neuen Studiengang

              verpflichtet worden ist, nimmt die staatliche Kunstakademie Düssel-

              dorf den Studienbetrieb unter Walter von Wecus auf. In den Folge-

              jahren studieren nahezu alle später bekannten Bühnenbildner bei

              Walter von Wecus. Seine Auslegung einer raum-, form- und farb-

              zentrierten, modularen Gesamtbühnenarchitektur setzt sich über

              seine Schüler nach und nach an allen deutschen Bühnen durch.

             

Modell einer Drehbühne für "Richard II"

              Szenenbild aus der Aufführung

              von "Richard II" im Stadttheater

              Bonn. Gut erkennbar: Die gestuf-

              ten Spielräume für die Schau-

              spieler, die durch eine gezielte

              dramaturgische Lichtsetzung be-

              tont resp. abgeschattet werden

              können. Eine Drehung der Bühne

              um jeweils 90° ergibt völlig neue,

              dynamisch veränderbare Raum-

              konstellationen, so dass sowohl Innen- wie Aussenräume dargestellt und

              sogar Zwischenräume bespielt werden können. Ein charakteristisches Sig-

              nalelement, dass Walter von Wecus gerne für die Innenraumkennzeich-

              nung einsetzt, ist ein großer, zentral abgehangener runder (Kerzen-)

              Leuchter, den man in vielen seiner Bühnenbilder wiederfindet.

             NS-Zeit

 

             Bereits Anfang der 30-er Jahre entbrennt innerhalb der Kunstakademie

             Düsseldorf ein erbitterter Richtungsstreit. Auf der einen Seite finden sich

             die Anhänger eines formal freien Kunststudiums, das aktuelle internatio-

             nale Kunstströmungen aufnehmen und weiterentwickeln will, auf der an-

             deren Seite befinden sich die Befürworter eines rassisch motivierten

             deutsch-nationalen Kunststudiums, das zum Ziel hat, eine neue, spezifisch

             deutsche Kunst zu entwickeln. Die Auseinandersetzungen spitzen sich,

             nicht zuletzt durch die Berufung bekennender nationalsozialistischer Künst-

             ler (Werner Peiner etc.) zu. Zunehmend wird massive Hetzpropaganda

             in den Medien lanciert, die auf eine Ächtung undeutscher Kunst als "ent-

             artete Kunst" abzielt. Mit Hitlers Machtergreifung Ende Januar 1933 ist der

             Richtungsstreit entschieden. Dr. Walter Kaesbach wird als Direktor der

             Kunstakademie abberufen. Er erhält zwei Monate später, am 19.3.1933

             Hausverbot und wird mit eingeschränken Bezügen zwangspensioniert.

             Die Professoren Klee und Matare müssen ebenfalls gehen; Werner Peiners

             Lehrstuhl der Monumentalmalerei wird nach Kronenburg ausgelagert und

             als "Hermann-Göring Meisterschule für Malerei" fortgeführt.

             Walter von Wecus im Jahr 1926 erfolgte Berufung zum Professor für

             Bühnenkunst wird - da maßgeblich von Dr. Walter Kaesbach betrieben -

             für ungültig erklärt. (Es ist nicht ganz klar, ob er zwischenzeitlich auch

             von seinem Unterricht in der Akademie freigestellt wurde). Jedenfalls

             sieht Walter von Wecus sich genötigt, von 1933 bis 1937 keinen Vertrag

             mehr als künstlerischer Berater an einer deutschen Bühne anzunehmen.

Reichsparteitag 1936

1937     Walter von Wecus "erweist" sich

             in der Folgezeit als systemkon-

             former NS-Künstlern. Öffentlich

             wirksam wird er erstmals wieder

             mit einem aufwändig inszenier-

             tem Beitrag zur Düsseldorfer

             Ausstellung "Schaffendes Volk".

             Sein Environement weist durch-

             aus "heroisierende Elemente",

             ähnich dem Nürnberger "Licht-

             dom" anlässlich des NS-Reichs-

             parteitages 1936 auf.

             Ab 1937 beschickt Walter von Wecus regelmäßig die "Großen Deutschen

             Kunstausstellungen", die ganz offiziell als Jahres-Leistungsschauen einer

             neuen, nationalsozialistischen Kunst im "Haus der Deutschen Kunst" in

             München propagiert werden. Soweit recherchierbar, stellt er in den als

             Verkaufsausstellung konzipierten NS-Repräsentanzausstellungen Auszüge

             aus seiner Mappe: "Dalmatien. Zeichnungen von dalmatinischen Reisen"

             sowie einige Landschaftsgemälde aus.

 

1941     Walter von Wecus wird (erneut) zum "ordentlichen Professor" für

             Bühnenkunst an der Kunstakademie Düsseldorf ernannt.

 

Walter von Wecus: Leuchtfontänen zur Austellung "Schaffendes Volk" 1937

           Zeichnerisches und malerisches Werk

 

1947   In einer 1947 erschienenen Broschüre von August Gotzes über den Maler

           und Zeichner "Walter v. Wecus" wird dieser wörtlich zitiert: "Zeichnung

           und Malerei sind der Anfang und sind das Entscheidende in meiner Kunst".

           Dieses persönliche Bekenntnis legt der Künstler offensichtlich in einer

           Reflexion der Funktion von Zeichnungen als Planungsgrundlage für

           Bühnenbilder, als auch der Malerei als elementares Wirkmittel der

           Bühnengestaltung (Bühnenmalerei) ab. Dennoch sind nicht nur die an-

           gewandten Funktionen von Zeichnung und Malerei für ihn wichtig.

           Walter von Wecus ist auch so ein hervorragender Zeichner! Seine

           Studienreisen führten ihn in vor allem in die adriatischen Länder. Der

           Balkan mit seinen weitgehend unbekannten Landschaften war sein

           bevorzugtes Reiseziel: Hier zog es ihn mit seiner Frau Gertrud immer

           wieder hin. Er bereiste Istrien, Dalmatien, Serbien, Rumänien, Albanien

           und Bulgarien. Und natürlich war er auch in Italien, Griechenland, auf den

           Kykladen und in der westlichen Türkei gewesen.

           Von seinen Reisen brachte er Skizzen und Zeichnungen mit, die ihm im

           heimischen Düsseldorf als Vorlage für seine Temperagemälde dienten.

           Auffällig ist, dass seine Bilder nur selten Menschen zeigen. Dafür konnte

           er mit einer extrem hohen Detailgenauigkeit die Spuren menschlicher

           Arbeit, die Urbarmachung von Gärten und Gärten, die Ausstattung von

           Hütten und Scheunen, den Einschlag von Waldlichtungen, Weg- und

           Gipfelkreuze nachzeichnen. Die detailgetreue Verästelung von Birnbäu-

           men und das Verwinden und Verkruseln ihrer welken Blätter dokumen-

           tierte er gerne in seinen Zeichnungen. 

           Lebensvorgänge, die in ihrer Alltäglichkeit normal und in ihrer Menge

           und Vielfältigkeit anonym sind und daher gerne übersehen werden.

           Nicht so bei Walter von Wecus: In seinen Zeichnungen bekommt gerade

           das Normale und Alltägliche ein besonderes Gesicht.

           Im Laufe seines Lebens erstellt Walter von Wecus vier umfangreiche

           Mappenwerke, von denen aber leider nur eines erhalten geblieben ist:

 

           o  (Bilder zur) "Geschichte des Reserve-Infantrie-Regiments 261"             

               (verschollen)

           o  "Die Märchenstadt" (verschollen)

           o  "Rhein-Mappe: Bilder vom Oberrhein bis zum Niederrhein"

                (nur in Teilen erhalten)

           o  "Dalmatien. Zeichnungen von dalmatinischen Reisen"

Walter von Wecus: " Dalmatien. Zeichnungen von dalmatinischen Reisen" (Auszüge)

             Was in Walter von Wecus Zeichnungen die Detailgenauigkeit ist, ist in

             seinen Gemälden die Farbigkeit. Dass Walter von Wecus ein besonderes

             Verhältnis zu Farben als szenarischer Wirkungsfaktor hat, läßt sich un-

             schwer an seinen Bühnenentwürfen festmachen. Bei greller Allgemein-

             beleuchtung sind sie extrem - fast schreiend - bunt.  Doch das ändert

             sich, sobald punktuelle Lichtquellen dazukommen und entsprechende

             Abschattungen im unbeleuchteten Teil produzieren. Da wird ein zuvor

             strahlendes Gelb zu giftigem Grün und ein ursprünglich azurfarbenes

             Blau zu einem abgeschatteten Grauschwarz.

            

          Sind Walter von Wecus bühnengrafische Werke in ihre Farbigkeit hochprä-

          zise auf Flächen und ihre räumliche Abgrenzung zueinander bezogen

          (Kulissen-Darstellungen), so versucht er, in seiner freien Malerei das

         "Atmosphärische" im Motiv in die Darstellung mit einzubeziehen. Es sind

          immer bestimmte Stimmungen, die über seinen gemalten Bildern liegen.

          Stimmungen, die ausschließlich durch Farbe erzeugt werden. Sonne, Wärme,

          mittägliche Ruhe, Abendfrische, manchmal auch eine gewisse Beschaulichkeit

          und träge Lethargie vermeint man in seinen Bildern nachspüren zu können.

          Und das ganze ohne Menschen, ohne Personen und ohne Getier. Das Lebende

          ist gänzlich aus seinen Gemälden gebannt. Wenn menschliche Umrißfiguren in

          seinen Gemälden erscheinen, so sind es Statuen oder Plastiken. Elemente, die

          die Größenverhältnisse anschaulich machen.

1958     Walter von Wecus wird altersbedingt mit Erreichen des 65. Lebensjahres

             ehrenvoll emeritiert. Bis zu seiner Emeritierung bildete er als Professor

             und Leiter der Bühnenkunstklasse an der Kunstakademie Düsseldorf

             etwas über 400 Bühnenbildner/innen (408) aus. Sein Nachfolger wird

             Teo Otto (1904-1968).

1968     Zehn Jahre später - zu seinem 75. Geburtstag - ist

             Walter von Wecus bereit, in einer Retrospektive einen

             Überblick über sein Lebenswerk zu geben. Die Aus-

             stellung findet in den Räumlichkeiten des internationa-

             len Bildungswerkes: "Die Brücke" in Düsseldorf statt.

             Walter von Wecus präsentiert sich dort weniger als

             bildender Künstler, Designer oder Architekt, was er

             zweifellos ebenfalls war, sondern vorwiegend als

             Theatermann. "Ein einflußreicher Bühnenbildner, der

             in wild bewegten Zeiten herausragende Theaterinsze-

             nierungen - vor allem in Bonn - in's Bild setzte und

             mit seiner Auffassung von Bühnenkunst, seiner immensen künstlerischen

             Erfahrung und seinem pädagogischen Vermittlungstalent prägend für fast

             alle späteren Bühnenbildner und Bühnenbildnerinnen im deutschsprachigen

             Raum war".

1977     Am 15. Dezember 1977 verstirbt Walter von Wecus im Alter von 84 Jahren

             in seiner Heimatstadt Düsseldorf.

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