Josef Friedhofen (1910 - ???)

                                                                                Redaktionsstand: 05.06.2017

Selbstbildnis Josef Friedhofen im Alter von 28 Jahren (1938); (P)

1910        Josef Friedhofen erblickt in der damals

                etwas über 90.000 Einwohner zählenden

                Stadt Bonn das Licht der Welt. Über

                Josefs Kindheit und sein damaliges Um-
                feld in Bonn ist nur wenig bekannt. Josef

                Friedhofens Vater - wie auch seine Mut-

                ter - sind beide in einem landwirtschaft-

                lichen Betrieb in Bonn-Kessenich tätig.

                Es ist eine "bewegte" Zeit, in die das

                Kind hineingeboren wird. Das Deut-

                sche Kaiserreich mit seinen von Adel

                und Militär beeinflußten Führungs-

                strukturen ist medial-politisch von ei-

                nem betont vaterländischem Patriotis-

                mus geprägt ("Hurra-Patriotismus"). 

                Doch die sozialen Strukturen ändern

                sich. In demselben Maße, in dem der

                Anteil der Beschäftigten in der Landwirt-

                schaft zurückgeht, erhöht sich der Anteil

                der Industriearbeiter. Das bis dahin überwiegend agrarisch geprägte

                Land wird im Vorfeld des 1. Weltkrieges zu einem Industrieland. Die

                Kohle- und Stahlproduktion im Ruhrgebiet bindet massenhaft Arbeits-

                kräfte. Menschen, die versorgt sein wollen. Mit dem Ausbruch des 1.

                Weltkrieges wird die Versorgungslage des Deutschen Kaiserreiches

                sowohl beim priviligierten Militär - vor allem aber in der Zivilbevölke-

                rung - immer schwieriger. Erste, massive Versorgungsengpässe zwingen

                zu einschneidenden Veränderungen in der Arbeitswelt. Viele der arbeits-

                fähigen Männer werden eingezogen. Deren Frauen übernehmen zuneh-

                mend die Arbeit ihrer Männer, um die daheimgebiebenen Familien "durch-

                zubringen". Kinder müssen Hilfsdienste (Kinderarbeit) leisten. Vor allem

                in der ohnehin bereits schwächelnden Landwirtschaft wird jede Hand ge-

                braucht. Erste Hungersnöte zeichnen sich ab und gipfeln im sogenannten

               "Steckrübenwinter", als man in weiten Teilen der Bevölkerung aus Not

                die eigentlich als Viehfutter dienenden Steckrüben zum alltäglichen Le-

                bensmittel machen muß.

            Frühkindliche Prägung in Holweide

1916        Josef Friedhofens Vater ist (wohl) aus gesundheitlichen - möglicherweise 

                auch aus Altersgründen - nicht mehr rekrutierungsfähig. Er nimmt ein

                Angebot an, als "Bewirtschafter" (Knecht) auf Gut Isenburg in Kölns

                agrarischem "Speckgürtel" in Holweide zu arbeiten. Hier ist die Versor-

                gungslage noch etwas besser als in den rheinischen "Großstädten"

                und in den Arbeitermetropolen des Ruhrgebietes.

                Die damals vierköpfige Familie Friedhofen - Josef hat noch eine ältere

                Schwester - zieht von Bonn "auf's Land" nach Holweide in eine Wohnung

                in der Ringenstraße um. Die Familie lebt sich dort ein. Josefs ältere

                Schwester heiratet später in Holweide.

Schulgebäude der ehemaligen Katholi- schen Volksschule in Köln-Holweide

1922/23  Josef Friedhofen wird als 6-jähri-

                ger Knabe in die kath. Volksschu-

                le Johann-Bensberg-Straße (heu-

                tige KGS Friedlandstraße) in Köln-

                Holweide eingeschult. Sein Vater

                ist als angestellter "Bewirtschafter"

                für den Viehbestand, überwiegend

                Milchkühe, auf Gut Isenburg zu-

                ständig. Nach der Schule hilft

                Josef Friedhofen seinem Vater

                beim "Austreiben" der Kühe auf

                die umliegenden, zum Gut Isen-

                burg gehörenden Weiden.

Josef Friedhofen: Zum Gut Isenburg gehörende Weideflächen in Holweide (mit Schwarzvieh); (MK)
Josef Friedhofen: Portraitstudie des Vaters mit Pfeife; (P)

                Josef bewacht das weidende Vieh

                und treibt es abends auf Anwei-

                sung seines Vaters oder seines

                Onkels, der ebenfalls auf dem Gut

                arbeitet, zurück in die Ställe.

                Die "Isenburg" ist eine idyllisch ge-

                legene Wasserburg in Holweide,

                umgeben von saftigen, grünen

                Wiesen und knorrigen Bäumen.

                Von daher erklärt sich die hohe

                Affinität des Malers zur Isenburg,

                die er später häufig zum Motiv

                seiner Gemälde macht. Meist bil-

                dete Josef den Vater als Staffage

                in seinen Bildern ab.

                Die nebenstehende Portraitstudie

                zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit

                das gefurchte, wettergegerbte Ge-

                sicht des Vaters. Er raucht seine

                obligatorische Pfeife. Nach dem

                verhältnismäßig frühen Tod des Vaters zieht die Mutter die beiden Ge-

                schwister alleine groß. Josef ist angehalten, seinen Teil zum Lebens-

                unterhalt der Familie beizusteuern. Es ist ein relativ karges Leben, dass

                die Familie in Holweide führt.

Gut Isenburg auf Gemälden von Josef Friedhofen: oben links: Aquarellstudie (P) als Vorlage zu dem Ölbild oben rechts (BS): unten links: Ölbild-Variante (MK) auf der Brücke über dem Burg-Wassergraben. unten rechts: heutige Ansicht (2016 MH)

(zur Einzelvergrößerung bitte auf die Bilder klicken)

Detailausschnitt aus dem Ölgemälde "Viehaustrieb aus der Isenburg" (BS); Josef Friedhofen bildet hier seinen Vater, der gerade seine Pfeife stopft, als "Staffage" neben den Kühen ab.

            Erstausbildung als Glasmaler

1924        Nach dem Besuch der Volksschule absolviert Josef Friedhofen zunächst

                eine 4-jährigen Lehrausbildung bei dem bekannten Kölner Glasmaler

                Ludwig Preckel (1881-1938). Dieser unterhält seine Werkstatt in der

                Rolandstraße 69 in der Kölner Südstadt. Möglicherweise wohnt Josef,

                der als Jugendlicher nur "Jüppchen" bzw. "Jupp" gerufen wurde, wochen-

                tags bei "freier Kost und Logis" zusammen mit anderen "externen" Ge-

                sellen bei seinem Meister in einer Hofmansarde direkt über der Glas-

                werkstatt. An Sonn- und Feiertagen darf er heim.

     Abb. oben: Typische Glasmalerarbeit von Ludwig Preckel für die St. Rochus

                      Kapelle in Lindlar (signiert L.Preckel 1925). Mit hoher Wahrschein-

                      lichkeit war Josef Friedhofen als Lehrling an den ausführenden

                      Arbeiten zur Erstellung der Glasfenster in der Werkstatt seines 

                      Meisters beteiligt. Möglicherweise stammen die (unteren) Kreuz-

                      fenster bereits aus seiner Hand, da solche Fenster nach vorhan-

                      denen Vorentwürfen relativ "normiert" hergestellt wurden.

               Meisterschüler an den Kölner Werkschulen

1928            Nach dem erfolgreichen Abschluß als Glasmaler-Geselle bewirbt

                     sich Josef Friedhofen - wohl mit Unterstützung seines Lehrmeisters

                     Ludwig Preckel - um ein weiterführendes "Meisterstudium" an der

                     Kunstgewerbeschule Köln (spätere Werkkunstschule Köln) bei Prof.

                     Robert Seuffert (1874 - 1946). Normalerweise hat ein fertiger Geselle

                     einige Jahre Erfahrungen im Beruf zu sammeln, ehe er eine Meister-

                     ausbildung beginnen kann. Ludwig Preckel und Robert Seuffert

                     kennen einander. Sie schätzen sich. Robert Seuffert lehrt damals

                     Architektur- und Kirchenmalerei an der Kunstgewerbeschule Köln.

                     Seine Basisfächer sind "figürliches Zeichnen" und "Wandmalerei".

                     Nachweislich hat Professor Seuffert ein besonderes Faible für die

                     Gestaltung von Kirchenfenstern (als Pendant zu der von ihm vertre-

                     tenen freskentechnischen Ausmalung von Kirchen). Insofern nimmt

                     er den einschlägig vorgebildeten "Kunstgewerbler" gerne "unter seine

                     Fittiche". (Querverweis zum Wirken von Robert Seuffert siehe

                     Künstlerprofil von Matthias Profitlich).

Kölner Werkschulen am Ubierring

                     Josef Friedhofen lernt bei Prof.

                     Seuffert die Grundlagen der Por-

                     traitmalerei sowie der Land-

                     schaftsmalerei. Offensichtlich ist

                     er ein sehr talentierter Student.

                     Die Kölner Kunstgewerbeschule

                     wird 1928 in neue Räumlichkei-

                     ten am Ubierring verlegt. In

                     Analogie zum damals stark auf-

                     kommenden Werkbundgedanken

                     soll dort auf Betreiben des damaligen Kölner Oberbürgermeisters

                     Dr. Konrad Adenauer ein "Gegenpol" zur Düsseldorfer Kunstakademie

                     aufgebaut werden. Aus den verschiedenen Zweigen der Kölner Kunst-

                     gewerbeschule entstehen nun die "Kölner Werkschulen".  Professor

                     Seuffert ernennt seinen Schützling Josef Friedhofen im Rahmen der

                     nun aufgewerteten und akademisch anerkannten Kunstausbildung zu

                     seinem "Meisterschüler". Er weist ihm - eine damals seltene qualita-

                     tive Auszeichnung – ein eigenes Arbeitsatelier in den Räumlichkeiten

                     der Kölner Werkschulen zu, in dem dieser "zu jeder Tages- und Nacht-

                     zeit" arbeiten kann. Das Atelier wird Josefs "zweites Zuhause".

1932            Mit dem Studienabschluß als Meisterschüler an den Kölner Werk-

                     schulen steht Josef Friedhofen "die Welt offen". Er hätte in den

                     Staatsdienst gehen und eine gesicherte beamtete Laufbahn im

                     Schulbereich, im Bauaufsichts- oder in einem anderen kunstaffinen

                     Planungsbereich einschlagen können. Möglicherweise hat ihm aber

                     sein angegriffener Gesundheitszustand "einen Strich durch die

                     Rechnung gemacht".  Schon in seinen jungen Jahren soll Friedhofen

                     - dem Vernehmen nach - ein eher kränklicher junger Mann von "as-

                     ketisch schlanker Statur" gewesen sein, der infolge einer ernst-

                     haften Nierenerkrankung häufig bettlägrig war und längere Ruhe-

                     und Erholungsphasen zur Rekonvaleszenz benötigte. Diese ver-

                     brachte er in aller Regel zuhause in Holweide. Mit seiner Nieren-

                     erkrankung - so steht zu vermuten - wäre er bei den obligatori-

                     rischen Gesundheitstests zum Eintritt in den beamteten Staats-

                     dienst ohnehin gescheitert.

 

                     Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Josef Friedhofen inzwischen

                     durch das freie und offene Leben in den Kölner Werkschulen zu

                     sehr Künstler, zu sehr Maler und kreativer Gestalter geworden war.

                     als dass ihn die Aussicht auf eine gesicherte beamtete Laufbahn

                     ernsthaft gereizt hätte.

 

                     Letztendlich will er einfach nur ein guter "Kunstmaler" werden.

                     Vielleicht mag bei seiner Entscheidung auch eine Rolle gespielt

                     haben, dass sich für den jungen, damals gerade erst 22-jährigen

                     angehenden Kunstmaler deutlich erkennbar, ein tiefgreifender

                     Richtungsstreit unter den Professoren an den akademischen

                     Kunstschulen in Deutschland abzeichnet. Man muß - als Student

                     und insbesondere als Meisterschüler - zwischen zwei extremen

                     Lehransichten "Farbe bekennen":

                     Auf der einen Seite steht das Bemühen, eine spezifisch "Deutsche

                     Kunst" zu entwickeln und diese in ihrer Abgrenzung zu andersartigen

                     ("entarteten") Kunststilen" als arisch-germanische Kunstform zu

                     profilieren und durchzusetzen.

                     Auf der anderen Seite steht die Forderung nach größtmöglicher

                     künstlerischen Freiheit, absoluter stilistischer Ungebundenheit und

                     kulturraum-übergreifender Internationalität. Beide Meinungsblöcke

                     stehen sich sowohl in der Professorenschaft, als auch in der aka-

                     demischen Verwaltung der Kölner Werkschulen ideologisch unüber-

                     brückbar gegenüber. Ein "unwürdiges Intrigenspiel" beginnt und

                     überzieht schnell die gesamte Schule.

 

1933             Mit der Machtergreifung Hitlers ist der Richtungsstreit zugunsten

                     einer "Deutschen Kunst" entschieden. Nicht wenige Lehrkräfte

                     müssen daraufhin die Kölner Werkschulen verlassen oder gehen

                     mehr oder minder freiwillig. Josef Friedhofen fühlt sich durch die

                     angestoßenen politischen Entwicklungen in seiner eigenen, privaten

                     Kunstauffassung bestätigt.

                     Er hat die (vermeindlich) "richtige" Seite in dem "Richtungsstreit"

                     gewählt.

                     Tatsächlich bleibt ihm zeitlebens das Stilmittel der Abstraktion und

                     der künstlerischen Verfremdung fremd. Zudem meidet er jegliche

                     sozialkritische Auseinandersetzung mit bestehenden politischen

                     und gesellschaftlichen Verhältnissen in seinen Werken. "Seine"

                     Kunst ist und bleibt stets unpolitisch.

                     Ihm geht es nicht darum, experimentelles Neuland zu betreten oder

                     programmatische "Statements unter's Volk zu bringen". Er hat

                     auch keine Mission zu erfüllen und auch kein elitäres Sendungs-

                     bewußtsein, die Welt in seinem Sinne verändern zu wollen. 

 

                     Er will einfach nur ein guter Kunstmaler sein und die ihm umgeben-

                     den Dinge so realistisch und naturalistisch malen, wie er sie vorfin-

                     det. Seine Sujets: Natur pur - Landschaften, Menschen, Tiere und

                     immer wieder Blumen.         

               Berufsstart als Kunstmaler in Holweide

Josef Friedhofen: Portrait des Kölner Architekten Josef Nussbaum (MK).

                     In den folgenden Jahren bemüht

                     sich Josef Friedhofen darum, als

                     Kunstmaler in Holweide Fuß zu

                     fassen. 1914 wird das damals

                     noch ländliche Holweide als Teil

                     der Bürgermeisterei Merheim

                     nach Köln eingemeindet. Mit dem

                     Bau der Pfarrkirche St. Maria

                     Himmelfahrt (1926/27) und dem

                     Anschluß an die Kölner Vorort-

                     bahn (Linie G), blüht der Ort auf.

                     Die Bautätigkeiten nehmen stark

                     zu. Josef Friedhofen findet unter

                     anderem in dem Kölner Architek-

                     ten Josef Nussbaum einen Förde-

                     rer und Unterstützer, der ihn mit

                     diversen rein künstlerischen,

                     aber auch architektonisch ange-

                     wandten Aufträgen zur künstle-

                     rischen Fresko-Fassadengestaltung der von ihm geplanten Häuser

                     "versorgt". Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden.

                     Bei gutem Wetter kann sich Josef Friedhofen im Garten seines

                     Förderers manchmal tage- und wochenlang von den Attacken seiner

                     Nierenkrankheit erholen. Er wird stets gut versorgt.

1934/35      Wie alle anderen professionell arbeitenden Künstler auch, wird Josef

                     Friedhofen im Zuge der "Gleichschaltung der Deutschen Kunst" Mit-

                     glied in der Reichskammer der Bildenden Künste in Berlin. Eine Ver-

                     weigerung der Mitgliedschaft hätte faktisch zu einem Berufsverbot ge-

                     führt, da alle Fördermaßnahmen, vor allem aber alle öffentlichen Auf-

                     träge im Rahmen eines Erlasses zur Beteiligung von Künstlern an

                     öffentlichen Bauvorhaben sowie alle dementsprechenden Kunstaus-

                     schreibungen ab Mitte der 30-er Jahre zentral über die Reichskammer

                     vergeben werden. (Siehe Kapitel "Künstler in der NS-Zeit"). Wahr-

                     scheinlich lassen sich auf diese Tatsache viele seiner Aufträge zur

                     künstlerischen Ausgestaltung von Fassaden in Kölner Wohnanlagen

                     zurückführen, an denen Josef Friedhofen in der Folgezeit - weniger

                     unmittelbar ausführend, als vielmehr entwurfstechnisch-beratend

                     (Entwürfe für Fresken, Dekorelemente und Gebäudebeschriftungen)

                     beteiligt ist.                   

                Vertreter der neuen Deutschen Kunst

                      Dem eigenen Bekunden nach beteiligt sich Josef Friedhofen in der

                      NS-Zeit vor allem mit "figürlicher Malerei" an namhaften großen

                      Kunstausstellungen im Deutschen Reich. Diese Ausstellungen konn-

                      ten allerdings bisher noch nicht exakt verifiziert werden.

                      Wahrscheinlich handelt es sich bei der erwähnten "figürlichen Malerei"

                      um Genre-Gemälde (siehe unten) sowie bäuerliche Familiendarstel-

                      lungen und Motive aus dem zunehmend NS-ideologisch aufgeladenen

                     "Blut und Boden"- Themenbereich (unbestätigt).

Josef Friedhofen: "Die Kartenspieler"; Öl auf Leinwand (ca.70 x 80 cm), signiert oben rechts; Sammlung "Vicky" Schmitz, Berlin (Zur Vergrößerung bitte auf die Abbildungen klicken).

Josef Friedhofens besonderes gestalterisches Talent und sein malerisches Können zeigt sich insbesondere in der hochpräzisen Ausführung der Details: Der raffinierte Lichtfall im Bild, der Faltenwurf der Bekleidung, die individuell-wiedererkennbaren Gesichter der Kartenspieler und die gemalte Materialität von Holz, Glas, Stoffen, von  Teppich, Steingut- und Keramikkrügen sowie die grünen Ofenkacheln sind einfach

"in sich stimmig".

1942/43       Josef Friedhofen erwirbt sich - soviel darf festgestellt werden - in der

                     Folgezeit mit seinem malerischen Können öffentliche Anerkennung

                     und erfährt Wertschätzung von höchster Stelle.

                     Schon bald zählt er zu den vorzeigbaren Vertretern der neuen

                     Deutschen Kunst im Dritten Reich. Seine Bekanntheit steigt.

 

1943             Nachweislich wird ein großes Landschaftsgemälde von Josef

                     Friedhofen mit dem Titel: "Bergisches Land" im Saal 20 des

                     1937 von Adolf Hitler eigens gebauten und eingerichteten

                    "Haus der Deutschen Kunst" in München im Rahmen der "Großen

                     Deutschen Kunstausstellung 1943" gezeigt und (wohl auch) verkauft.

Josef Friedhofen: "Bergisches Land" Öl auf Leinwand; Großformat ca. 150 x 200 cm; (1942/43) ausgestellt in der "Großen Deutschen Kunstausstellung 1943" im Haus der Deutschen Kunst, München; Leider ist von diesem Bild keine Farbversion überliefert.

                     Neben seiner Entwurfstätigkeit für öffentliche Auftraggeber baut sich

                     Josef Friedhofen nach und nach einen privaten Abnehmerkreis für

                     seine freien künstlerischen Arbeiten in Köln-Holweide auf.

                     Er malt in dieser Zeit unter anderem Auftragsportraits für Privat-

                     kunden, Landschaftsmotive aus dem näheren lokalen Umfeld von

                     Köln, bäuerliche Gehöfte (mit Tierstaffagen), die Umgebung der Isen-

                     burg, sonnige Waldstücke sowie zahlreiche Blumenarrange-

                     ments. Alles Motive, die zur privaten häuslichen Innendekoration

                     dienen und als künstlerisch ansprechende und zeitgemäß schöne

                     Öl- und Aquarellbilder gut verkäuflich sind.

                     Mit seinen Privatverkäufen sichert sich der Maler seinen Lebensunter-

                     halt. Er behält immerhin aus seinen Privatverkäufen soviel über,

                     dass er sich die ein oder andere Künstlerreise in den süddeutschen

                     Raum, in die Alpenregion und wohl auch in das sonnige Italien

                     leisten kann. 

Josef Friedhofen: Motive von Künstlerreisen in die Alpenregion und nach Italien

Josef Friedhofen: Herbstliche Waldlandschaft mit Weiher; Öl /Lw, doubliert, 40 x 60 cm (h x b); signiert unten links; undatiert; Sammlung Michael Hümmer , Sammlungsnr.: G2 2016-002

                     Zusammenstellung typischer Gemäldemotive von Josef Friedhofen.

                     (Zur Vergrößerung bitte auf die Abbildungen klicken). Die Gemälde

                     stammen in der Regel aus der Zeit nach 1945. Leider sind kaum

                     Arbeiten des Künstlers aus der Zeit vor 1945 überliefert. Eine Über-

                     sicht über die bisher bekannten und erfassten Gemälde ist im nach-

                     folgenden Kapitel "Werkverzeichnis Josef Friedhofen" zu finden.

                     Aufgrund seiner Nierenerkrankung war Josef Friedhofen vom aktiven

                     Dienst an der Waffe freigestellt. Ob und welche Art von "Ersatzdienst"

                     der damals 30-jährige Künstler während des 2. Weltkrieges leistet,

                     ist aktuell nicht bekannt. Er soll - zumindest zeitweise - in der "Zivil-

                     verteidigung" - möglicherweise in der Kölner Sirenen-Zentrale - ein-

                     gesetzt gewesen sein (unbestätigt). Wo und wie Josef Friedhofen das

                     Kriegsende und das Einrücken der alliierten Besatzer erlebt, ist eben-

                     falls nicht bekannt. 

                     Seine Künstlervita verliert sich Ende der 40-er / Anfang der 50-er

                     Jahre komplett "im Nebel".                  

                Atelier in Rösrath

                      Nach dem Krieg - wann genau ist unbekannt - soll Josef Friedhofen

                      von Köln-Holweide mit bzw. zu seiner Lebensgefährtin in ein eigenes

                      Anwesen (?) in der Scharrenbroicher Straße 85 in 5064 Rösrath

                      umgezogen sein. (Eine Bestätigung durch den Nachweis des Ein-

                      trags im Melderegister sowie einen Grundbucheintrag in Rösrath

                      steht noch aus).

                      Josef Friedhofen richtete er sich in Rösrath sein Künstleratelier ein.

                      Das Anwesen in der Scharrenbroicher Straße wird in der Folgezeit

                      (ab den späten 50-er Jahren) regelmäßig zur "Anlaufstelle" für

                      Friedhofens Kunden.

                      Unter anderem besuchen ihn dort auch einige seiner ehemaligen

                      Holweider Auftraggeber (und Förderer), um seine Bilder vor Ort in

                      einem an der Straße gelegenen Ausstellungsraum zu besichtigen.

                      Das eigenliche Wohnhaus mit dem Atelier lag im Berghang etwas

                      tiefer.

                      Rösrath, Scharrenbroicher Straße 85

                      Das ehemalige Anwesen des Malers und seiner Lebensgefährtin in

                      Rösrath: In dem linken zur Straße hin gelegene Gebäude - heute zur

                      Garage umgebaut - befand sich ein Ausstellungsraum mit großem

                      Glasschaufenster, Rechts führt ein schmaler Weg zum abwärts im

                      Hang gelegenen Wohn- und Atelierhaus des Malers.

                      Josef Friedhofen war unverheiratet, lebte aber in Rösrath mit sei-

                      ner Lebensgefährtin Helene Göretz zusammen. Helene Göretz,

                      von ihrem Josef nur liebevoll "Leni" gerufen, war 1908 geboren und

                      eine Witwe. Nachbarn berichteten, sie hätte durchaus "Jelt an de

                      Föös" gehabt (unbestätigt). Die beiden waren und blieben zeitlebens

                      ein Paar. Direkte Nachkommen sind nicht bekannt.

                      Portraits des Malers Josef Friedhofen und seiner Lebensgefährtin

                      Helene Göretz (vermutlich Mitte/Ende der 80-er Jahren entstanden).

                      Als Künstler lebt Josef Friedhofen wohl eher still, zurückgezogen

                      und bescheiden in Rösrath. Er macht wenig Aufhebens um seine

                      Person. Er wird als freundlich und umgänglich beschrieben, scheut

                      aber - soweit man dies heute beurteilen kann - alle offizielle Kon-

                      takte zum öffentlichen Kunst-Kommerz, zu anderen Künstlerkollegen,

                      Berufsorganisationen, Galeristen, Kunsthändlern und Ausstellungs-

                      kuratoren.

                      Tatsächlich sind bisher auch nur private Direktverkäufe seiner Bilder

                      bekannt. Josef Friedhofen hat zeitlebens immer nur vom Verkauf

                      seiner Bilder gelebt. Grafisch-anwendungsorientierte Auftragsarbeiten

                      für Handel und Gewerbe – mit denen sich viele Künstler nebenberuf-

                      lich in der Nachkriegszeit über Wasser hielten – oder gar werbliche

                      Illustrationen für Industriebetriebe - lehnte er rundweg ab. 

 1972             Zu seiner Nierenkrankheit kommt später noch eine Herzerkrankung

                      hinzu. Ab 1972 begibt sich Josef Friedhofen mehrfach zur Rehabilita-

                      tion und zur Kur nach Bad Wildungen (Nordhessen).

                Bad Wildunger "Intermezzo"

                      Während seiner Kuraufenthalte "durchwandert" Josef Friedhofen

                      Bad Wildungen und erkundet die Umgebung. Die Gegend gefällt ihm

                      außerordentlich und so malt er verschiedene Ansichten des Ortes

                      und seiner Sehenswürdigkeiten wie das Barockschloß Friedrichstein,

                      die evangelische Altstadtkirche mit dem Wildunger Altar von 1370

                      und die Aussicht vom Homberg, der als "Hausberg von Bad Wildun-

                      gen" gilt.

Josef Friedhofen: Nicolai-Kirche in Alt-Wildungen im Herbst (Vorlage für ein Postkartenmotiv)

                      Seine Gemälde kommen bei den Kurgästen gut an und so unter-

                      hält der Maler - zumindest zeitweise - ein (Zweit)-Atelier im Haus

                      der Bad Wildunger Familie Kraft (Dr. -Born-Straße 3), bei der er

                      einquartiert ist.

                      Gelegentlich stellt Josef Friedhofen seine Werke - im Wesentlichen

                      Aquarelle und Ölbilder -  im Musischen Pavillon der (Kur-)Wandel-

                      halle von Bad Wildungen aus. Unter den Kurgästen wächst sein

                      Bekanntheitsgrad und sein Ruf als wirklich guter Maler. Nicht weni-

                      ge der Kurgäste kaufen nicht nur eines, sondern gleich mehrere

                      Bilder bei ihm und über die Jahre kommen so recht beachtliche

                      Privatsammlungen zustande. Josef Friedhofen vergißt bei seinen

                      Verkaufsgesprächen (natürlich) nicht, sein (Haupt-)Atelier in

                      Rösrath zu erwähnen. Die besonders interessierten Sammler läd

                      er zu Besichtigungen seiner neuesten Werke dorthin ein.

                      Vor Ort malt Josef Friedhofen in seiner "Wildungen Zeit" vor allem

                      helle, freundliche Blumenstillleben sowie Frühlings- und Sommerland-

                      schaften. Vereinzelt stellt er aber auch die heimische Tierwelt dar. 

                      Das Spektrum reicht vom freilebenden Wild in den Wäldern rund um

                      Bad Wildungen (Auerhähne, Fasane und Rebhühner, Enten

                      Wildschweine, Rehe und Hirsche) bis zu den Nutztieren der ortsan-

                      sässigen Bauern, hier vor allem Kaltblüter-Gespanne bei der Arbeit

                      vorm Ackerpflug oder als Zugtiere vor den Erntewagen. Seine

                      lebensnah-natürlichen Darstellungen heben sich qualitativ deutlich

                      von den sonst vielfach anzutreffenden "Kitschbildern", wie den

                      üblicherweise stets auf Waldlichtungen "röhrenden Hirschen" und

                      den bellend "anschlagenden Hunden vor der Jagd" wohltuend ab.

1988              Die Waldeckische Landeszeitung berichtet in Ihrer Ausgabe vom

                      23 Sep. 1988 über eine Retrospektivausstellung, in der Josef

                      Friedhofen eine Auswahl seiner besten Bilder im Musischen Pavillon

                      in Bad Wildungen dem Publikum präsentiert. Die Bilder transportierte

                      der Künstler damals größtenteils mit einem alten Volvo aus seinem

                      Rösrather Atelier an.

                      "Aufhänger" des Presseberichtes ist ein Foto, das den nun 78-jäh-

                      rigen Künstler zusammen mit einem im Alter von 28 Jahren

                      gemalten Selbstportrait (siehe Eingangsbild oben) zeigt. Eine be-

                      achtliche Zeitspanne von 50 Jahren liegt dazwischen.                  

                      Auszug aus einem Begleitblatt zur Ausstellung:

                     "Mit der Retrospektivausstellung wird die vergangene Zeit durch

                      exemplarische Beispiele aus dem Gesamtlebenswerk des Künstlers

                      in ihrer malerisch-stilistischen Veränderung für jeden Besucher

                      transparent".

                      Ein weiteres Begleitblatt zur Ausstellung listete die Titel der gezeigten

                      Gemälde sowie das jeweilige Gestehungsjahr auf. Leider ist dieses

                      wichtige zweite Blatt nirgends mehr verfügbar. Es hätte Aufschluß

                      über die zeitliche Abfolge und damit über die Chronologie der ver-

                      schiedenen Malphasen in Friedhofens Gesamtwerk gegeben.

                      Josef Friedhofens Krankheit ist chronisch. Immer wieder muß er zur 

                      Reha nach Bad Wildungen. Das Bad Wildunger "Intermezzo" währt

                      (mindestens) 16 Jahre. Zwischendurch kehrt Josef Friedhofen immer

                      wieder nach Rösrath zu seiner Lebensgefährtin Helene Göretz in

                      sein Hauptatelier zurück. Mit seiner "Leni" soll er später eine (Zweit-)

                      Wohnung in Bad Honnef bezogen haben - möglicherweise in einem

                      Heim für betreutes Wohnen (unbestätigt). Sein Arbeitsatelier in

                      Rösrath behält er allerdings schon aus Platzgründen bei. Fertige und

                      unfertige, noch in Arbeit befindliche Gemälde sollen sich dort - wie

                      einige seiner Kunden berichten - zum damaligen Zeitpunkt "in

                      mehreren Reihen entlang der Wände gestapelt haben".

Josef Friedhofen bei der Arbeit an dem Ölgemälde "Zwei Sonnenblumen in Glasvase"

Die Fotos wurden freundlicherweise von Frau Elke Zillekens bereitgestellt. Sie stammen

von ihrem Vater, der Josef Friedhofen bei einem Besuch 1991 in Rösrath fotografierte

1991/92        Helene Göretz Gesundheitszustand verschlechtert sich im Laufe

                      der Zeit zunehmend. Sie ist ernsthaft psychisch erkrankt. Josef

                      Friedhofen kümmert sich aufopferungsvoll um sie. Ihr zuliebe

                      schränkt er seine künstlerische Maltätigkeit ein. Nur noch gele-

                      gentlich empfängt er seine Kunden zu Verkaufsverhandlungen in

                      Rösrath. Josef und Helene können Haus und Garten nicht mehr

                     - wie gewohnt - in Schuß halten. Beides "verwildert" nach und nach.

                      Irgendwann ist der über 80-jährige Künstler mit der persönlichen

                      Pflege seiner Lebensgefährtin überfordert. Sie wird in der ge-

                      schlossenen pychiatrische Facheinrichtung "Haus Abendfrieden" im

                      benachbarten Lohmar stationär aufgenommen. Josef Friedhofen

                      besucht seine "Leni" dort jahrelang täglich. Seinen "uralten" Volvo

                      fährt er noch bis ins hohen Alter. Dann ereilt ihn ein Autounfall.

1998              Im Laufe des Jahres stellt sich heraus, dass der mittlerweile

                      88-jährige Maler sich definitiv nicht mehr selbst versorgen kann.

                      Er wird bettlägrig und ist permanent aufsichts- und pflegebedürftig.

                      Man nimmt ihn ebenfalls in Haus Abendfrieden auf. Josef und

                      Helene möchten als Paar bis in den Tod zusammenbleiben. Dies

                      ist im Haus Abendfrieden in Lohmar sowohl aus räumlichen, als

                      auch aus pflegetechnisch-organisatorischen Gründen nicht möglich

                      und so werden beide, Josef und Helene, gemeinsam kurz vor

                      Weihnachten 1998 (22.12.) in eine mit dem Haus Abendfrieden in

                      Verbindung und engem Austausch stehenden psychiatrischen

                      Einrichtung nach Oy-Mittelberg/Allgäu verlegt. 

                      Der Rösrather Haushalt des Paares wird (zusammen mit dem

                      Arbeitsatelier des Malers) zum 31.12.1998 in Zusammenarbeit

                      mit einer gerichtlich bestellten Sozialarbeiterin aufgelöst.

                      Die zahlreichen, noch im Haus verbliebenen Gemälde von Josef

                      Friedhofen findet man in einem "recht erbärmlichen" Zustand vor.

                      Die Leinwände sind - bedingt durch die jahrelange Feuchte in den

                      ungeheizten Räumen, stark in Mitleidenschaft gezogen und viel-

                      fach bereits angeschimmelt. Zudem ist das Holz der Keilrahmen

                      wurmstichig. Viele der Gemälde bedürfen nach Meinung eines

                      kurzfristig hinzugezogenen Experten einer generellen Überarbeitung

                      und Renovierung. Man verzichtet darauf, weil dies mit einem unkal-

                      kulierbar hohen Arbeits- und Kostenaufwand verbunden wäre. So

                      stellt man nur die intakten Aquarelle und Ölgemälde zur Besichtigung

                      und für den öffentlichen Verkauf frei. Die Resonanz auf die Ankün-

                      digung der Haushaltsauflösung und den (Aus-)Verkauf der Werke

                      des Künstlers - veröffentlicht in Aushängen der Gemeinde, im Kir-

                      chenblatt und in einer Kurznotiz in der lokalen Zeitung - ist überaus

                      enttäuschend. Ein Teil der Werke wird schließlich von dem Geschäfts-

                      führer und ärztlichen Leiters des "Haus Abendfrieden" privat erwor-

                      ben, der damit die Räumlichkeiten, Flure und Patientenzimmer in

                      seinem Haus ausstattet. Auch das Pflegepersonal und deren Ange-

                      hörige kaufen aus "jahrelanger Verbundenheit" mit dem Künstler

                      einige seiner Werke auf. Der Rest wird bei der Hausräumung offiziell

                      verschrottet. Haus und Grundstück werden extern zum Verkauf

                      ausgeschrieben und schließlich an Dritte verkauft.               

                      Der Künstler Josef Friedhofen verschwindet für seine Kundern

                      ganz einfach "von der Bildfläche". Er ist physisch als Person nicht

                      mehr erreichbar. Da er keine direkten Nachkommen hat, gibt es                               auch wohl niemanden, der sich persönlich um sein malerisches

                      Vermächtnis kümmert. Eben wegen des gesundheitlich bedingten

                      "schleichenden Abgangs" des Künstlers ist das Lebenswerk von

                      Josef Friedhofen heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

 

                      Es existiert - das muß man leider konstatieren - kein wirklich "trag-

                      fähiger Kunstmarkt" - geschweige denn, ein profiliert-umrissener

                      Sammlermarkt für seine Werke. Vielleicht ändert sich dies mit der

                      Erstellung und Veröffentlichung dieses Künstlerprofil. Es wäre dem

                      Künstler zu gönnen.

19??               Josef Friedhofen und seine Lebensgefährtin Helene Göretz ver-

                      sterben beide in dem geschlossenen psychiatrischen Pflegeheim

                      "Haus Dornhecke (?)" in Oy-Mittelberg. Sie werden dort einge-

                      äschert. Ihre Urnen sind (wohl) auf dem örtlichen Friedhof beige-

                      setzt worden.

                      Eine Bestätigung mit Angabe der genauen Sterbedaten durch die

                      Gemeinde Oy-Mittelberg steht noch aus. 

                    

                       Eine Sammlung aller bisher bekannten und registrierten

                       Gemälde des Künstlers findet sich im nachfolgenden Unter-

                       kapitel: "Werkverzeichnis Josef Friedhofen" 

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