Joseph Fassbender 1903 - 1974

                                                                siehe auch: www.josephfassbender.de

Joseph Fassbender

14.04.1903

             Joseph Fassbender wird als zweites von ins-

             gesamt vier Kindern der Eheleute Caspar und

             Elisabeth Fassbender (geb. Bender) in Köln

             geboren.

             Der Vater ist Bäckermeister und betreibt eine

             eigene Bäckerei in Köln-Nippes.

 

1909     Der kleine Joseph wird in die Volksschule

             Hartwichstraße in Köln-Nippes eingeschult.

             Als rothaariger Junge hat er's zunächst

             nicht leicht. Schnell hat sich den Beinamen:

           "de Fuss" und "de fussisch Jupp" erworben.

             In den typisch-provokanten Hänseleien

             ("Fuss, Fuss komm eruss") und den nach-

             folgend unvermeidlichen Rangeleien, weiß sich der Junge aber durchzu-

             setzen. Klein, drahtig, untersetzt und zäh, wie er nun mal ist, wird er

             bald akzeptiert.

Joseph Fassbender (rechts stehend) mit Mutter und Geschwistern

             Nach dem vierten Schuljahr wechselt Joseph

             Fassbender auf die Realschule Spiesergasse

             in Köln-Mitte. Er ist ein durchschnittlich guter

             Schüler, der gerne liest und zeichnet. Sein

             zeichnerisches und malerisches Talent wird

             durch den Klassenlehrer - Herrn Kohlhaas -

             bald erkannt und - soweit möglich - gefördert.

             Joseph darf seine eigene Staffelei und alle

             seine Malutensilien in die Klasse mitbringen

             und den Mitschülern im Kunstunterricht

            "zeigen, wie's geht".

             Mit 15 hat Joseph Fassbender die "mittlere

             Reife" in der Tasche. Sein Klassenlehrer be-

             müht sich redlich, die Eltern zu überreden,

           "den Joseph in eine weiterführende Zeichen-

             schule" zu schicken. Doch die haben anderes

             mit ihm vor.

1918     Joseph macht eine Bäckerlehre und arbeitet anschließend als Geselle im

             elterlichen Betrieb. Doch das ist ihm nicht genug. Alle freie Zeit während

             der Woche nutzt er zum Malen, Zeichnen undBücher lesen. Er belegt

            Abendkurse und nimmt in den Urlaubszeiten an mehrtägigen Exkursio-

             nen teil.

1925    Auf einer der Exkursionen begegnet Joseph Fassbender Anna Deneffe.

            Er lernt die junge Frau näher kennen, verliebt sich in sie und bald darauf

            verloben sie sich heimlich.  Anna bestärkt ihren Joseph darin, die Arbeit

            als Bäckergeselle im elterlichen Betrieb aufzugeben und sich ganz der

            Kunst zu witmen. Sie ist davon überzeugt, dass in Joseph ein "Vollblut-

            künstler" steckt, dessen Fähigkeiten bisher einfach noch nicht erkannt und

            entsprechend gefördert wurden. Josephs Vater ist mit dieser Entwicklung

            alles andere als zufrieden. Das Verhältnis von Vater und Sohn zeigt erste

            Risse, die sich kaum noch kitten lassen, auch wenn Joseph anbietet -

            wann immer Not am Manne sei - in der väterlichen Bäckerei auszuhelfen.    

1926     Joseph Fassbender bewirbt sich um ein Studium an den Kölner Werk-

             schulen, die zum damaligen Zeitpunkt unter Leitung von Prof. Richard

             Riemerschmid (1868-1957) auf Basis der Ideen des Deutschen Werk-

             bundes als (Hoch-)Schule für Bildende Kunst, Architektur und Form-

             gestaltung institutionalisiert wurden. Er absolviert die Aufnahmeprüfung,

             wird angenommen und der Malerklasse von Professor Richard

             Seewald (1889-1976) zugewiesen. Hier erhält Joseph Fassbender eine

             umfassende Grundausbildung in allen grafischen und reprografischen Ent-

             wurfs- Gestaltungs- und Darstellungstechniken. Sein besonderes Interesse

             gilt der experimentellen Typographie, der Öl-, Fresko- und Wandmalerei.

             Seewald initiiert für seine begabtesten Schüler längere Studienreisen und

             entsprechende Studienaufenthalte vor Ort in den Museen der verschiede-

             nen Kunstmetropolen. Unter anderem unternimmt Joseph Fassbender

             zusammen mit seinen Kommolitonen eine ausgedehnte Italienreise nach

             Ascona, wo sie - bei Kunstfreunden und Künstlern aus Seewalds Be-

             kanntenkreis untergebracht - auch in das gesellschaftliche Leben vor Ort

             und in den Umgang mit Museumsleitern, Kuratoren, Galeristen eingeführt

             werden. Es war eine schöne, fast berauschende Zeit, der allerdings schon

             aus finanziellen Gründen Grenzen gesetzt waren. Obwohl Joseph

             Fassbender sich im elterlichen Betrieb ein Zugeld als Bäckergeselle

             verdient, reicht es vorne und hinten nicht. Er lebt "von der Hand im

             Mund". (Dies ging soweit, dass Richard Riemerschmid, der Direktor der

             Kölner Werkschulen, zwischenzeitlich einmal die Schulgeld-Schulden des

             Kunststudenten Fassbender übernahm und aus eigener Tasche bezahlte).

             Fassbender muss auch ein kurzfristig angemietetes großes Atelier in

             der Rankestraße in Köln-Sülz, das er wegen der ausstehenden Mietzah-

             lungen seiner Malerkollegen nicht mehr halten kann, wieder aufgeben.      

1928     Der Not gehorschend, beendet Joseph Fassbender zum Ende des Jahres

             sein Studium an den Kölner Werkschulen. Er ist außer Stande, das

             fällige Schulgeld aufzubringen. Dennoch bleibt er den Kölner Werkschulen

             und insbesondere seinem Lehrer - Richard Seewald - verbunden.

1929     Auf Vorschlag von Richard Seewald erhält Fassbender aus Anlaß der

             Eröffnung der Kölner Künstlerbundausstellung 1928 den Villa Romana-Preis

             für seine eingereichten Arbeiten: "Rote Anker" und "Neue Brücke". Dieser

             renommierte Künstlerpreis ist mit einem einjährigen Aufenthalt in der Villa 

             Romana in Florenz und einem Geldbetrag zur Anschaffung von Künstler-

             materialien verbunden. 

Joseph Fassbender: "Rote Anker" 1928; Öl/Lw; 87 x 102 cm
Anna Fassbender

             Joseph Fassbender und Anna Deneffe heiraten

             in Köln und reisen unmittelbar darauf für ein

             Jahr nach Florenz. Als Gegenleistung für einen

             dringend zum Lebensunterhalt benötigten

            "Reisekostenzuschuß über 500 Mark", den der

             damalige Kölner Oberbürgermeister - Konrad

             Adenauer - aus dem Dispositionsfond der Stadt

             Köln dem Ehepaar gewährt, verpflichtet sich

             Joseph Fassbender, nach der Reise ein Ge-

             mälde beim Kölner Wallraf-Richartz-Museum

             abzuliefern.

             Von Florenz aus bereist das Ehepaar Italien.

             Fassbender stellt seine "italienischen Werke"

             im Cocorso Ussi in Florenz und im Glaspalast

             in München aus. Keines seiner Bilder findet

             einen Käufer.

1930     Zurückgekehrt nach Köln, verdingt sich Joseph Fassbender als Werbe-

             grafiker. Die Zeiten sind hart. Die Weltwirtschaftskrise und die damit

             verbundene Depression bekommen Künstler wie Joseph Fassbender

             besonders zu spüren. Es gelingt ihm, auf Vermittlung seines ehemali-

             gen Lehrers - Richard Seewald - die Kölner Messegesellschaft als

             Kunden für typografische Aufträge zu gewinnen. Soweit es ihm möglich

             ist, beteiligt er seine Kölner Künstlerkollegen (u.a. Jakob Berwanger,

             Heinz Ruhland und Hann Trier) an diesen Arbeiten und schart alsbald ein

             "kreatives Völkchen" von Freunden um sich, allesamt mittellose Künstler,

             Literaten, Wissenschaftler, Fotografen und Kunsthistoriker.     

Künstlerfest im Amalienschlößchen 1931 (Mehrfachbelichtung) rechts: Joseph und Anna Fassbender

             Treffpunkt des agilen Künstlerkreises ist das "Amalienschlößchen"

             - ein freistehender Messepavillon auf dem Kölner Messegelände, das

             Fassbender bis zum Abriss als Atelier nutzen darf. Dort wird nächte-

             lang über "Gott und die Welt, über Kunst und Literatur, vor allem aber

             über die Zukunft" philosophiert. Später verlegt Fassbender sein Atelier

             (mit Wohnung) in die Seyenstraße 10 in Köln, wo bereits seine

             Schwester eine Wohnung im Untergeschoss bewohnt.

1932     Neben seinen werbegrafischen Tätigkeiten arbeitet Fassbender an einer

             Serie von Portraitzeichnungen und Monotypien sowie an einigen Ölge-

             mälden, die seine Eindrücke einer 1932 unternommenen Studienreisen nach

             Holland, Belgien, Italien und der Schweiz wiedergeben. Finanziell halten ihn

             die Aufträge der Kölner Messegesellschaft in den kommenden Jahren "über

             Wasser".

1933     Als mit Hitlers Machtergreifung die Nationalsozialisten beginnen, die

            "Deutsche Kunst" nach und nach gleichzuschalten, sieht Joseph Fassbender

             keine Veranlassung, einen Antrag auf Mitgliedschaft in der "Reichskammer

             der Bildenden Künste" zu stellen, auch wenn dies bedeutet, dass ihm in

             Zukunft Ausstellungen im öffentlichen Raum verwehrt bleiben.

             Er wähnt sich unabhängig von dem "stilistischen Kunstdiktat und den per-

             fiden Ausstellungsrepressionen der Nazis", da sich für ihn zu den Aufträgen

             der Kölner Messegesellschaft ab 1935 auch zunehmend Aufträge der

             Kölner Universität (Anfertigung anatomischer Schautafeln) ergeben - sein

             weiteres Auskommen also gesichert erscheint.

             Zu seiner freudigen Überraschung erlauben ihm diese Aufträge, "auf rein

             privater Ebene experimentelle Arbeiten - gegen den Strich - zu erstellen

             und dafür - rein privat - durchaus auch ein für die künstlerische Moderne

             aufgeschlossenes Publikum zu gewinnen". Wahrscheinlich ist aber nicht

             er es, der das Publikum für sich gewinnt, sondern eher seine Frau Anna,

             die mit Charme und Anmut die Bedeutung der Kunst ihres Mannes heraus-

             zustreichen weiß. Überhaupt scheint sie diejenige zu sein, die über ihre

             Rolle als Muse hinaus, vor allem als zielstrebige "Managerin" ihres

             Mannes tätig ist.

1935     Joseph Fassbender beteiligt sich an der Graphikausstellung im Kupfer-

             stichkabinett des Kölner Wallraff-Richartz-Museums. Dies ist die letzte

            "offizielle" Ausstellung seiner Werke vor dem Krieg.

1936     Joseph Fassbender reicht einige "provokante" Bilder für die Ausstellung

             des Deutschen Künstlerbundes in Hamburg ein. Die Ausstellung findet

             allerdings nicht mehr statt, da der Deutsche Künstlerbund aufgelöst wird. 

             Die Bilder werden - laut Fassbender - beschlagnahmt und ihm später zu-

             rückgeschickt. 

Joseph Fassbenders Freund Hann Trier

1937     Als Angestellter der Kölner Messegesellschaft bereist

bis         Joseph Fassbender - teilweise zusammen mit seinem

1940     Freund Hann Trier - Paris und Brüssel, um dort an der

             dekorativen Ausgestaltung verschiedener Messe-

             stände (u.a. für die Deutsche Reichsbahn) mitzu-

             wirken.

             In Paris nimmt er die Gelegenheit wahr, die Werke

             und Wandmalereien von Sonja und Robert Delaunay,

             von Ferdinand Leger, Raul Dufy und Pablo Picassos

             "Guernica" zu studieren. Er ist tief beeindruckt und

             - wie er seinem Freund Hann Trier gesteht - "bis in's

             Mark erschüttert".

Pablo Picasso: "Guernica"

             1939 malt er unter dem Eindruck dieser Bilder einen eigenen Bildzyklus,

             der aber leider nicht dokumentiert ist und im Krieg vollständig verbrannte.

1942      Fassbender wird zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Grundausbildung

              wird er zunächst als Wachsoldat zur Bewachung russischer Gefangenen im

              Ruhrgebiet, später dann als taktischer Kartenzeichner im Küstenschutz bei

              St. Malo in Frankreich eingesetzt.

1944      In Frankreich gerät er nach dem Invasion der alliierten Truppen am 6.

              Juni in der Normandie (D-Day) in englische Kriegsgefangenschaft, wird

              nach England expediert und dort als Erntehelfer und zu Feldarbeiten

              herangezogen. Bis 1946 bleibt er in Kriegsgefangenschaft. Er verliert

              durch eine Entzündung einen Großteil seines rechten Augenlichtes und

              wird schließlich - wieder auf Vermittlung seines ehemaligen Lehrers

              Richard Seewald, der sich über einen seiner früheren englischen Kunst-

              studenten massiv für ihn einsetzt - entlassen.

1946      Joseph Fassbender kehrt zu seiner Frau Anna zurück. Sie hat während

              des Krieges in einem Einrichtungshaus in Köln gearbeitet. Fassbenders

              Wohnung und sein Atelier in der Seyengasse ist durch einen Brand unbe-

              wohnbar geworden. Ein Wassereinbruch im Keller vernichtet alle dort

              eingelagerten Werke sowie Fassbenders umfangreiche Bibliothek. Anna

              Fassbender wohnt ab 1944 in Bornheim, einem bäuerlich geprägten

              Vorgebirgsort zwischen Köln und Bonn. Er nimmt seine künstlerische

              Arbeit dort wieder auf. Auf sein Drängen hin, zieht sein enger Maler-

              freund Hann Trier, den es kriegsbedingt - wie übrigens auch Carl Nonn -

              in das thüringische Nordhausen verschlagen hatte, mit seiner Familie

              ebenfalls nach Bornheim. Auch der Maler Hubert Berke wohnt in der

              unmittelbarer Nähe in Alfter.

              Die drei Maler wollen den Anschluss an die Moderne Kunst, der zwischen-

              zeitlich durch das NS-Kunstdiktat in Deutschland verlorengegangenen war,

              wiedererlangen.

1947      Alfterer Donnerstag-Gesellschaft

              Sie wissen sich da einig mit Kölner Museumsleitern, Poeten, Literaten,

              Musikern, Schauspielern, Kunsthistorikern und -kritikern. Mit Fürst von

              Salm-Reifferscheidt und seiner Gattin findet sich auf der Burg Alfter sowie

              auf Schloß Dyck am Niederrhein ein Gastgeber und so gründet man An-

              fang 1947 die "Donnerstag-Gesellschaft". So benannt, weil man sich

              jeweils donnertags zur Planung, Entwicklung und Organisation eines

              kulturbereichsübergreifenden - heute würde man es "multimedial"

              bezeichnenden - Kulturprogramms in Alfter trifft.

              Das Programm sieht neben Kunstausstellungen auch Dichterlesungen,

              Musikaufführungen, szenisch ausgespielte Literaturbeiträge und

              kulturphilosophische Vorträge zur modern-zeitgenössischen (Lebens-

              und Kunststil-) Entwicklung vor. 

Fassbender / Trier / Berke: Holzschnitte aus der Mappe zu Jean Paul Sartres: "Die Fliegen"; herausgegeben durch die Alfterer Donnerstagsgesellschaft (Schloß Alfter 1948)

              Zwischen 1947 und dem Abflauen der Aktivitäten 1950 finden insgesamt

              34 Veranstaltungen statt, mit denen man Anschluß an die internationale

              Kulturentwicklung sucht und findet.

              Die Kulturzeitschriften "Richmodis" und (die Donnerstags-) "Tagebücher"

              erscheinen. Neben programmatischen Artikeln finden sich Lyrik- und

              Prosaschriften, Vortragsabdrucke, Holzschnitte, Zeichnungen und Mono-

              typien, mit denen z. B. das Jean Paul Sartre Stück: "Die Fliegen", Kafkas

             "Die Verwandlung" und "Erstes Leid" oder Rilkes "Duineser Elegien"

              illustriert werden.

              Tatsächlich gelingt es der "Donnerstag-Gesellschaft" und den drei Malern,

              Fassbender, Trier und Berke - zusammen mit dem zwischenzeitlich dazu

              gestossenen Eugen Batz - (zumindest) im Bereich der Bildenden Kunst

              einen vielgeachteten Anfangs- und Startpunkt für die moderne deutsche

              Nachkriegskunst (vom abstraktiven Expressionismus bis zum neuen

              Deutschen Informel) zu setzen.

              Die beiden programmatischen Zeitschriften "Richmodis" und "Tagebücher"

              mussten nach der Währungsreform allerdings wegen zu geringer Auflagen

              ihr Erscheinen wieder einstellen.

1948      Fassbender wird Mitglied der "Neuen Rheinischen Sezession" in Düsseldorf.

              Er trifft dort auf Kollegen wie Ernst Wilhelm Nay, Georg Meistermann, Carl

              von Ackeren, Ewald Matare, Otto Ritschl und seinen Freund Hann Trier

1949      Fassbender tritt dem Bonner Künstlerbund bei und beteiligt sich an der

              1. Sommerausstellung Bonner Künstler. Er stellt zusammen mit Carl von

              Ackeren, Hubert Berke, Herm Dienz, Juan. Dotterweich, Franz M.Jansen,

              Paul Magar, Carlo Mense, Willy M. Stucke und seinem Freund Hann Trier

              aus. Mit Willy M. Stucke verbindet ihn bald eine enge Freundschaft. Er ist

              regelmäßig Gast in der Bonner Künstlerkneipe "Zur Kerze", dem Treff-

              punkt der Bonner Maler und macht dort das Programm der Alfterer

             "Donnerstag-Gesellschaft", das er inhaltlich zusammen mit Hubert Berke

              und Hann Trier entwickelt, bekannt. Über Stucke lernt Fassbender den

              Direktor des Städtischen Kunstmuseums - Dr. Walter Holzhausen -

              kennen. Die beiden arbeiten in den Folgejahren an verschiedenen künst-

              lerischen Projekten "synergetisch" zusammen.

1950      Joseph Fassbender schließt einen exklusiven Galerievertrag mit Hein

              Stünke (1913-1994) und Dr. Eva Stünke (1913-1988) ab, die die Kölner

              Galerie "Der Spiegel" betreiben. Schon die erste Ausstellung von Joseph

              Fassbender ist ein voller Erfolg und nach kurzer Zeit ausverkauft. Über

              die Stünkes lernt Fassbender Max Ernst kennen und befreundet sich mit

              ihm. Er engagiert sich für Max Ernsts erste Ausstellung im Brühler Schloß,

              und entwirft das Ausstellungsplakat für seinen Freund.

1951      Fassbender wird auf Stünkes Vermittlung hin, Mitglied der Künstlergruppe

             "Zen 49" und nimmt an deren Ausstellungen in München teil. ("Zen 49" hat

              ein ähnliches Gründungskonzept wie die "Donnerstag-Gesellschaft" und

              macht sich mit der Vermittlung abstrakter Kunst, insbesondere mit der

              Propagierung der "Gegenstandslosen Malerei" einen Namen. "Zen 49" zählt

              Anfang der 50er-Jahre zu den bedeutensten, weil richtungsweisenden

              Künstlergruppen im deutschen Raum. Gründungsmitglieder: u.a. Rupprecht

              Geiger, Willi Baumeister, Rolf Cavael, Gerhard Fietz, Willi Hempel, Fritz

              Winter)

1953      Die Stünkes "managen" ihren Galeriekünstler - Joseph Fassbender.

              Mit ihrer Unterstützung unternimmt Fassbender Studienreisen nach

              Frankreich, Belgien, Holland, in die Schweiz und nach Italien. Sie 

              sorgen dafür, dass er von Bornheim zurück nach Köln zieht und sich in

              der Maternusstraße ein neues, großes Atelier mit Wohnung einrichtet.

              Über ihre Galerie "vernetzen" sie ihn mit anderen, deutschen Gegenwarts-

              künstlern und dem "Künstlernachwuchs" an deutschen Kunsthochschulen

              und Akademien. 1954 übernimmt Fassbender von Wilhelm Nay eine

              Gastdozentur für freie Malerei an der Landeskunstschule Hamburg. Es

              folgen Rufe an die Hamburger Kunsthochschule, an die Kasseler Werk-

              akademie und an die Karlsruher Kunstakademie, die Fassbender aber nicht

              annimmt. Statt dessen konzentriert er sich auf künstlerische Projekte im

              heimatlichen Umfeld.

v.l.n.r: Joseph Fassbender; Eva Stünke, Hein Stünke, Anna Fassbender

1954      Fassbender gewinnt im Rahmen der Aktion: "Kunst am Bau" die Aus-

              schreibung zur künstlerischen Ausstattung des Pausenraums und der

              Aula des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in Bonn. Er entwirft ein groß-

              flächiges Wandgemälde, das in den Folgejahren weitere Aufträge in

              ähnlicher Art für Bonner Schulen und die neuerrichtete Beethovenhalle

              nach sich zieht.

Joseph Fassbender: Wandbild "Sternzeichen" im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium, Bonn

              Zudem ist er für den Kulturkreis im BDI (Bundesverband der Deutschen

              Industrie) in Köln tätig. Unter anderem entwirft er einen großen Wand-

              teppich für den Sitzungssaal des BDI.

Werkkunstschule in Krefeld

1955      Fassbender nimmt eine Berufung zum Leiter

              der grafischen Ausbildung der Werkkunst-

              schule in Krefeld an. Er nutzt in dieser Funk-

              tion die umfassenden lithografischen und

              reprografischen Produktionsmöglichkeiten

              der Werkkunstschule, experimentiert viel

              und intensiviert in den Folgejahren unter

              Anleitung seiner Galeristen (Hein und Eva

              Stünke) seine Ausstellungstätigkeiten.

              Unter anderem nimmt er an der dokumenta I

              (1956), der dokumenta II (1959) und der

              dokumenta III (1964), an großen Ausstel-

              lungen in Duisburg, Bochum, Amsterdam (Stedelijk Museum) und Hagen

              teil.

Joseph Fassbender in der Kunstakasdemie Düsseldorf

1958     Fassbender nimmt eine Berufung zum Professor an der Kunstakademie

             Düsseldorf an. Hier lehrt er bis zu seiner Emeritierung 1968.

             Er wird Mitglied des Deutschen Kunstrates, erhält zahlreiche inländische

             und ausländische Staatspreise u.a. den großen Kunstpreis des Landes

             NRW, das Bundesverdienstkreuz, den italienischen Biennale-Preis 1964 in

             Venedig, den "Premio de Fiorino" in Florenz etc.

             1965 wird Fassbender zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste

             in Berlin gewählt.

1962     Fassbender bezieht ein neues Atelier in der Schnurgasse 74 in Köln. Er

             pendelt nun zwischen Düsseldorf, Bonn und Köln hin und her, entwirft

             Wand- und Reliefbilder, Wandteppiche und Tapisserien für repräsentative

             Sitzungs- und Versammlungssäle. Zudem gestaltet er das Bühnenbild

             und die Kostümausstattung für ein Ballett von Darius Milhaud an der

             Kölner Oper. Er ist einer der "16 German Artists", die eingeladen werden,

             um in der Corcoran Gallery in Washington eine Positionsbestimmung der

             deutschen Nachkriegskunst zu markieren.

Joseph Fassbender: Bühnenbild für ein Ballett von Darius Milhaud an der Kölner Oper

1966     Für den Westdeutschen Rundfunk entwirft Fassbender "Kölns größtes

             Bild" - ein knapp über 1000 qm großes Pflastermosaik an der Breite

             Straße / Auf dem Berlich. Zwei Jahre dauert es bis zur Fertigstellung.

             Die Kölner treten es - wohl weil sie das Bildmotiv aus ihrer Perspek-

             tive überhaupt nicht erkennen können - mit Füssen. Erst aus den ober-

             sten Stockwerken des WDR-Verwaltungsgebäudes lässt sich das Bild,

             das Joseph Fassbender selbst als sein "postmodernes" Vermächtnis 

             bezeichnet, ganzheitlich betrachten.

1971     Fassbender unterzieht sich einer Augenoperation, um nicht gänzlich zu

             erblinden. Zur Erholung hält er sich auf Schloß Dyck bei seinen Freunden

             aus den Zeiten der "Donnerstag-Gesellschaft" auf. Er nutzt die Zeit, um

             eine anläßlich seines 70. Geburtstages geplante große Retrospektive auf

             sein Lebenswerk vorzubereiten. Die Retrospektive findet 1973 im Rhei-

             nischen Landesmuseum in Bonn statt. Fürstin Cecilie zu Salm-Reifferscheidt

             organisiert den Geburtstagsempfang, zu dem Joseph Fassbender alle seine

             Freunde und Wegbegleiter um sich scharen kann.

1974     Joseph Fassbender stirbt am 5. Januar 1974. Er wird auf dem Kölner

             Südfriedhof zu Grabe getragen. Sein Freund Hann Trier hält die Grabrede.

            

Nachfolgend ein Video von Sascha Sonnwald über den Künstler Hann Trier.


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