R1 Jugendstil-Objekte

Ernesto Gazzeri: Damenbüste 1901

Sammlungsnr.:  R1. 2014.001

Titel:                 o.T.  (Damenbüste)

 

Künstler:           Ernesto Gazzeri

Datierung:         Roma, 1901

 

Ausführung:       Carrara-Marmor

Abmaße:            63 x 49 x 27 cm

                         (h x b x t)

 

Herkunft:           erworben im Auktionshaus

                         Henry im Jahr 1997      

Abb. links:  Büste im Halbprofil                Abb. rechts: Künstlersignet

                                                                               E. GAZZERI ROMA 1901

 

Künstlerbiografie:   Ernesto Gazzeri wurde 1866 (vermutlich) in Modena geboren. Er erlernte das Handwerk des Bildhauers und Restaurators in Rom. Seine ersten Aufträge wickelte er als Restaurator der (staatlichen) Römischen Antikenverwaltung ab. Nachweislich erstellte er Reproduktionen und Ergänzungen zu Marmorstatuen, die im Zuge der Ausgrabungen des Nero'schen Palastes in Rom gefunden wurden ("Kopf der schlafenden Ariadne") bzw. aus der Villa Hadriana stammen (Kopie des antiken griechischen "Diskuswerfers von Myron"). Für den im Stil der Renaissance erbauten italienischen Pavillon auf der Weltausstellung 1900 in Paris fertigte Ernesto

Gazzeri mehrere Marmorstatuetten aus Carrara-Marmor an. Das war sein Durchbruch als künstlerisch tätiger Bildhauer, da sein Name durch die "Pariser Marmorstatuetten" nun auch in kunst- und kulturaffinen anglo-amerikanischen Käuferkreisen bekannt wurde. In der Folgezeit erstellte Ernesto Gazzeri in seiner Werkstatt in Rom mehrere Auftragsarbeiten für amerikanische Interessenten. Gazzeri berichtet von einem "Auftragsstau", den es abzuarbeiten gälte. Es steht zu vermuten, dass die Damenbüste von 1901 bereits auf der Weltausstellung von einem amerikanischen Besucher beauftragt und - möglicherweise nach einem Foto - in Rom gefertigt wurde. Neben verschiedenen Marmorbüsten (u.a. von General Robert E. Lee) erlangte die lebensgroße Marmorgruppe: "The Mystery of Life" im Forest Lawn Memorial Park in Glendale, Kalifornien besondere Bekanntheit.

Ernesto Gazzeri: "The Mystery of Life"

"Mystery of Life" ist als ein 18-köpfiges,

allegorisches Figurenszenarium konzipiert,

in deren Basement eine Wasserquelle in-

tegriert ist. Sie gilt -schon wegen ihrer

Monumentalität - als  Hauptwerk des

Künstlers.

Ernesto Gazzeri verstarb - nach mehreren

übereinstimmenden Angaben - im hohen

Alter von 99 Jahren 1965 in Rom (Eine

andere Quelle benennt 1950 als Sterbejahr).

Ernesto Gazzeri: Auswahl weiterer Marmorabeiten (Büsten und Standbilder)

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Etha Richter: Leoparden-Gruppe; Schwarzburger Werkstätte für Porzellankunst (1916)

Sammlungsnr.:  R1. 2014.002

Titel:                 Leoparden-Gruppe

                        Motiv:  U 1065

Hersteller:         Schwarzburger Werkstätte

                        für Porzellankunst

                        (Unterweißbach)

Künstler:           Etha Richter Dresden

Datierung:         1916

Abmaße:           22 x 48 x 21 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?         

Künstlerbiografie:  Etha (Irmgard Christine) Richter wurde am 4.02.1883 als älteste von fünf Töchtern eines Konzertpianisten in Dresden geboren. Schon als

kleines Mädchen ist sie von ihren Haustieren, vor allem aber von den exotischen Raubtieren im Dresdener Zoo fasziniert. Erste Tierskizzen fertigt sie als 6-Jährige

an. Ihr zeichnerisches Talent fällt allen ins Auge. Nach dem Besuch der Volksschule in Radebeul und des Mädchengymnasiums in Dresden möchte sie an der Kunst-akademie Dresden studieren, wird aber als Frau generell nicht für ein Kunststudium zugelassen. Sie studiert daraufhin 3 Jahre an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden und ist damit die erste weibliche Studentin in diesem Fach. In der Folgezeit

spezialisiert sie sich auf wissenschaftliche Tierillustration und Tierplastik und

zählt unter Anleitung und Förderung von Professor Georg Treu 1843-1921 (Direktor der Skulpturensammlung im Albertinum) und des Bildhauers Robert Diez 1844-1922 (Professor an der Kunstakademie Dresden) schon bald zu den profiliertesten Illustratoren und Tierplastikern ihres Fachs. 1903 erfolgen erste Ankäufe ihrer Tierplastiken durch den Staat. 1927 heiratet die Künstlerin den Veterinär und Tieranatom Hans Richter (1880-1946), der als Dozent mit ihr 1933 an die Universität nach Dorpat (Estland) geht und im Folgejahr 1934 an die Universität in Ankara wechselt. Etha Richter unterrichtet dort an der Landwirtschaftlichen Hochschule das Fach Wissenschaftliche Illustration und Tierplastik. 1940 kehrt das Ehepaar nach Dresden zurück. Es folgen einige große Ausstellungen ihrer Werke in Berlin, München und Dresden.

An der großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Deutschen Kunst in München nimmt Etha Richter 1941, 1943 und 1944 teil. Infolge der Luftangriffe auf Dresden wird ihr Atelier komplett zerstört. Unrettbar gehen mehr als 500 ihrer Originalwerke verloren. Von 1946 bis 1963 unterrichtet Etha Richter an der VHS Dresden. Zudem gibt sie Privatunterricht. 1968 wird sie zum Ehrenmitglied des Verbandes Bildenden Künstler der DDR ernannt.

Am 12. 03.1977 verstirbt Etha Richter im Alter von 94 Jahren in Dresden und wird neben ihrem Mann auf dem Friedhof von Tolkewitz beigesetzt.

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Arthur Storch: Sitzender Leopard; Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst (1921)

Sammlungsnr.:  R1. 2014.003

Titel:                 Sitzender Leopard

                        Motiv:  U 1221

Hersteller:         Schwarzburger Werkstätten

                        für Porzellankunst

                        (Unterweißbach)

Künstler:           Arthur Storch

Datierung:         1921

Abmaße:           33 x 37 x 19 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?

Künstlerbiografie: Arthur Storch wird am 22.03 1870 als Sohn des Modelleurs Karl Hermann Storch und seiner Frau Mathilde in Volkstedt geboren. Volkstedt ist heute ein Ortsteil der Lutherstadt Eisleben. Noch heute spielt die Porzellanmanufaktur

in Volkstedt eine große Rolle. Wie sein Vater, will auch Arthur Storch Modelleur werden. Von 1886 bis 1888 geht er bei der Porzellanmanufaktur Volkstedt, die heute zum "Seltmann-Weiden" Konzern gehört, in die Lehre. Sein Lehrmeister dort ist der Akademiekünstler Edmund Haase (Bildhauer, 1850-1917). Edmund Haase verschafft seinem Schützling nach der Lehre und 6-jähriger Gesellenzeit ab 1894 einen Stu-

dienplatz an der Münchner Kunstakademie bei Professor Wilhelm von Rümann (Bildhauer, 1850-1917). Nach seinem Kunstakademieabschluß im Jahr 1902 ist Arthur Storch zunächst als freiberuflicher Künstler in Münchern tätig. Neben ver-

schiedenen Münchner Brunnenanlagen stammen u.a. die Figurenfriese am Kurhaus in Wiesbaden sowie die großen Bronzefiguren an der Hamburger Kunsthalle aus seiner Hand. 1910 gestaltet er 11 Bronzemünzen mit Tierdarstellungen anläßlich der feier-

lichen Eröffnung des Münchner Zoos durch den Kaiser. Die Bronzemünzen werden

in kurzer Zeit zu gesuchten Sammelobjekten. Die Schwarzburger Werkstätten für

Porzellankunst bieten ihm an, die Bronzen als Porzellanobjekte abzugießen. Das

Geschäft läuft blendend.

In der Folgezeit wird Arthur Storch regelmäßig für die Schwarzburger Werkstätten tätig.  Neben Tierplastiken entwirft er auch die Abformmodelle für Genredarstellungen (Schnitter und Schnitterin; Gemüsehändlerin, Kinder beim Reifenspiel etc.). Seine Entwürfe haben Erfolg. Staatliche Stellen und Museumsverwaltungen kaufen "Storch- Werke" für ihre Sammlungen auf.

Arthur Storch verstirbt im Alter von 77 Jahren am 9. 3. 1947 in Rudolstadt und wird auf dem Friedhof im heimischen Volkstedt beigesetzt. Er hinterläßt Frau und vier Kinder.

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G. von Döring: Junger Leopard (links), Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst

Sammlungsnr.:  R1. 2017.001

Titel:                 Junger Leopard

                        Motiv:  U /076

Hersteller:         Schwarzburger Werkstätten

                        für Porzellankunst

                        (Unterweißbach)

Künstler:           G. von Döring

Signierung:        links oben auf der weißen 

                        Plinthe: "G.v. Döring"                         Porzellanmarke unten auf der

                        Stellfläche + Motivnummer

Datierung:         nicht erkennbar

Abmaße:           15,3 x 13 x 6 cm

                        (h x b x t)

Anmerkung:       Das feine Gespür des/r 

                         Porzellanmodelleur/in für die

                         altersspezifischen Propor-

                         tionen des Jungtieres läßt

                                                                                sich beispielsweise an der Länge des Schwanzes sowie am "Babygesicht" des jungen Leoparden nachweisen. Leider ist über den/die Künstler/in nur wenig bekannt, jedoch arbeitete er/sie mehr-fach für die Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst, wie andere Tierplastiken

unter anderem von Tigern (siehe ganz unten rechts) beweisen.

Ansichten des jungen Leopards (Zur Vergrößerung bitte auf die Abbildungen klicken)

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Carl Graser: Anschleichende Löwin, Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst (um 1912)

Sammlungsnr.:  R1. 2014.004

Titel:                 Anschleichende Löwin

                        Motiv:  U 1160

                        (eine sehr seltene Arbeit!)

Hersteller:         Schwarzburger Werkstätten

                        für Porzellankunst

                        (Unterweißbach)

Künstler:           Carl Graser

Datierung:         vermutl. um 1912

Abmaße:           18 x 28 x 10 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?

Künstlerbiografie: Carl Max Otto Graser erblickt am 4.8.1887 als Sohn des (Porzellan-)Oberformers Karl August Graser und seiner Ehefrau Luise Graser geb. Hein in Rudolstadt das Licht der Welt. Von seinem Vater geprägt, geht Carl Graser

1902 in eine Lehre als Retuscheur und Keramikmaler. Nach deren Abschluß arbeitet er als Geselle bei verschiedenen Porzellanfabriken im Umfeld von Rudolstadt, überwiegend in der Funktion eines ausführenden Keramikmalers. Die Tätigkeit weckt in ihm den Wunsch, langfristig als Modelleur zu arbeiten. Für die Schwarzburger Werkstätten fertigt er (probeweise ?) die "Anschleichende Löwin" an (Motivnummer: U 1160). Schließlich übersiedelt er nach München, um sich an der Münchner Kunst-

gewerbeschule weiterzuqualifizieren. Von 1912 bis 1925 ist er als Bildhauer und Modelleur in der Porzellanfabrik Passau bei Dressel, Kisten & Co tätig. Nach deren Verkauf und Übernahme durch die "Aeltesten Porzellanfabrik A.G." macht Carl Graser Karriere und wird zum technischen Leiter sowie später zum Leiter des Kunstateliers in deren Fabrik in Rosenau (bei Passau) befördert. Unter seiner Leitung entstehen überwiegend einzelne Genefiguren und menschliche Figurengruppen.

Was Carl Graser letztendlich zu einer Aufgabe dieser Tätigkeit bewog, ist im Nachherein schwer festzustellen. Möglicherweise ist er krank geworden und wollte

für seine Familie - er ist verheiratet und hat zwei Töchter - ein höheres Maß an be-

rechenbarer Sicherheit haben. Jedenfalls ist er ab 1929 an der Berufsschule in Illmenau als Gewerbe-Oberlehrer tätig. Er unterrichtet angehende "Porzelliner", Steinmetze, Buchdrucker und Maler. Privat wendet er sich selbst zunehmend der bildenden Kunst, vor allem der Ölmalerei zu.

1947 verstirbt Carl Graser im Alter von 60 Jahren in Illmenau.

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Adolf Amberg: Europa auf dem Stier (Braut aus dem Hochzeitszug); Entwurf 1904/05; KPM

Sammlungsnr.:  R1. 2014.005

Titel:                 Europa auf dem Stier

                        oder:

                        Braut aus dem "Hoch-

                        zeitszug"

Motiv:               KPM 9366; dezente

                        Bemalung in Gold

Hersteller:         KPM Königlich Preußische

                        Porzellanmanufaktur

Künstler:           Adolf Amberg

Entwurf:            1904/05

Datierung:         Auflage vermutl. 1945-62

Abmaße:           41 x 40 x 15 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?

Künstlerbiografie:  Adolf Amberg wird am 31.07.1874 in Hanau geboren. Nach

einem intensiven Zeichenstudium bei einem privaten Zeichenlehrer in Frankfurt wechselt er für ein Jahr zur privaten Kunsthochschule Julian in Paris und studiert

anschließend Bildhauerei an der Kunstakademie in Berlin bei Prof. Louis Tuaillion (1862 - 1919). Adolf Amberg schließt sein Studium als Meisterschüler von Tuaillion

ab. Während seines Studiums ist er bereits als Entwerfer (Designer) für die Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Sohn in Heilbronn tätig. In Vorbereitung

der Hochzeit des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin beteiligt er sich an einem Künstlerwettbewerb und entwirft im Winter 1904/05 ein festliches Tischdekor-Ensemble, das aus Blumen- und Frucht-schalen, zwei Leuchtern und einer 20 Figuren umfassenden Porzellangruppe: "Der Hochzeitszug" besteht. Zentrale Porzellanskulptur ist die "Europa auf dem Stier", die ursprünglich in einer monochrom weißen Fassung ausgeführt werden sollte. Adolf Ambergs Gesamtentwurf wird nach eifersüchtigen Querelen seiner Mitbewerber dann allerdings doch nicht realisiert. 1908 erwirbt die KPM Königlich Preußische Porzellan-manufaktur die Rechte an dem Entwurf. Nach der Erstauflage der gesamten Figurengruppe, die 1911 zum erstenmal gezeigt wird und sich heute im Berliner Kunstgewerbemuseum befindet, wird der "Hochzeitszug" - insbesondere die "Europa auf dem Schwan" noch mehrfach aufgelegt. Die in dezent goldener Staffage ausgeführte Version (siehe oben) entsteht wahrscheinlich Anfang der 50-er Jahre.

Adolf Amberg stirbt - kurz vor Vollendung seines 40. Lebensjahres am 7.7.1913 in Berlin.

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unbekannte(r) Künstler(in): Junge mit Schaf, Blumenkorb und Kippe

Sammlungsnr.:  R1. 2014.006

Titel:                 Knabe mit Schaf, Blumen-

                        korb und Kippe

Motiv:               20125

Ausführung:      monochrom weiß

                        Bisquit-Porzellan

Hersteller:         Amphora Austria (?)

Künstler/in:       unbekannt, monogrammiert: B

Datierung:         unbekannt

Abmaße:           ?  cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?

Abb. oben und links unten: Detailansichten des "Knaben mit Schaf, Blumenkorb

                                        und Kippe"

Abb. unten rechts:             Ähnliche Figurine aus dem Amphora Austia Programm:

                                       "Junge Frau (Magd) mit Blumenkorb und Kippe"

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Karl Himmelstoß: Tischlampe "Der Festreigen" Rosenthal, Entwurf 1913

Sammlungsnr.:  R1. 2014.007

Titel:                 Tischlampe

                       "Der Festreigen"

Hersteller:         Rosenthal-Selb Porzellan

Modellnr.:          K 210

Künstler:           Karl Himmelstoß

Entwurf:            1913

Datierung:         1929 (?)

Ausführung:      monochrom weiß

Abmaße:           ?  cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           ?

Anmerkung:       Der aufwändig gestaltete

                         glockenförmige Lampen-

                         schirm ist eine individuelle

                         Spezialanfertigung aus

                         mundgeblasenem "Tiffany-

                         Glas".

Künstlerbiografie: Karl Himmelstoß wird am 12.07.1878 in Breslau geboren. Er stammt aus einer Künstlerfamilie. Über die Jugendzeit von Karl Himmelstoß ist wenig bekannt. Um die Jahrhundertwende studiert er Bildhauerei und plastische Modellier-

technik an der Kunstgewerbeschule in Berlin bei den Professoren Karl-Ludwig Menzel (1858-1936) und Wilhelm Haverkamp (1864-1929). Karl Himmelstoß wird an der Kunstgewerbeschule studentische Hilfskraft, dann Tutor und erhält schließlich für

eine Übergangszeit einen zeitlich befristeten Lehrauftrag an der Schule. Mit Genrepastiken ist er auf der Großen Berliner Kunstausstellung (1904, 1907 und 1911) vertreten.

Karl Himmelstoß

1911 nimmt er eine Festanstellung als Modelleur und Kleinplastiker an der KPM Königliche Porzellanmanufaktur in Berlin an. Er kann sich aber als Künstler nur schwer an festen Arbeitszeiten gewöhnen; daher quittiert er 1912 - nach nur wenigen Monaten bei KPM - die Stelle und ist fortan als freischaffender Künstler tätig. Er zieht mit seiner Frau Hulda - ebenfalls eine Künstlerin - nach München. Die beiden richten sich in der Ainmillerstraße ein Künstleratelier ein. Franz und Maria Marc sind ihre Ateliernachbarn. Eine

von Karl Himmelstoß frühen freiberuflichen Arbeiten ist die Figurine "Drei Grazien", zu der offensichtlich die drei Schwestern Else, Berta und Grete Wiesenthal - alle drei bekannte Tänzerinnen und Tanzpädagoginnen - Modell standen. Rund um einen gestuften Sockel tanzen die drei Grazien - sich gegenseitig an den Armen haltend - schwungvoll und ausgelassen im Kreis. Karl Himmelstoß stellt diese Figurine 1912 bei der Firma Rosenthal in Selb vor. Sie wird ab 1917 als separate Porzellangruppe mit der Modellnummer: K 210 produziert.

Vorlage: "Drei Grazien"

Karl Himmelstoß ist bis 1938 freischaffend für Rosenthal Bavaria Selb tätig. In dieser Zeit entwickelt man bei Rosenthal - auf seiner Vorlage für "Drei Grazien" beruhend - auch den Fuß einer Tischleuchte, die den Namen: "Der Festreigen" erhält und ebenfalls unter der  Modellnummer K 210 verkauft wird. Ob Karl Himmelstoß am 1. Weltkrieg aktiv teilgenommen hat, ist nicht belegt. Nach dem 1. Weltkrieg führt er eine Reihe großformatiger Bildhauergewerke für Krieger-denkmäler und für die Gräber gefallener Soldaten aus. 1925 zieht Karl Himmelstoß mit Frau und Kindern aus der Münchner Ainmillerstraße hinaus nach München-Pasing. In diesem Jahr beginnt auch die Zusammen-arbeit mit der Porzellanfabrik Hutschenreuter, für die er bis 1940 über 30 Skulpturen entwirft. Im Laufe seiner freischaffenden Tätigkeit hat Karl Himmelstoss für eine Vielzahl von Firmen, darunter die Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst, Unterweißbach, die Porzellan-

manufaktur Allach, die Porzellanwerkstätten Rudi Zöllner etc. gearbeitet. Sein letzter Entwurf stammt wohl aus dem Jahr 1955. Am 5.3. 1967 verstirbt Karl Himmelstoß im Alter von 88 Jahren in München.

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Josef Limburg: "Don Ugo", Bronzeplastik 1901

Sammlungsnr.:  R1. 2014.008

Titel:               "Don Ugo"

                        Bronzeplastik eines

                        römischen Ordensbruders

                        auf einer Marmorplinthe

Künstler:           Josef Limburg

Entwurf:            1901

Abmaße:           42 x 13 x 9 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:           Familienbesitz W. Reichert

                        erworben vom Künstler zum

                        Kaufpreis von 85 Goldmark

Anmerkung:      Die Marmorplinthe (Fuß-

                        platte) ist später hinzugefügt

                        worden. Die Originalbronze 

                        misst 41 cm in der Höhe

Josef Limburg

Künstlerbiografie: Josef (Wilhelm Karl) Limburg wird am

10.07.1874 als Sohn eines Goldschmieds und Bijouterie-

fabrikanten in Hanau geboren. Mit sechs Jahren schult man

ihn in die kath. Volksschule Hanau ein. Von dort wechselt er

auf die Oberrealschule in Hanau. 1888 erlernt er im Betrieb

seines Vaters das Goldschmiedehandwerk. Er ist ein ge-

schickter Lehrling. Sein Vater erkennt das Talent seines

Sohnes und schickt ihn auf die "Königliche Zeichenakade-

mie" in Hanau, die zwei Jahre zuvor einen eigenen Ausbil-

dungsgang für Goldschmiede eingerichtet hatte und sich

dannach auch "Königliche Goldschmiedeakademie" benennt.

1894 schließt Josef Limburg diese Ausbildung mit dem

Meistertitel ab. Er ist 20 Jahre alt. Die Welt steht im offen. Auf der Goldschmiede-akademie hatte er bereits verschiedene Auszeichnungen und Preise gewonnen. Darunter auch ein zweijähriges Stipendium zur Weiterbildung. Josef Limburg ent-

scheidet, für zwei Jahre (1894-1895) nach Wien zu gehen und Privatunterricht bei

Victor Tilgner (1844-1896), einem bekannten Bildhauer und Vertreter des "Wiener Neobarock" zu nehmen. Josef Limburg lernt in dessen Atelier "in großen Dimen-sionen" zu denken und zu gestalten. Tilgner führt ihn in die Künstlerkreise von Wien ein. Tilgner ist schon längere Zeit herzkrank und sucht nach einem würdigen Nachfolger. Doch Josef Limburg will sich in seinem jugendlichen Alter noch nicht binden und lehnt das ehrende Angebot ab. Fast fluchtartig verläßt er Wien und nimmt ein "ordentliches" Kunststudium an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin auf. Das Grundstudium absolviert er bei dem Maler Anton von Werner (1843-1915), der für die Ablehnung alles Modernen in der Kunst bekannt ist und als Hauptvertreter des "Wilheminismus" gilt. Sein Hauptfachstudium - Bildhauerei - absolviert er bei Prof. Gerhard Janensch (1860-1933), der Josef Limberg zu seinem Meisterschüler ernennt und ihn zum Abschluß des Studiums für den "ROM-Preis" der  Akademie der Bildenden Künste vorschlägt. Während seines zweijährigen Aufenthaltes in Rom erhält Josef Limberg von allen Seiten Portraitaufträge. Sein Können spicht sich herum. Neben einer Kolossalbüste von Papst Gregor XIII gestaltet er in Stein und in Bronze Portraits von Kardinälen, Fürsten, Künstlern, Wissenschaftlern und Staatsmännern. Eine der wenigen privaten - gänzlich freien - Arbeiten ist die Kleinstatue "Don Ugo", die 1901 in Rom entsteht und - in aller Menschlichkeit - einen schmächtigen römischen Ordensbruder - offensichtlich neugierig und gleichzeitig reserviert - mit Hut und Soutane zeigt.

Nach seinem ROM-Aufenthalt reist Josef Limburg 1903 nach St. Petersburg, um für die Eremitage zu arbeiten, kehrt dann aber wieder nach Rom zurück und schafft weitere Portraitbüsten von Päpsten. 1909 kommt Limburg zurück nach Deutschland und wird in Berlin, Derfflinger Str 22 seßhaft. Er wird als Künstler hoffiert und ist bald

Teil der "besseren" Gesellschaft. 1920 heiratet er Henrika Gräfin von Francken-Sierstorpff (genannt "Harriet").

1922 bringt die Kunstabteilung Selb der Pozellanwerke Rosenthal eine Porzellan-ausformung der Bronzestatuette: "Don Ugo" in einer kleinen, limitierten Auflage heraus.

Josef Limburg: "Don Ugo" (1922); Porzellanausformung der Original-Gußform von 1901, Unterglasurbemalung, Modellnr.: S 619

In den Folgejahren folgen weitere Rosenthal-Editionen: 1923 "Junge Liebe" (auch ("der Kuß" benannt) Modellnr. S 655; 1923 "Lebensfreude" Modellnr. S 656; 1924 "Abschied" Modellnr. S 723; 1927 "Papstbüste Pius XI" Modellnr. S 933.

 

Josef Limburg hat damit den Zenit seiner Bekanntheit erreicht.

1923 erwirbt das Ehepaar eine Villa in Berlin-Lichterfelde, Bahnhofstraße 6. Hier wird auch ihre Tochter Eleonore geboren. Im Garten läßt Josef Limburg 1936 ein Atelier-

haus bauen, in dem er fortan arbeitet. Politisch sympatisiert Josef Limburg mit den national-völkischen Kräften. Schon bald nach Hitlers Machtergreifung 1933 tritt er der Reichskammer der Bildenden Künste bei. 1937, 1939 und 1942 nimmt er an der Großen Deutschen Kunstausstellung im neuerbauten "Haus der Kunst" in München teil (siehe Kapitel: "Künstler in der NS-Zeit").

Bei einem nächtlichen Bombenangriff vom 23. auf den 24. August 1943 wird das Wohnhaus der Familie Limburg in Berlin-Lichterfelde komplett zerstört. Nur das Atelierhaus im Garten bleibt halbwegs verschont und wird - soweit möglich - zur Wohnung umfunktioniert.

Bedingt durch die "Verquickung" der Limburgs mit dem Nationalsozialismus, wird es nach dem Krieg deutlich stiller um den Bildhauer. Seine Werke werden größtenteils in die Depots der Museen verbannt. Ausstellungen finden - wenn überhaupt -, so nur im privat organisierten Rahmen statt.

Am 21.12.1955 verstirbt Josef Wilhelm Karl Limburg im Alter von 81 Jahren in Berlin-Charlottenburg. Er liegt auf dem Domfriedhof Sankt Hedwig an der Liesenstraße in Berlin-Mitte begraben.

1956 organisiert die Stadt Hanau posthum eine große Retrospektivausstellung für den Sohn ihrer Stadt und rehabilitiert damit den Künstler Josef Limburg. Wenig

später wird im Atelierhaus des Künstlers in Berlin-Lichterfelde, Bahnhofstraße 6 die "Josef-Limburg-Gedächnisstätte" eingerichtet.

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N.N. Zweiflammiger Jugendstil-Leuchter und Anreichschale

Sammlungsnr.:  R1. 2014.009

Titel:               "Atlas" oder

                       "Prometheus"

                        kombinierter Leuchter /An-

                        reichschale mit zentraler

                        Bronzeplastik eines Titanen

                        aus der griechischen Mytho-

                        logie

Künstler:           N.N (unbekannt)

Datierung:         um 1900

Abmaße:           27 x 29 x 15 cm

                        (h x b x t)

Herkunft:          erworben auf einem Antik-

                        markt (Bergisch-Gladbach)

Anmerkung:      Die Bronzestatuette stellt

                        entweder den Titanen Atlas,

                        der auf seinen Schultern die

                        (Last der) Welt trägt, oder

                        seinen Bruder Prometheus

dar. Prometheus ist ebenfalls ein Titan. Er gilt als Überbinger des Feuers und des Lichtes an die Menschen, die in der griechischen Mythologie erst durch ihn ihre Kultur erhalten. Hier sind beide Interpretationen möglich: Der Titan trägt auf seinen Schul-

tern einen Ring, der als Erdkreis interpretiert werden kann (Atlas-Sage), anderer-

seits ist der Titan aber auch zentraler Teil eines zweiarmigen Kerzenleuchters, bringt somit das Feuer und erleuchtet die Menschen (Prometheus-Sage).

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Bronzestatuette: Der Götterbote Hermes (auf dem Füllhorn) um 1900

Sammlungsnr.:  R1. 2014.010

Titel:               "Hermes"

                        Bronzestatuette des Götter-

                        boten aus der griechischen

                        Mythologie

Künstler:           N.N (unbekannt)

Datierung:         um 1900

Abmaße:           Höhe mit Sockel: 41 cm

                        ohne Sockel: 25 cm

Herkunft:           Familienbesitz, erworben

                        vom Großvater Reichert

                                                                                  direkt beim Künstler

 

Anmerkung:      Die Bronzestatuette stellt Hermes, den griechischen Götterboten mit den für ihn typischen Insignien - dem Flügelhelm, den Flügelsandalen und dem (goldenen) Hermesstab (Kerykeion) dar. Dieser war ursprünglich der Hirtenstab des Appolon. Hermes vermochte mit ihm Menschen zum Einschlafen und zum Träumen zu bringen. Ein Begleitphänomen, das häufig mit dem Erscheinen des Götterboten verbunden war und das auch heute noch gerne transzendental-esotherisch inter- pretiert wird. Später wandelt sich der von zwei Schlangen umwundene Hermesstab zum Äskulapstab und wird das Symbol der Ärzte. Die Statuette zeigt den Götterboten Hermes, der den Kerykeion mit ausgestecktem Arm auf sich selbst richtet und mit dem anderen Arm ein Füllhorn mit Früchten vor dem Betrachter ausschüttet. Er bringt den Menschen eine "reiche Ernte". Für die Zeit der Jahrhundertwende (um 1900) zeigt die Statuette den Hermes in einer ungewöhnlichen und recht seltenen Körperhaltung. Der Künstler weicht von den bis dahin tradierten Darstellungen des Götterboten ab, die in der Regel Hermes als fliegende - zumindest als dynamisch vorwärts eilende - Person zeigen. Dies ist hier anders. Der Götterbote ist gelandet, steht sicher und fest. Der auf sich selbst gerichtete Kerykeion vermittelt nun ein statisches, fast egozentrisches Körperbild und nimmt in gewisser Weise das Aufkommen einer betont heroisierenden Menschendarstellung, wie sie später in der "Deutschen Kunst" der 30-er Jahre propagiert wurde, vorweg.

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N.N. "Junge Frau im Garten"

Samml-Nr.:  R1. 2014.011

Titel:           o.T "Junge Frau im Garten"

Motiv:          Portraitbildnis eines rotgewan-

                   deten Mädchens am Garten-

                   zaun, in der rechten Hand

                   eine Sonnenblume haltend.

Ausführung: Öl auf Leinwand

Künstler:      N.N (unbekannt)

                   evtl. Fritz Mackensen (1866-

                   1953); Gründer der Künstler-

                   kolonie in Worpswede

                                                                            Datierung:   (18)91

                                                                            Abmaße:      70 x 40 cm (h x b)

unleserliche Signatur; Datierung: (18)91

Möglicherweise handelt er sich bei der jun-

gen Frau um die damals 15-jährige Paula

Becker, die von Fritz Mackensen nach ihrer

Rückkehr aus Paris (1890) in Worpswede

nachweislich im Malen unterrichtet wurde.

Paula Becker heiratete später den Maler

Otto Moderson. Der Garten und das nord-

deutsch anmutende Haus im Hintergrund

ähnelt "Bauer Brünges" Haus in Worps-

wede, in dem Paula Moderson-Becker spä-

ter ihr Atelier unterhielt. Die malerische Darstellung des Gartens, insbesondere das von oben hinten einstrahlende natürliche Sonnenlicht, das effektvoll den Zaun sowie den Nacken und das zusammengebun-

bundene Haar der jungen Frau akzentuiert, entspricht ganz der Naturauffassung der Worpsweder Maler. Diese Naturauffassung setzt sich deutlich vom eher grafisch-floralem Darstellungsstil der Pariser Maler der "Belle Epoque" (Jugendstil), als auch von der "offiziellen" britisch-viktorianischen und der deutsch-wilhelminischen Gesell-

schafts- und Genremalerei der Gründer- und Kaiserzeit (Art Deco) ab.

      Abb.links                         Abb. mitte                      Abb. rechts

      Paula Moderson-Becker   "Mädchen am Zaun"         "Junge Frau im Garten"

      (Portraitfoto)                   (Fritz Mackensen)             (N.N)

Anmerkung:   Die Zuschreibung des Bildes beruht auf Indizien. Zur gesicherten Zuschreibung müßte die Expertise eines "Worpswede-Spezialisten" eingeholt werden.

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Jugendstil: Verkörperung der Traurigkeit

Samml-Nr.:  R1. 2017.012

Titel:           o.T "Traurigkeit"

Motiv:          Allegorische Darstellung einer

                   jungen Frau, vom Dämon der

                   lethargischen Traurigkeit be-

                   herrscht.

Ausführung: Bleistiftzeichnung auf Karton,

                   mit Weißstift überhöht.

                   monogrammiert: FwR (?)

Künstler:      N.N (unbekannt)

                   evtl. Ferdinand (Franz) Freiherr

                   von Reznicek (1868-1909)  

Abmaße:      40 x 20 cm (h x b)

Anmerkung: Die Zeichnung ist wahrschein-

                   lich Teil eines (wohl) dreiteili-

                   gen Entwurfes für einen Falt-

                   Paravent. Solche Paravents

                   wurden um die Jahrhundert-

                   wende vor allem in Paris als 

                   kunstvolle Raumeinrichtungs-

objekte im "Style Mucha" oder "Art Nouveau Stil" sehr beliebt. In München wurde

der neue Darstellungsstil anfänglich über die Zeitschrift "Jugend" propagiert, weshalb die Darstellungart in Deutschland allgemein als  "Jugendstil" bekannt wurde. Die Zuschreibung des Werkes zu Ferdinand von Reznicek ist aktuell nicht endgültig gesichert, allerdings überaus wahrscheinlich.

Näheres siehe Künstlerprofil von Ferdinand von Reznicek (aktuell in Vorbereitung).

Detailgestaltung  links:    Allegorische Darstellung des Dämons der Traurigkeit

                        rechts:   Monogramm des Künstlers (?) FwR, ohne Datierung

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