Ferdinand von Reznicek (1868-1909)

Das Künstlertprofil von Ferdinand (Franz) von Reznicek befindet sich aktuell in redaktioneller Vorbereitung. Die Recherchen - mit ihnen auch die Recherchen zur Entstehung des Münchner Jugendstils - sind aktuell noch nicht abgeschlossen.

1868  Am 16.06.1868 erblickt Ferdinand, Freiherr von Reznicek in Sievering bei

           Wien als eines von drei Kindern des kuk-Generals Joseph Reznicek das Licht

           der Welt. Ferdinands Großvater (Josef Reznicek, 1787-1848) war ein be-

           kannter Musiker, Militärkapellmeister und Komponist von Militärmärschen.

           Ferdinands Vater wurde (~ 1858) vom General zum österreichischen

           Feldmarschall befördert und mit Wirkung vom 1.02.1860 in den Freiherren-

           stand erhoben.

           Der ersten Ehe des Vaters mit Clarissa, Gräfin (zu) Ghika, entstammt

           Ferdinands Halbschwester Helene sowie sein Halbbruder Emil Nikolaus, der

           später in Wien als Musiker tätig ist und - wie sein Großvater - ebenfalls ein

           erfolgreicher und angesehener Musiker und Komponist wurde.

           Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratet Ferdinands Vater die aus einer

           betuchten Grazer Fabrikantenfamilie stammende Hermine Conrad.

           Ferdinand erhält von seiner Mutter Hermine eine standesgemäß großbür-

           gerlich-konservative Erziehung. Er wird im katholischen Glauben erzogen.

 

1874   Ferdinand wird in die katholische Volksschule in Sievering eingeschult. Von

           dort wechselt er 1878/79 auf eine weiterführende Kadettenschule nach Wien.

           Schon früh lernt der Junge dort exerzieren und reiten. Auf Drängen des

           Vaters soll er - ganz der Familientradition entsprechend - eine militärische

           Laufbahn als Kavallerieoffizier einschlagen. Allerdings scheint ihm der

           Mix aus schulischem Lernen und militärischem Drill in der Kadettenschule

           nicht besonders zu liegen. Irgendwie gewinnt er innerlich Abstand. Ihm 

           geht die "staatstragende Funktion des Militärs" auf, einer nicht nur in

           Österreich überaus angesehenen Gesellschaftsschicht und eines poli-

           tischen Milieus, als deren Vertreter er sich - ob er es will oder nicht - von

           seiner Familie her zugeordnet fühlt.

           Ferdinand "muckt" zwar nicht auf (zumindet nicht aktenkundig), nutzt aber

           seine Zeit an der Kadettenschule, um seine bis dahin noch weitgehend

           brachliegenden kreativ-künstlerischen Ambitionen systematisch weiterzu-

           entwickeln. Er beginnt. "analytisch" zu zeichnen und lernt, mit "schnellem

           Strich" das Wesentliche und Charakteristische einer Situation zu erfassen.

           Schon bald merkt Ferdinand, dass er professionelle Anleitung benötigt, um

           seine zweifellos vorhandene zeichnerische Begabung weiter auszubauen.

           Da er eine solche Förderung in der Kadettenschule nicht erhalten kann,

           orientiert er sich um.

 

1886  Wien ist zu diesem Zeitpunkt ein Schmelztigel für neue künstlerische Ansätze

          in fast allen Disziplinen - von der Architektur über die Bildende Kunst bis zur

          Dichtung und zum angewandten Kunstgewerbe. In diese Zeit fällt unter an-

          derem die Gründung der "Wiener Werkstätten".  Die von Ferdinand bereits

          durchaus kritisch gesehene restaurativ-konservative Geisteshaltung und das

          elitär, klassenbezogene Kulturverständnis der Habsburger Monarchie, des

          Adelsstandes und des vermögenden Großbürgertums bilden die "Zutaten"

          zu einem spezifisch österreichischen "Aufbruch in die Moderne". Zunächst

          sind es sicherlich die "Importe" aktueller künstlerischer Strömungen aus

          Frankreich (Art Nouveau), Italien (Art Liiberty), Großbritannien (Art's and

          Crafts-Bewegung) sowie des nach der Zeitschrift Jugend benannten "Jugend-

          stils" aus Deutschland - hier vor allem aus München - die unter den Künstlern

          Wiens einen Veränderungswillen und eine gewisse Aufbruchstimmung er-

          zeugen. Die spezifische "Wiener Melanche" dafür ist angerichtet: Gustav

          Klimt und Egon Schiele (als Maler), Josef Maria Olbrich (als Architekt) und

          Hermann Behr (als Dichter und Poet) werden zu wesentlichen Aushänge-

          schildern der sich zunehmend entwickelnden "Wiener Sezession".        

 

           Mit der Eingemeindung Sieverings nach Wien erweitert sich auch der gesell-

           schaftliche Horizont der Familie, wird weltoffener und großstädtischer.