Gustav Lambert (1866 - 1942)

Das Künstlerprofil von Gustav Lambert befindet sich aktuell in redaktioneller Bearbeitung. Die Recherchen zur Vita und zum Oeuvre des Künstlers sind

noch nicht abgeschlossen. Wenn Sie ergänzende, gerne auch detailreichere Hin-

weise auf den Lebenslauf des Künstlers geben können, - wenn Sie Episoden, Geschichten oder "Erzählchen" von oder über ihn kennen, - wenn Sie gegebe-

nenfalls auch noch alte Fotos, auf denen er abgebildet ist, oder gar eines seiner Werke besitzen, bittet der Autor um Kontaktaufnahme - möglichst per

eMail an me.huemmer@web.de.

Ich bin für jeden Tipp und Hinweis dankbar.

Daten zur Person Gustav Lambert

Selbstportrait (Ausschnitt) des Malers Gustav Lambert, Öl auf Leinwand, gemalt um 1926

Gustav Lambert erblickt am 7.9.1866 in Köln das Licht der Welt. Der Junge wird in eine alteingesessene "gutbürgerliche" Familie hineingeboren, katholisch getauft und durch die Eltern im katholischen Glauben erzogen. Die Familie soll "begütert" und 

durchaus angesehen gewesen sein. Gustavs Vater war Unternehmer und besaß in Köln eine "Goldleistenfabrik", in der neben den Vorprodukten zur Anfertigung von

Bilderrahmen (Bildleisten) vor allem Dekor- und Zierleisten für die Möbelindustrie und für die innenarchitektonische Ausstattung von öffentlichen und privaten Reprä-

sentationsbauten (Stadthäuser, Palais, Verwaltungsgebäude etc). produziert wurden.

Das Geschäft florierte während der Kaiserzeit, zumal Gustavs Vater stets die damals tonangebenden französischen Konkurrenzbetriebe im Blick hielt und später auch einen eigenen Betrieb in Frankreich aufmachte. Gerne hätte er seinen Sohn Gustav

zu seinem Nachfolger aufgebaut. Dieser war in einem behüteten Umfeld aufge-wachsen und hatte schon als Jugendlicher musizieren, tanzen, reiten und rudern gelernt. Wie sein Vater beherrschte er die französische Sprache perfekt. Günstige Voraussetzungen, um als alleiniger Sohn in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Wahrscheinlich wird der Junge zu Ostern 1873 in Köln eingeschult. Er wechselt vier Jahre später von der Volksschule auf das Marzellen-Gymnasium in Köln. Bei "normalem" Schulverlauf kann er das "Einjährige" (mittlere Reife) frühestens 1883 und das Abitur (Hochschulreife) frühesten 1886 abgelegt haben.

Gustav Lambert: Portrait der Mutter, geb. Prezell, posthum gemalt um 1935

Als einschneidendes Erlebnis erweist sich für den Jungen der frühe Tod seiner Mutter. Der Vater bleibt nicht lange Witwer. Er heiratet erneut und Gustav erhält eine neue Stiefmuttter, die so ganz anders ist, als seine verstorbene leibliche Mutter. Seine Stiefmutter stammt aus der vornehmen Familie Brückmann in Stollwerk bei Aachen. Den Brückmanns gehört über mehrere Generationen hinweg die "Brauerei von der Ketschenburg", die das damals im Aachener Raum sehr bekannt obergärige "Ketsch" brauten und darüber wohl-

habend, gesellschaftlich anerkannt und einflußreich wurden.

Die Stiefmutter hatte - wie die Kölner sagen - "äsch vill Jelt an de Föös" und war sich ihres "Geldadels" durchaus bewußt.

Gustav fühlt sich durch die Haushaltsführung und die Ansprü-

che, die seine Stiefmutter an ihn stellt, überfordert. Er zieht

sich zurück, rebelliert gegen die veränderten Verhältnisse in seinem Elternhaus und wird nach und nach zum Einzelgänger. Schon bald ist für alle ersichtlich, dass dieser Junge kaum dem Vater in der Geschäftsführung der Kölner "Goldleistenfabrik" würde folgen können.

Offensichtlich zeigte Gustav aber schon als Jugendlicher ein beachtliches kreatives Potenzial. In ihm reift der Wunsch, Künstler zu werden und seine Talente als Kunst-

maler und Zeichner weiter auszubauen. Die durchaus "kunstaffine" Stiefmutter unterstützt den Wunsch ihres angeheirateten Sohnes und ermöglicht ihm - vielleicht, um die häuslich-familieninternen Probleme in den Griff zu bekommen - über ihre Beziehungen die Anmeldung an der renommierten Kunstakademie in Düsseldorf. Diese gehört neben der Kunstakademie München sowie der Kunstakademie in Berlin zu den renommiertesten künstlerischen Ausbildungsstätten im damaligen deutschen Reich. Das nicht unerhebliche Studiengeld konnten damals nur begüterte Familien aufbringen, weshalb ein akademischen Kunststudium in Düsseldorf, München oder Berlin ein "relativ elitäres Vergnügen" war, da keineswegs sichergestellt war, dass die Absolventen nach ihrem akademischen Studium ihren Lebensunterhalt selbst verdie-

nen konnten. Viele der "fertigen Künstler" waren weiterhin auf die Unterstützung ihrer Familien - respektive auf eigenes Vermögen - häufig größere Erbschaften - angewiesen.

Studienausbildung

Gustav Lambert bereitet sich gründlich durch einschlägige Kurse und Privatunterricht auf sein Kunststudium vor.  Im Laufe der Jahre 1902/03 erstellt er eine Bewerbungs-

mappe mit ersten eigenen Arbeiten, die er zur "Sichtung" in Düsseldorf vorlegt. Er wird von der Auswahlkommission angenommen und erhält wegen der Qualität seiner Mappe sogar ein Jahr des obligatorischen Grundstudiums von vornherein erlassen. Gustav schreibt sich an der Kunstakademie Düsseldorf in das Studium: "Freie Kunst" und der Hauptfach-Vertiefungsrichtung "Historienmalerei" ein. Nach dem Grundstu-

dium, das im Wesentlichen die grundlegenden Kentnisse und "handwerklichen" Fertigkeiten in den Zeichen- und Maltechniken, in perspektivischem Sehen und Konstruieren, in künstlerischer Gestaltungs- und Kompositionslehre, in Farb- und Drucktechnik sowie in Anatomie und Gewandkunde vermittelt, folgt das eigentliche Fachstudium. Im Fachstudium wird Wert auf eine künstlerische Spezialisierung der Studenten gelegt. Es beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit einer der Vertiefungsrichtungen der Akademie, beispielsweise mit der Landschaftsmalerei, mit der Natur- und Tiermalerei, mit der Aktmalerei oder eben - wie im Falle von Gustav Lambert - mit der Historienmalerei.

Maßgeblichen Einfluß auf die malerische Ausbildung und Entwicklung des Studenten nehmen die Professoren Arthur Kampf (1864-1950), Heinrich Lauenstein (1835-

1910) und Fritz Röber (1851-1924). Ab 1893 (Kampf und Röber) bzw. ab 1897 (Lauenstein) lehren die Professoren offiziell das Hauptfach "Historienmalerei" in Düsseldorf. Alle drei haben zuvor - damals noch als akademische Zeichenlehrer -

ihren Studenten die Grundlagen der "Portraitmalerei" als notwendige Vorstufe zur "Historienmalerei" vermittelt.

Lehrer mit prägendem Einfluß auf Gustav Lambert

Arthur Kampf: "Agitationsrede zur Volkserhe- bung in Breslau.

Arthur Kampf vertritt in Düsseldorf die Linie der zeitgenössisch-poli-

tischen Historienmalerei. Er gilt als Vorreiter der "Deutschen Kunst" und genießt ab 1933 die besondere Wert-

schätzung von Adolf Hitler, der ihn zunächst auf die Liste der "gottbegna-

deten Künstler" setzen läßt und ihn später - als einen von nur vier Malern - in seine Sonderliste der "kulturell uner-

setzlichen Künstler für das Deutsche Reich" übernimmt.  

(siehe Kapitel: Künstler im NS-Reich).

Heinrich Lauenstein: "Wiegenlied der Engel"

Heinrich Lauenstein steht in Düsseldorf für die Linie der biblich-religösen Historien-malerei, aus der sich vor-

nehmlich die damaligen "Rhei-

nischen Kirchenmaler" rekru-tieren. Förderer und Haupt-

auftraggeber der biblisch- religiösen Historienmalerei waren die Kirchen - im Rhein-

land vornehmlich die römisch-katholischen Kirchenverwal-

tungen und erzbischöflichen Ordinariate. Aus dieser - auch von den Nationalsozialis-

ten akzeptierten - thematischen Zuständigkeit erklären sich die Sonderrechte und Freiheiten, die die Kirchenmaler  "unter den Fittichen der Kirchen" genossen. Sie

waren von den inhaltlichen Maximen der NS-Zeit, die auf eine stikt "arisch-deutsche Kunst" hinausliefen, weitgehend befreit. Laut einem 2011 nachträglich eingeholten Testat der Kunstakademie Düsseldorf gehörte Gustav Lambert dem Kreis um Prof. Heinrich Lauenstein an, in dessen Klasse er zwei Jahre lang (1893-1894) Malerei studierte.

Fritz Röber: "Die Schlacht am Vesuv"

Fritz Röber repräsentiert in Düsseldorf die Linie der klassischen Historien-malerei, die zunächst griechische und römische Mythen, Sagen und Begeben-

heiten in Bildform umsetzte und später

die Welt der Germanen in ähnlich glorifi-

zierender Art darstellt. Der deutsche Kaiser galt als besonderer Freund und
Protegé dieser Malerei, die damit vor dem 1. Weltkrieg einen fast staats-tragenden Charakter erhielt. Die Kunst-

akademie München hatte zur damaligen

Zeit unter den drei "Malerfürsten" Fritz von Stuck (1863-1928), Franz von Lenbach (1836-1904) und Friedrich August von Kaulbach (1850-1920) anerkanntermaßen die Führungsrolle in der (traditionellen) klassischen Historienmalerei ihrer Zeit übernom-

men.

Es gibt Hinweise darauf, dass Gustav Lambert - wahrscheinlich parallel zu seinem Kunststudium in Düsseldorf - auch einige Gastsemester an der Kunstakademie in München studiert hat. Ein reguläres Hauptfachstudium läßt sich in den Matrikel-

büchern der Akademie jedoch nicht nachweisen. Allerdings weilt er auf seinen Studienreisen für längere Zeit in Paris, in Brüssel und - eben auch - in München.

Hier bessert er sich seinen (kargen) studentischen Lebensunterhalt mit dem ge-

legentlichen Zeichnen von Karikaturen (für satirische Zeitschriften) und Buchillus-trationen (für Kinder- und Jugendbücher) auf. In München begegnet er auch zum erstenmal seiner späteren Frau, der 16 Jahre jüngeren Lisette Wunner (1882-1970).

Berufseintritt

Nach Abschluß seines Düsseldorfer Kunststudiums beginnt Gustav Lambert sein Erwerbsleben als akademischer Kunstmaler in Köln. Er versucht, daneben auch

als Kaufmann Fuß zu fassen. Dem steht aber entgegen, dass ihm als kauf-

männischer Angestellten nur wenig Zeit und kein Geld bleibt, ausgedehnte Studien-reisen in's benachbarte Ausland zu unternehmen. Dies ist damals bei den Absolven-

ten der Düsseldorfer Akademie allgemein üblich. Ähnlich den Wandergesellen "auf der Walz" sind die jungen Akademieabgänger angehalten, zunächst ihre malerischen Fähigkeiten in der Praxis zu erproben und zu festigen und gleichzeitig auch eine eigene (wiedererkennbare) künstlerische Handschrift zu entwickeln. Letztendlich gibt Gustav Lambert seine - wohl auch familienseitig massiv finanziell unterstützte - Überlegung auf, in's Kaufmännische zu wechseln. Auf einer seiner folgenden Studienreisen trifft er in München Lisette Wunner wieder. Sie folgt ihm nach Köln. Am 21.04.1906 heiratet das Paar im Standesamt von Köln-Kalk. Aus der Ehe gehen insgesamt neun Kinder hervor, von denen allerdings drei Kinder nicht älter als drei Jahre werden.

        Selbstbildnis Gustav Lambert                  Ehefrau Lisette Lambert

        Pastellzeichnungen (um 1915)                Pastellzeichnung (um 1919)

Umzug und Familiengründung in Bonn

1907 zieht der 41-Jährige mit seiner Frau von Köln nach Bonn - wahrscheinlich in die Austraße nach Bad Godesberg - unweit der Godesberger Rheinfähre - um. Die Familie wächst in der Folgezeit durch die Geburt von 6 Kindern auf 8 Personen an. In Bonn ist Gustav Lambert über 35 Jahre hinweg als professioneller Portraitmaler tätig. In aller Regel arbeitet der Künstler als Auftragsmaler. Seine Auftraggeber sind die Rektoren, Dekane und Professoren der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität  Bonn sowie der Universität zu Köln. Mit Professor Wilhelm Neus (1880-1965), einem Kunsthistoriker und Kirchengeschichtler an der Universität Bonn, verbindet ihn eine "echte Freundschaft". Zudem portraitiert Gustav Lambert lokale Honoratioren, Adlige, Offiziere, Erzbischöfe, Weihbischöfe, Angehörige des mittleren Klerus sowie eine große Anzahl von Persönlichkeiten aus dem Kölner,  Bonner und Godesberger Groß-

bürgertum. Insbesondere die vermögenden "Ruhrbarone", die ihre repräsentativen Villen und Alterswohnsitze in Bad Godesberg und weiter rheinauf entlang des Rheines vis-a-vis dem Siebengebirge gebaut hatten, zählen zu seinen Kunden. Beliebt sind auch Gustav Lamberts Kinderportraits.

In aller Regel gehen die Portraitwerke unmittelbar nach Fertigstellung in das Eigentum des jeweiligen Auftraggebers über, so dass der Maler selbst keinen

Zugriff mehr auf seine Werke hat und weder über den aktuellen Aufhängungsort

noch über die innerfamiliäre Weitergabe oder Archivierung informiert ist.

Gelegentlich schafft Gustav Lambert es, Mitglieder der eigenen Familie und des näheren Bekanntenkreises - meist aus Lannesdorf, wohin die Familie Anfang der 20-er Jahre zieht - zu portraitieren. Da diese Arbeiten in aller Regel unbeauftragt

und somit auch unbezahlt sind, gehen die "ordentlichen" Portraitaufträge natürlich

vor.  Dennoch entstehen mit der Zeit doch etwa zwei Dutzend Portraits, die der 

Künstler den Portaitierten als Geschenk überreicht. Es sind heute die einzigen Exem-

plare aus Gustav Lamberts Gesamt-Oeuvre, deren Verbleib in einer handschriftlichen Liste seines Sohnes Karl Lambert vom Dezember 1984 systematisch nachverfolgt

werden konnten.

Portraits aus dem eigenen Familienkreis

Sohn Robert                        Sohn Robert                    Sohn Robert

Pastellzeichnung vor 1922     Aquarell 1922                  Zeichnung 1935

Tochter Lisbeth               Tochter Lisbeth                  Sohn Karl

Pastellzeichnung  1920   (verh. Latz) Pastell 1942     Pastellzeichnung ???

Leni (spätere Frau Jonen)  Enkelkind Robert Latz       Enkelkind Ruth

Pastellzeichnung 1928       Pastellzeichnung 1942      Pastellzeichnung 1941

Portraits aus dem Lannesdorfer Bekanntenkreis

Karl Hilberath                      Bartl Schliebusch              Küster Schmitz

Metzgermeister                   Nachbar                           Kirchenpedell

Öl/Lw; 1940                        Öl/Lw  1926                     Pastellzeichnung 1939

Erfolge als professioneller Portraitmaler

Gustav Lamberts Bekanntheitsgrad als hervorragender Portraitmaler steigt konti-

nuierlich an, ist aber insofern begrenzt, als sein Geschäftserfolg in erster Linie auf persönliche Empfehlungen, individuelle Referenzerteilungen und eigene Akqui-sitionsbesuche bei potentiellen Auftraggebern vor Ort beruhen. Er setzt auf die

"Mund-zu-Mund-Propaganda" seiner Kunden. Als Maler legt er großen Wert darauf, seine Kunden in ihrem beruflichen oder häuslichen Umfeld zu besuchen, um sie in ihrer Persönlichkeit kennenzulernen und sie "vis-a-vis" zu portraitieren. Er unterhält

in seinem Wohnhaus kein eigenes Studio, sondern malt die Portraits extern bei seinen Auftraggebern. Dazu sucht er sich nach Möglichkeit einen "Raum mit Nordlicht" bei seinen Kunden aus. Je nach Anzahl der vereinbarten Portraitsitzungen können bis zur Fertigstellung eines Bildes mehrere Wochen und Monate vergehen. Bei einigen posthum erstellten Portraits arbeitet der Maler auch nach fotographischen Vorlagen.

 

Soweit bisher bekannt, war der Maler weder Mitglied in einer regionalen Künstler-gruppe im Köln-Bonner Raum, noch pflegte er einen engeren Kontakt zum damaligen offiziellen Kunsthandel wie Galerien, Auktionshäuser, private Kunst- und Ausstel-

lungsinstitutionen, Museen und Kuratoren, Kunstkritiker und die einschlägige Kulturpresse. In der öffentlichen Wahrnehmung bleibt sein Name daher weitgehend unbekannt - anders als beispielsweise bei den in Künstlergruppen organisierten Bonner Portrait-Malerkollegen Carl Theodor Asen, Adolf Hohenstein, Walter Rath, Willy Stucke (sen) und Paul Türoff.

Überliefert ist, dass Gustav Lambert sich selbst nur einmal - und das offensichtlich mit wenig Erfolg - an einer öffentlichen Kunstausstellungen mit einer Auswahl seiner Portraitbilder beteiligt hat. Portraitmalerei zieht - damals wie heute - nur wenige Interessenten und Kunstsammler - außer den Familien und Nachfahren der portraitierten Persönlichkeiten - besonders an.

Gustav Lambert: Portrait des Rektors derr Universität zu Köln, Ferdinand Zinsser (1927)

Abb. oben links: Gustav Lambert             Abb. oben rechts: Gustav Lambert

Prof. Sima, Dekan der kath. Fakultät        Generalpräses des Kolpingwerkes

Friedrich Wilhelms Universität, Bonn         Dr. Franz Schweitzer (posthum)

Gustav Lambert: Portrait des Kirchenhistorikers Prof Heinrich Schrörs (nach 1928)
Vorlagenfoto

Nach dem Tode des Bonner Kirchenhistorikers Heinrich

Schrörs (1852-1928) erhielt Gustav Lambert von der katholischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn den Auftrag, den bekannten, aber wegen seiner Thesen und seiner Lehrauffassung nicht unumstrit-

tenen Professor posthum zu portraitieren. Der zweifach

promovierte und habilitierte Heinrich Schrörs war ein un-

bequemer und streitbarer Mann, der mit der Kölner Kirchen-

leitung im "Clinch" lag und zu Lebzeiten nie für eine Portraitsitzung zur Verfügung gestanden hätte. So übergab man Gustav Lambert posthum eine Fotografie von Prof. Schrörs, nach dem dieser das obige Ölportrait anfertigte.

Gustav Lambert: Portrait der Lindenwirtin Annchen Schumacher (um 1928)

Gustav Lambert: private Portraitbildnisse des Ehepaars Falkenberg (sen)

                        Pastellzeichnungen in ovalen Rahmen  (um 1918)

Gustav Lambert: Sohn der Familie Falkenberg, Pastellzeichnung 1920

Gustav Lambert: Kinderportraits (Pastellzeichnungen in ovalem Rahmen)

Abb. links: Ella von Borke (1928)            Abb. rechts: Söhne von Dr. Liermann (1934)

Episode als Landschaftsmaler

In den frühen 20-er Jahren versucht sich Gustav Lambert alternativ auch in der Landschaftsmalerei. Eine Zeit lang malt er naturalistische Aquarelle mit Motiven der klassischen "Rheinromatik" (Berge, Burgen, Weinorte, Ausflugsziele etc.). Seine Werke finden als Gastgeschenke und "Erinnerungen an schöne Rheinausflüge" vor

allem bei ausländischen Besuchern und "Rheintouristen" Anklang. Nicht ohne Stolz konstatiert der Maler, dass seine Rheinbilder in Privathaushalten in Den Haag, Washington, London und sogar in Tokio hängen. Später kehrt er allerdings wieder

zur Portraitmalerei zurück.

Gustav Lambert: Bildnis einer unbekannten Dame, Aquarellstudie (um 1922)

Wirtschaftsturbulenzen und Existenznöte

Infolge der Finanzierung des 1. Weltkrieges erlebt Deutschland zwischen 1914 und 1923 eine der radikalsten Geldentwertungen aller Zeiten. Die Not in der Bevölkerung ist groß. Lisbeth (Lisette) Lambert ist - im Gegensatz zu ihrem Ehemann - eine prag-

matisch denkende Frau, die "das Leben so nimmt, wie es ist" und selbstinitiativ an-

packt, wenn (im wahrsten Sinne des Wortes) "Not am Manne ist". Sie nimmt eine 

Arbeitstelle in den Dinaswerken im Ortskern von Lannesdorf an. In den Rhein-Dinas-werken wurden bis 1978 die Schamotte-Steine, die man zum Ausmauern von Öfen benötigte, hergestellt. 1921 bekommt die Familie eine (kleine) Werkswohnung von den Dinaswerken zugesprochen. So zieht die achtköpfige Familie von der Austraße in Godesberg nach Lannesdorf und lebt "von der Hand im Mund". Alle Kinder müssen "ihr Schärflein zum Lebensunterhalt der Großfamilie beisteuern" und vor allem die älteren Kinder tragen bald kräftig zum Unterhalt bei. Mit dem "schwarzen Freitag" und dem Börsencrash an der NewYorker Wallstreet beginnt 1929 auch weltweit eine Wirtschaftskrise. Viele Spekulanten und Anleger, die an der Börse ihr Geld sichern wollten, stehen schlagartig vor dem Ruin. Das hat auch im "kulturschaffenden Bereich" gravierende Auswirkungen. Gustav Lambert und seine Familie müssen notgedrungen "den Gürtel noch enger schnallen". Der Kreis seiner privaten und öffentlichen Auftraggeber wird stetig kleiner und tendiert schließlich gegen Null.

Auftraggeber Kirche

Einzig die katholisch-theologische Fakultät und der katholische Klerus kann ihm in dieser schwierigen Zeit noch den ein oder anderen Auftrag erteilen. Eine verlässliche Rolle spielt in dieser Zeit sein langjähriger Freund, Prof. Wilhelm Neuss, der als Vorsitzender des "Vereins für christliche Kunst im Erzbistum Köln und Bistum Aachen" dafür sorgt, dass Gustav Lambert diverse kleinere Aufträge zur Renovierung und Ausbesserung von Kirchengemälden erhält. Damit hält sich der Familienvater in der schwierigen, durchgängig von Existenzangst überschatteten Zeit "über Wasser".

 

Wahrscheinlich sind die in dieser Zeit aufgebauten Beziehungen zur katholischen Geistlichkeit auch der Grund, weshalb Gustav Lambert 1933 zu Beginn der natio-nalsozialistischen "Gleichschaltung der Deutschen Kunst" offiziell der Berufsgruppe der Kirchenmaler zugewiesen wird.

Nach der Machtergreifung Hitlers sind per Ministerdekret des Reichskulturministers für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Göbbels in Deutschland alle "freien" Künstlervereinigungen aufzulösen. Statt dessen wird die Organisation und Berufs-

vertretung aller deutschen Kunstschaffenden einheitlich durch die neugegründete Reichskulturkammer (RKK) wahrgenommen. Gustav Lambert wird - wie alle anderen hauptamtlichen Kunstmaler auch - Mitglied einer Unterabteilung der Reichskultur-

kammer, der Reichskammer der Bildenden Kunst in Berlin. Eine Beitrittsverweigerung hätte praktisch ein Berufsverbot zur Folge gehabt. Als Kirchenmaler genießt er allerdings einen gewissen Schutz gegenüber der Willkür der Kunst- und Kultur-ausschüsse in den zuständigen NS-Gaukammern sowie gegenüber den parteipolitisch gebundenen "Kunstbeauftragten", die ein deutsch-nationales und volksrassisch genehmes Kunstgeschehen in jener Zeit - schon durch den obligatorisch vorge-schriebenen "Arier-Nachweis" diktieren und durchsetzen wollen. Zudem wird überprüft, ob die jeweiligen Künstler nicht zuvor systemkritische oder gar entartete Kunst produziert haben und damit aus der Berufsorganisation der Künstler auszuschließen sind. Denutiationen sind an der Tagesordnung und zwingen viele

- auch Bonner Künstler - zur Berufsaufgabe, zum Untertauchen oder zur Emigration .

 

1935/36 ist die "Gleichschaltung der Deutschen Kunst" bis auf das relativ kleine Gebiet der Kirchenmalerei, das unter der "Obhut" der Kirchen selbst steht, vollzogen (Im Reichskonkordat von 1933 hat der NS-Staat der katholischen Kirche diese Freiheit zugestanden).

Malerische Entwicklung

Malerisch vertritt Gustav Lambert - seiner Ausbildung entsprechend - zeitlebens einen eher konservativ-historisierenden Malstil, der von einer betont realistischen, mit hoher Präzision - nach heutigem Sprachgebrauch fast "fotorealistischen" Personendarstellung geprägt ist. Gustav Lambert legt seine Portraits in Ölfarben

oder in Pastellkreidetechnik an. In einer Interimsphase Anfang der 20-er Jahre gestaltet er seine Landschaftsgemälde in Aquarelltechnik. Zurückgekehrt zur Portraitmalerei, erweitert Gustav Lambert Ende der 20-er, Anfang der 30-er Jahre seine Portraitkunst auf großformatige Genre-Gemälde, die in aller Regel klerikale Festakte (Priester- und Bischofsweihen, Bischofs- und Konzilstreffen, Hochämter, Prozessionen etc.) dokumentieren und den Maler damit zu seinen Wurzeln als akademisch ausgebildeter Historienmaler zurückführen. Diese großen Auftragsarbeiten zählen sicherlich zu den Hauptwerken im Oeuvre des Malers. Leider sind die meisten von ihnen - wohl infolge der Kriegseinwirkungen - durch Brand-

bomben im 2. Weltkrieg vernichtet worden.

Gustav Lambert hat das Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr erlebt. Er stirbt am 10. Sept. 1942 im Alter von 76 Jahren in Bad Godesberg.

Seine Beisetzung findet auf dem Friedhof seines letzten Wohnortes in Godesberg-Lannesdorf statt.

In Memoriam: Bildnisse des Bonner Malers Gustav Lambert

Der 70-jährige Maler Gustav Lambert mit Farbpalette vor einem seiner Ölgemälde 01/1937

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