Künstlerprofil Ernst Meurer (1883 - 1956)

Biografie Ernst (Arthur) Meurer             

Ernst Meurer

Ernst Meurer erblickte am 5.2.1883 in Lahr (Baden) das Licht der Welt. Er wurde in eine umtriebige „Architektenfamilie" hinein-geboren. Von seinem Vater- Carl Meurer (sen.) – stammt unter anderem das Lahrer Krankenhaus, die Friedrichsschule, der Schlachthof – heute ein Jugend- und Kulturzentrum - diverse Villenbauten und eine Unzahl von Bürgerhäusern in Lahr. Ernst Meurers Bruder, Karl Meurer, wie auch dessen Sohn Volkmar sowie ein Enkel wurden ebenfalls Architekten.

Der Vater Carl Meurer (sen.) siedelte schon früh nach Freiburg um und machte dort – zusammen mit seinen Mitarbeitern - ein neues Architekturbüro auf. Schon bald florierte das Geschäft und so ließ er die Familie nachziehen.

Ernst Meurer wuchs in Freiburg auf. Er hatte eine weitgehend unbeschwerte Kindheit, besuchte dort die Volks- und Realschule sowie die örtliche (Kunst-) Gewerbeschule. Nach der Schulzeit wechselte Ernst Meurer nach Karlsruhe, um dort an der Kunstakademie bei Prof. Heinrich Kley (1863-1945) und dem Landschaftsmaler Hermann Göhler (1874-1959) Malerei zu studieren. Ernst Meurer fügte sich schnell in den Kreis der (studentischen) Akademiemaler ein. Das Bohemien-Leben gefiel ihm. Er machte die Bekanntschaft von Hans Thoma - sicherlich einer der bekanntesten Landschafts- und Genremaler seiner Zeit – der ihn öfter in seinem studentischen Atelier in Karlsruhe aufsuchte und ihn in der Folgezeit "wohlwollend-beratend" unter seine Fittiche nahm. Auch den Bildhauer Fritz Klimsch (1870 -1960), der in seinen jungen Jahren noch eng mit Clara Schumannn und Brahms befreundet war, kannte er gut.

Ernst Meurer: frühes Selbstbildnis

Zum Studienende vermittelte sein Lehrer Hermann Göhler ihm ein Volontariat in den „Werkstätten für Deutschen Hausrat", einem Dresdener Kunstatelier, dass sich unter der Leitung von Prof. Gertrud Kleinhempel (1875-1948) mit der künstlerischen oder eher kunsthandwerklichen Gestaltung von Wohnungsausstattungen - heute würde man es „Interieurdesign" bezeichnen - profiliert hatte.

Damit hatte Hermann Göhler den jungen Ernst Meurer auf einen Weg gesetzt, der es ihm erlaubte, die brotlose Kunst der Malerei mit einer halbwegs einträglichen Designer-Tätigkeit zu verbinden.

G1 2013 001 Ernst Meurer:"Blick auf des Siebengebirge"; Öl auf Lw; 70 x 90 cm (h x b)

 

Berufliche Entwicklung

 

„Alles neu macht der Mai, alles neurer macht der Meurer"

Ernst Meurer bewies in den Folgejahren ein Händchen für den stilistisch sicheren Umgang mit Farben und Dekoren. Er war kreativer Dekorateur, Formgeber und Gestalter, Stylist und Designer in einem. Schon früh spezialisierte er sich - sicherlich geprägt durch sein Volontariat bei den „Werkstätten für Deutschen Hausrat" - auf die Gestaltung von Wandbehängen und Tapeten. Zu Wandbehängen zählte er neben Wandteppichen auch Gemälde und die illusionäre Kulissen-Malerei (Trompe-l'oeil). Sein Berufsweg führte ihn von Dresden über Hannover (Tapetenstudio Schmid und Kubern), Hamburg und Gummersbach bis nach Bonn, wo er ab 1911 unter anderem für die Rheinische Tapetenfabrik Beuel arbeitete.

In Siegburg lernte er bei der heutigen Siegwerk Druckfarben AG die Fotogravur-Technik kennen und war unter Leitung von Vater und Sohn Alfred Keller sowie Fritz Rung als angestellter „Ornamenteur" an der Entwicklung von Kupfertiefdruckfarben beteiligt, mit denen sich retuschierte Fotovorlagen erstmals im großen industriellen Maßstab für die Tapetengestaltung nutzen ließen.

1919 übersiedelte Ernst Meurer endgültig nach Bonn. Zwischen den beiden Weltkriegen arbeitete er (mit Unterbrechungen) für die heutige Deutsche Steinzeug AG in Duisdorf-Witterschlick. Das Vorläufer-Unternehmen (AGROB- BUCHTAL) stellte damals seine Produktion von keramischen Abwasserrohren auf Fliesen- und Badkeramik-Produkte um und brauchte Spezialisten, die sich in der Gestaltung von Wohnwelten auskannten. Ernst Meurer entwarf keramische Bad- und Küchen-einrichtungen und entwickelte unter anderem einen farbstilistisch fein aufeinander abgestimmten 32-teiligen Farbmusterset für Keramikglasuren, die insbesondere bei der Gestaltung reproduzierbar genauer Wand- und Bodenmosaiken gebraucht wurden.

In der Regel arbeitete Ernst Meurer damals auf freiberuflicher Basis, was einerseits den Vorteil hatte, dass er sich seine Arbeit frei einteilen konnte und genügend Zeit für seine Malerei blieb, andererseits aber natürlich ein finanzielles Risiko in sich barg, da er seine Frau Emmy und zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen zu ernähren hatte. Es gab wohl Wochen, Monate und Jahre, in denen die Familie „sehr, sehr spitz" rechnen musste und die nur durch Ernst Meurers Unterrichtstätigkeit an der Bonner Berufsschule überbrückt werden konnte. Er verdiente sich als „Zeichenlehrer der Stadt" - wie er es ausdrückte – "mehr der Not gehorchend"- etwas dazu. 1943 - im Krieg - gab Ernst Meurer Zeichenkurse im Berufserziehungswerk der Deutschen Arbeitsfront in Bonn.

 

Künstlerische Entwicklung

Bei allen Tätigkeiten, die Ernst Meurer zur Sicherung des Lebensunterhaltes seiner Familie ausführte, hat er nie seine Berufung als Kunstmaler vergessen. Er war und blieb „mit Haut und Haaren" Maler.

Auf eigenen Wunsch verließ er kurz nach dem Krieg „die öden Sandwege der Industriemalerei" und „befreite sich aus der Gebundenheit als städtischer Zeichen-lehrer", um sich fortan ganz der Landschaftsmalerei zu widmen.

Die Malerei war seine Profession, sein Beruf. Und so war er auch Zeit seines Lebens als Kunstmaler beruflich organisiert. Zunächst – bis zur Auflösung 1933 – im  „Bonner Künstlerbund", danach in der „Reichskammer der bildenden Künste" und später dann in der „Bonner Künstlergruppe". Ernst Meurer war immer der Meinung, dass sein Berufsstand -die Künstler- eine besondere Verantwortung als Kulturschaffende trage. „Künstler" – so sein Credo - „sind verpflichtet, im wahrsten Sinne des Wortes Farbe zu bekennen, sonst sind sie keine professionellen Künstler".

Farbe bekennen, muss keineswegs politisch agitativ gemeint sein. Es bedeutet vielmehr, dass ein Künstler zu seiner Kunst und zu seinen Werken stehen muss. Er muss sie erläutern, muss über sie diskutieren und seine Intentionen dem Betrachter vermitteln können. Und das tat Ernst Meurer.

Er selbst beschrieb dies in einem Interview, das er anlässlich seines 70. Geburts- tages gab, so:

„Damals hat man sich für oder gegen jedes neue Kunstwerk von Rang ganz anders erregt wie heute. Die Eröffnung einer Ausstellung war ein gesellschaftliches Ereignis mit stundenlangen, oft hitzigen Diskussionen. Unten am Rhein hat mir die Stadt im Pavillon des Böselagerhofes ein Atelier zur Verfügung gestellt. Des Sonntags kamen dort nach dem Kirchgang viele meiner (Maler-)Kollegen, aber auch die Honoratioren von Stadt und Universität – darunter nicht selten der Bürgermeister und diverse Uni-Dekane - zu höchst fachlichen Gesprächen vorbei. Da musste man schon „Farbe bekennen". In brenzligen Situationen hat mir stets geholfen, dass ich Goethes kompletten Faust auswendig hersagen konnte. Da fand sich im Streitfall immer ein passendes Zitat. Gestritten wurde viel, denn über Kunst lässt sich trefflich streiten, bei einem anschließenden Glas Wein aber auch wieder gut vertragen". Er führte dann weiter aus: „... In der (Bonner) Künstlerszene , die sich damals im „ Bonner Malkasten", in der „Kerze", in der „Lese", im „Höttchen", im „Bären", im „Aennchen" oder auch im "Bonner Bürgerverein" zu regelmäßigen Stammtischen traf, ging's ebenfalls hoch her. Die neuesten Ausstellungen und Themen wurden besprochen, neue Pläne geschmiedet, gemeinsame Vorhaben vereinbart und so manche Exkursion und Künstlerreise fand dort ihren Ausgangspunkt und ihr Ende".

 

Maler der "vergessenen Generation" in Bonn

Aber so quicklebendig die Szene von ihm auch beschrieben wird, so täuscht dies nicht darüber hinweg, dass Ernst Meurer, wie viele seiner Malerkollegen, zu einer „vergessenen Malergeneration" gehört. Jene Malergeneration, die in den drei Dekaden um den 2. Weltkrieg herum, zwischen 1925 bis 1955 künstlerisch aktiv war.

Im Bonner Raum gehört zu dieser vergessenen Malergeneration: Wilhelm (Willy) Faßbender (1873-1938); Em Oelieden (1875-1934); Toni Wolter (1875-1929); Carl Nonn (1876-1949); Ernst Meurer (1884-1956); (Dr.) Heinrich Houben (1885-1967); Georg Günther (1891-1969); Leo Breuer (1893-1975); Eduard Kintrup, (1896-1959); Gottfried Trimborn (1887- ?); Otto Küppers (1888-1986); Joseph Faßbender (1903-1974); Willy Maria Stucke (1909-1987) sowie Matthias Profittlich und Willi Diesenberg.

Dass die Künstlergeneration (vielleicht mit Einschränkung des Malers Carl Nonn) in „Vergessenheit" gerieten, hat viele Gründe. Zum einen hatte der durch August Macke in Bonn prominent vertretene rheinische Expressionismus ab 1933 viel an seiner innovativer Strahlkraft auf die Bonner Künstlerschaft verloren. Die offizielle Ächtung expressionistischer Malerei als volksfeindliche, entartete Kunst sowie die Beschlagnahme und rigorose Entfernung der Werke August Mackes aus allen öffentlichen Museen und Sammlungen tat ein Übriges, die Bonner Künstler „in Deckung" gehen zu lassen. Wo immer möglich, zog man sich auf vermeindlich genehme Themen und unverfängliche Bildsujets zurück: Natur und Landschaft, Tiere und Menschen, Stillleben und naturalistische Portraits.

Man darf andererseits auch nicht verkennen, dass ein freies, unkontrolliertes künstlerisches Schaffen ebenso wie die Suche nach neuen Ausdrucksformen in der damaligen Zeit schon aus kommerziellen Gründe so gut wie unmöglich war, da jeder Künstler, der von seiner Kunst leben wollte, nur die Alternative besaß, einen Antrag auf Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste zu stellen und sich den Statuten dieser Institution zu unterwerfen, oder aber ein Berufsverbot mit allen daraus folgenden Konsequenzen zu riskieren.

Kein Wunder also, dass „in Deckung befindliche" Künstler angesichts der drohenden Konsequenzen wenig Lust verspürten, neue, revolutionär-innovative Impulse in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Von außen gesehen ist es im Nachherein ein leichtes, den Künstlern dieser Zeit pauschal „moralisches Duckmäusertum" oder gar „ideologische Schönfärberei" vorzuwerfen.

 

Rückzug in den Naturalismus

Wenn man genauer hinschaut, bemerkt man, dass viele der „vergessenen" Künstler einen ganz eigenen Weg gefunden haben, den „röhrenden Hirschen auf der Waldlichtung", den „säenden oder erntenden Bauern auf dem Felde", den „pausbäckig vor dem Haus spielenden blonden Kindern" oder gar den "heroisch (wett-)kampfbereiten, stählern nach vorne schauenden Muskel-Ariern" zu entgehen.

Es fällt auf, wieviele bildende Künstler dieser Generation argumentieren, das Wesen ihrer Kunst läge in der farbigen und stofflichen „Durchdringung" ihrer Bilder, in der Suche nach dem richtigen, in sich stimmigen Bildaufbau, in einer fast körperlich empfindbaren Nähe zu den dargestellten Objekten oder umgekehrt, in der Darstellung der atmosphärischen Weite von Licht und Luft, von Himmel und Wolken.

Nahezu alle Maler jener Zeit frönten der "Freilicht- bzw. der Freiluft-Malerei", wanderten zu Studienzwecken mit Pinsel, Farbkasten und Staffellage unter dem Arm hinaus, um sich vor Ort – im Freien - entsprechende Anregungen zu suchen.

„In guten Bildern" – so ihre Argumentation –„findet sich nichts Plattes, nichts Aufgesetztes, nichts Konstruiertes.  Naturalismus ist angesagt! Die Stofflichkeit von Luft, Erde, Feuer und Wasser, die physische Präsenz von Haut und Haaren, von frischen und welken Blumen, das alles soll dem Betrachter durch eine gekonnte Farb- und Formgebung sowie eine dramaturgisch natürliche Licht- und Schattensetzung vermittelt werden. Je natürlicher, desto besser!"

Im Kern steckt dahinter die Überzeugung, dass bildende Kunst politisch absolut wertfrei zu betrachten und zu genießen sei. Ernst Meurers persönlicher Freund Carl Nonn, der den "Bonner Künstlerbund" lange Zeit als Vorsitzender geführt hatte, formulierte es so:

Naturalismus, so unsere Maxime, beschäftigt sich mit der Natur. Und Natur ist – so wie sie ist – wertfrei. Sie ist weder gut noch schlecht, weder mora- lisch noch unmoralisch, weder schön noch hässlich, weder geartet noch entartet. Natur ist Natur. Punkt!

Genau diese Einstellung spiegelt sich auch in den Werken von Ernst Meurer wider.

 

Künstlerische Arbeitsweise

Ernst Meurer ist Landschaftsmaler mit Leib und Seele. Sein Schaffensprozess ist klar gegliedert. Wann immer es ihm möglich ist, ist er mit „kleinem Gepäck" im Freien unterwegs.

Das „kleine Gepäck" besteht aus einem Aquarellkasten, Blei-, Graphit- und Kohlestiften, einigen Pinseln, einem Zeichenblock und einem klappbaren Sitzschemel. Dazu noch eine Feldflasche, gefüllt mit Wasser. Meist ist er in Bonn oder im nahen Bonner Umfeld unterwegs. Er kennt nahezu jede schöne Ecke der Gegend und portraitiert seine Stadt, sein Land und seinen Fluß unermüdlich zu jeder Tages- und Jahreszeit. Detailskizzen legt er vor Ort mit Aquarellfarben an, um die jeweiligen Stimmungen auf- und mitzunehmen.

Abb. links: Ernst Meurer                       Abb. rechts: Ernst Meurer

      "An der Sieg"                                       "Eifellandschaft"

       Aquarell 48 x 38 cm                              Aquarell 29 x 38 cm

       S-nr: G1 2014-001                              S-nr: G1 2014-002

Ernst Meurer ist ein Meister des Aquarells.

Sein geübter, stilistisch sicherer Umgang mit Farben, Farbnuancen, Dekoren und Ornamenten, der ihn schon als ehemaligen Tapeten- und Interieur-Designer auszeichnete, hilft ihm nun, das Wesentliche einer Landschaft sicher zu bestimmen und die gesamte Bildkomposition in Form atmosphärischer Landschaftsstudien rasch „auf den Punkt" zu bringen. Heimgekommen dienen ihm die Aquarellstudien gleichsam als Gedankenstütze für die endgültige Durchbildung des Motivs, die er an seiner Atelierstaffelei in Öl auf Leinwand vornimmt.

Ernst Meurer an seiner Staffelage

Tatsächlich sind allerdings schon Ernst Meurers flüchtig vor Ort erstellten Aquarellstudien von einer so hohen Qualität, dass sie durchaus gleichberechtigt neben den Ölgemälden bestehen können.

Das zeigt sich auch an den Bildverkäufen. „Die Nachkriegswohnungen sind einfach viel zu klein für massive Ölschinken" vermutet Ernst Meurer und stellt in logischer Konsequenz seine Bilderproduktion zu Beginn der 50-er Jahre zunehmend auf Aquarelle um. Den gewohnten Ablauf im Schaffensprozess behält er bei. Landschaftsstudien und Detailskizzen werden zunächst „vor Ort" im Freien erstellt und später dann im Atelier als Vorlagen für durchgearbeitete Werke genutzt. Statt in Ölfarben auf Leinwand nun aber vornehmlich in Aquarellfarben auf Papier.

Ernst Meurers Wohnung und Atelier befand sich damals in der Argelanderstraße 76 in der Bonner Südstadt. Unweit davon - in der Königstraße - lag das Künstlerlokal "Zur Kerze", das von Ernst Meurers zweiter Ehefrau Emmy geführt wurde. Sie erhielt von der Stadt Bonn am 31.01.1951 eine Schankkonzession unter der Auflage, "regelmäßig Ausstellungen in den Gasträumen zu veranstalten". Die "Kerze" wurde schnell zum Treffpunkt der Bonner Künstler und zu einem gut besuchten Szenelokal in Bonn.

Hier trafen Maler und Bildhauer, Schauspieler und Musiker, Schriftsteller und Autoren, Bühnenpersonal und Regisseure, Lokalpolitiker und Journalisten, Sammler und andere Kunstinteressierte aufeinander. Zu Anfang der 50-er Jahre griff auch die Stadt Bonn - in Ermangelung anderer Ausstellungslokalitäten - gerne auf das Künstlerlokal zurück, um dort in Kooperation mit der sich nach dem Krieg neu organisierende "Bonner Künstlervereinigung" Ausstellungen und Autorenlesungen zu veranstalten. Es war die Zeit rauschender Künstler- und Karnevalsfeste. Der Krieg war vorbei. Man hatte überlebt, lebte nun im Dreizonenland  ("Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien") und wollte einfach wieder "normal" feiern. Und es war die Bonner Künstlerschaft, die vielfach die Initiative ergriff, um Künstlerfeste und Feiern zu organisieren. Für die bildenden Künstler hatte das den keineswegs unerwünschten Nebeneffekt, in Zusammenarbeit mit den diversen Festkomitees Aufträge zur Anfertigung fantasievoller Dekorationen zur Ausstattung der Bonner Kneipen und Festsääle zu erhalten. Im Bonner "Malkasten" (der später zum "Tabu" wurde), in der "Lese", im "Königshof", im "Bonner Bürgerverein" und (näturlich) in der "Kerze".

Ernst Meurer: "Fasching"

Ernst Meurer erinnert sich an einen "pompösen"

Märchenvogel, den er für eine Karnevalsveran-

staltung im Bonner Bürgerverein entworfen und

gefertigt hatte: "Den Körper hatte ich aus Pack-

papier auf ein vorgeformtes Drahtgerüst model-

liert und diesen dann mit einem Gefieder aus

goldenem Glanzpapier überzogen. An den

Schwanzfedern hatte ich dünne Sperrholzstreifen

verwandt, die beiderseitig mit leuchtend farbigen

Glanzpapier beklebt und am Rande fiedrig einge-

schnitten waren, so dass sie in der warmen Saal-

luft ständig wippten. Es war ein riesiger, aufsehen-

erregender Vogel, der inmitten des Saales in einem goldenen Ring frei schwebte. "Licht aus - Spot an" Das war einfach magisch! Diesen Vogel hätte ich mehrfach produzieren und verkaufen können, aber den gab's wirklich nur einmal."


Ein mächtiger innerer Trieb

 

„Ich fühle mich sonst nicht wohl, wenn ich täglich bis Mittag nicht wenigstens ein Aquarell angelegt habe" gesteht der Maler anlässlich seines 70.ten Geburtstages der Westdeutschen Neuen Presse und fährt dann fort: „Ich muss einfach meine Bilder malen. Da ist irgendein mächtiger innerer Trieb, der mir den Pinsel in die Hand drückt. Ich muss täglich neu den Zauber der Farben und Formen erleben und jedes Mal sind sie – selbst wenn ich genau denselben Ort aufsuche und denselben Landschaftsauschnitt male, anders".


Die Motive gehen ihm nie aus. Die Verschiedenheit der rheinischen Landschaft fasziniert ihn. Im den Sommermonaten bereist er normalerweise den Rhein, von der Mündung bis zum Oberlauf. Kaum eine Burg, kaum ein Schloss, kaum ein Seitental, dessen Konturen er nicht in seinem Aquarellblock verewigt hat. Und es sind nicht nur die vielen Skizzen und Zeichnungen, die er von seinen Reisen zurückbringt. Als aufgeschlossener, kontaktfreudiger und sehr belesener Mann, kennt er die Geschichten und Sagen aller (auf-)gezeichneten Örtlichkeiten und weiß im Kreis seiner Familie, bei Freunden und Kollegen auf unterhaltsamste und kurzweiligste darüber zu berichten. Er erinnert sich an ein besonderes Erlebnis, als er mit einem Malerfreund im Omnibus vom Bonner Bahnhof aus zur Gronau an den Rhein fuhr. Er erzählte gerade von Schloß Bürresheim im Nettetal und kam dabei vom "Hölzchen auf's Stöckchen", bis er er auf einmal durch einen anderen Fahrgast unterbrochen wurde, der hastig aufstand und entschuldigend vermerkte, er habe einfach zu lange seiner Erzählung zugehört und nun die Haltestelle zum Aussteigen verpaßt. Wie sich herausstellte, war das der Bundespräsident Theodor Heuss gewesen. 

Ernst Meurers Sudienreisen führen ihn unter anderem in seine ehemalige Heimat, den Schwarzwald zurück, dessen Höhen er in zahlreichen ausgedehnten Fußwanderungen ersteigt. Er zeichnet die schroff aufsteigenden Berghänge der Schweizer und Österreicher Alpen - wuchtige Felsmassive, die in seinen Bildern in dunklen, ausgedehnten Tannenwäldern gründen - skizziert Wegkreuze, die den Wanderer in einsame Nebentäler und zu still in der Sonne liegenden Almhütten leiten.



Ernst Meurer: "Beueler Hafen"

Typische Arbeitsskizze

 

aquarellierte Bleistiftsskizze

auf braun geriffeltem Pack-

papier

Maße: 25 x 32 cm (h x b)

 

Blick vom Beueler Hafen zur

alten Bonner Rheinbrücke.

Sammlungsnr: G1 2013-002

Ernst Meurer: "Baumstudie"

Studie eines Baumstumpfes am

Venusberg

 

aquarellierte Farbstiftzeichnung auf

Packpapier, aufgezogen auf braunem

Cansonkarton.

Abmaße: 32 x 22 cm (h x b)

 

Sammlungsnr: G1 2013-003

Ernst Meurer: "Der Sennerhof"

Der Sennerhof Buchholzer

 

Zwischen steil aufragenden

Berghängen ist unter einer

Baumgruppe ein kleiner

Bauernhof zu erkennen.

Er ist offensichtlich bewirt-

schaftet, jedoch ist weder

Mensch noch Tier in der

Landschaft zu erkennen.

Öl auf Lw.; ca. 80 x 60 cm

(h x b); Signatur unten

links: E. Meurer

Sammlungsnr: G1 2013-004

„Und überall ist die Landschaft durch eine gewisse Klarheit und luftige Atmosphäre gekennzeichnet, die in Ernst Meurers Werken meisterlich zum Ausdruck kommt."

Ernst Meurer: Mediterrane Nacht

Die Bonner Rundschau spricht 1953 in einer Ausstellungsrezension von „realen Traumlandschaften", in die Ernst Meurer den Betrachter entführt. „Man glaubt sich dahin versetzt, wohin die eigene Phantasie uns hin wünscht. Bunte Blumen blühen in nie entdeckten Gärten und schwarze Äste überschatten einen verzauberten See, an dessen Ufern der graue Alltag unserer Zeit keinen Raum gewinnt. Und vielleicht liegt genau darin, in der Ablenkung vom trist-grauen Nachkriegsalltag unserer Städte und in der Verheißung einer schöneren, durch Farbe, Klarheit und Transparenz gekennzeichneten Natur der besondere Verdienst dieses Malers."

Im Frühjahr 1955 fährt Ernst Meurer mit seiner dritten Ehefrau - Hildegard Meurer-Wüllenweber - zu einer Studienreise nach Südfrankreich. Sie besuchen Nizza, Cannes, Antibes, Monaco, "berauschen" sich an den mediterranen Farben und dem Geruch von Oleander; Pinien, Eukalyptus, Agaven und Bougainvillas. Sie besuchen das Bergdorf Vallauris, wo Pablo Picasso mit seiner Frau Francoise und den Kindern Claude und Paloma wohnt und suchen dessen "private" Keramik-Brennerei auf. In seinem Skizzenbuch verewigt Ernst Meurer seine Eindrücke.

1955 malt Ernst Meurer die Auswirkungen des Rheinhochwassers im Bonner und Beueler Stadtgebiet. Ein Jahrhunderthochwasser, das mit einem Pegelstand von 9,42 m zu großflächigen Überschwemmungen im Stadtgebiet führte. Im Winter 1955/56 entstand ein "Eishochwasser" betiteltes Bild, das sein letztes und vielleicht auch eindruckvollstes Werk werden sollte. Es zeigt die sich dramatisch zu einer gefährlichen Wasserbarriere aufschichtenden mächtigen Eisschollen des Rheins, der damals  - letztmalig im 20. Jahrhundert - zugefroren war. Leider ist dieses Ölgemälde, das noch lange Zeit in der Wohnung des Malers hing, heute verschollen.

Ernst Meurer in seinem Atelier

Auch der übrige Nachlass - eine Enkelin des Malers berichtet von "Opas selbstgebastelten, schwarz-beklebten Koffern, randhoch gefüllt mit unzähligen Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen"- ist bei später anstehenden Wohnungswechseln der Familie "verschütt" gegangen.


Ernst Meurer, der Maler und Aquarellist verstarb am 29.03.1956 im Alter von 73 Jahren in Bonn. Er wurde auf dem Bonner Südfriedhof im Kreis seiner Familie und Freunde beigesetzt.

 

Nach Ernst Meurer ist der "Ernst-Meurer-Weg" in Bonn-Buschdorf benannt.

Reportierte Ausstellungsbeteiligungen

(bisher recherchiert, ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

 

1926  Weihnachtsausstellung im Museum Villa Obernier, Bonn

1930  Weihnachtsausstellung der Bonner Künstlervereinigung 1914 im Deutschen

          Künstlerbund, Museum Villa Obernier, Bonn

1932  Sonderausstellung zusammen mit Louis Ziercke im Museum Villa Obernier,

          Bonn

1933  Ausstellung der Bonner Künstlerschaft, Museum Villa Obernier, Bonn

1936  Ausstellung im Rahmen der Gaukulturwoche für die Künstler des Gaus

          Köln-Aachen im Museum Villa Obernier, Bonn

1938 „60 Künstler sehen die Heimat" Künstler des Gemeinschaftswerkes Kunst und

          Künstler des Gaus Köln-Aachen im Leopold-Hoesch-Museum, Düren

1943  Sonderausstellung anläßlich des 60. Geburtstages

          von Ernst Meurer im städtischen Museum Villa Obernier

          in Bonn: "Ernst Meurer - Gemälde und Aquarelle").

 

           Das Museum wurde am 18. Oktober 1944 bei dem

           schweren Bombenangriff auf Bonn zerstört und

           nicht mehr wieder aufgebaut.

 

          

           (rechts: Ausstellungsplakat vom Febr. 1943)

1947  Weihnachts- und Verkaufsausstellung der Stadt Bonn zusammen mit der

         "Bonner Künstlerschaft" in den Räumen des Kaufhofs (4.OG).

1948  Einzelausstellung als Veranstaltung der Stadt Bonn: "Ernst Meurer - Gemälde

          und Aquarelle" in der Galerie Neue Kunst in der Königsstraße in Bonn. (Die

          Galerie wurde von Frau Profitlich, der Ehefrau des Malers Matthias Profitlich

          betrieben).

1948  Weihnachtsausstellung der Stadt Bonn zusammen mit der "Bonner Künstler-

          schaft" im Bonner Bürgerverein.

1949  Weihnachtsausstellung der Stadt Bonn zusammen mit  der "Bonner Künstler-

          schaft" in den Räumen der Münsterschule in Bonn.

1950  Weihnachtsausstellung der "Bonner Künstlerschaft" in der Universitätsmensa

          in der Nassestraße           

1951  Ausstellung: "Bonner Künstler" veranstaltet durch die Stadt Bonn im neuen

          Künstlerlokal: "Zur Kerze" in Bonn. (Das Künstlerlokal "Zur Kerze" wurde

          seit der Eröffnung am 31.1.1951 von Emmy Meurer, der zweiten Frau von

          Ernst Meurer geführt.

1953  Retrospektivausstellung zum Anlass des 70. Geburtstages von Ernst Meurer

          im Künstlerkeller „Zur Kerze" in Bonn.      

1956 „Berge und Wasser" – Reiseaquarelle aus den Pyrenäen, vom Mittelmeer und

          aus der Eifel, Ausstellung in den Räumen der Neuen Rhein Zeitung NRZ



Werkübersicht

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Motive aus Bonn und Umgebung

Ernst Meurer: "Flußlandschaft an der Sieg" Öl auf Lw.
Ernst Meurer: "Blick zur Siegmündung" ca.1930

Motive von Mosel, Ahr und Eifel

Motive aus Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Italien

Ernst Meurer: "Der Sennerhofr Buchholzer"; Öl auf Lw.; 80 x 60 cm

Blumen-Stillleben

Ernst Meurer: "Goldregen": Öl auf Lw.;

Sonstige Motive

Ernst Meurer: "Rotwild am Waldrand"; Öl auf Lw;

Die Stadt Bonn besitzt vier Werke von Ernst Meurer:

 

Bild   Titel:                               Datum:  Ausführung:  Abmaße:    Reg-Nr:

145   März im Siegtal                 1940      Öl auf Lw     78,5 x79     SMB 1991/G212

146   Blick auf den Rolandsbogen    ?       Öl auf Lw     68,5 x 83,5 SMB 1991/G213

197   Der Rhein bei Nonnenwerth    ?       Öl auf Lw     50 x 60,5    SMB 1995/Alt13

198   Ahrberge                              ?       Öl auf Lw     100 x 99,5  SMB 1995/Alt14

 

SMB = Stadtmuseum Bonn

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