Hubert Berke (1908 - 1979)

           

Hubert Berke

1908        Hubert Berke wird am 22. 01.1908

                als Sohn des Kriminalbeamten Hubert

                Berke und seiner Frau Maria Berke,

                geborene Brockötter, in Buer in

                Westfalen - heute ein Stadtteil von

                Gelsenkirchen - geboren. Der kleine

                Hubert ist das zweitälteste von ins-

                gesamt vier Kindern. Zum dama-

                ligen Zeitpunkt leben in Buer zwi-

                schen 50 und 60 Tausend Menschen.

                Mutter und Vater Berke sind tief-

                gläubige Menschen, die ihren Glau-

                ben aktiv leben und an ihre Kinder

                weitergeben. Hubert ist katholisch

                getauft und wird im christlichen Mis-

                sionsgedanken erzogen.

1914        Zu Ostern 1914, kurz vor Ausbruch

                des 1. Weltkrieges, wird Hubert Berke

                im Kapuzinerkloster im nahen Bochold eingeschult. Die Kapuzinermön-

                che bereiten den Jungen auf eine humanistische Gymnasialausbildung

                vor.

1918        Hubert Berke wechselt auf das "KAPU" - heute "St.-Josef-Gymnasium"

                in Bochold, das ursprünglich als Missionsschule der Kapuziner von den

                Klostermönchen betrieben wird. Zum Kriegsende ist er einer von insge-

                samt 18 Gymnasiasten auf dem "KAPU". Seine Zukunft scheint vorge-

                zeichnet, als er von dort in das Internat der Missionsschule Bensheim /

                Odenwald wechselt. Dort wird zwischen 1919 und 1926 das "Fidelis-

                Kolleg" mit dem Ziel eingerichtet, junge Missionsschüler soweit zu er-

                tüchtigen, dass sie sich für ein Leben als Missionar in der tätigen katho-

                lischen Auslandsmission entscheiden. Hubert Berke ist einer der ersten

                Absolventen, der 1930 am Fidelis-Kolleg die allgemeine Hochschulreife

                erwirbt.

Hubert Berke: Frühes Selbstbildnis

1930        Hubert Berke nimmt an der West-

                fälischen Wilhelms-Universität in

                Münster ein Studium der alten Kul-

                tursprachen Hebräisch, Griechisch

                und Latein auf. Die Beherrschung

                dieser Sprachen ist Voraussetzung

                für ein Studium der Katholischen

                Theologie. Zudem belegt er die

                Fächer Philosophie und Kunstge-

                schichte in Münster. Danach wech-

                selt er zur Albertus-Universität

                nach Königsberg und beginnt dort

                sein Theologiestudium. Erste Zwei-

                fel und Bedenken an seiner Beru-

                fung kommen in ihm auf. Im Be-

                mühen um einen inneren Aus-

                gleich wendet er sich der Malerei

                zu, die er - vielleicht wegen seines

                kunstgeschichtlichen Studienhin-

                tergrundes - eher analytisch-ab-

                leitend angeht (analytische Male-

                rei). Er findet Gefallen an der Malerei und schreibt sich - zunächst zu-

                sätzlich zu seinem Theologiestudium - zu einem Studium der Malerei

                ein. Er trifft auf Professoren und Lehrer, die seinen bisherigen Lebens-

                weg komplett "umkrempeln".

                Da ist zum einen Professor Wilhelm Worringer (1881 -1965), ein Kunst-

                historiker, der seit 1928 an der Albertus-Universität in Königsberg lehrt.

                Worringer ist durch und durch Kunstanalytiker, der den damals erkenn-

                baren Trend zur Auflösung des Gegenständlichen als kulturbedingte

                Reaktion auf die instabilen politischen und soziologischen Verhältnisse

                der damaligen Zeit interpretiert. Diese äußere Instabilität führt - von

                den zeitgenössischen Künstlern verinnerlicht - zu einer neuen künst-

                lerischen Ausdrucksform, die Worringer als "Expressionismus" deutet.

                Er gilt mit dieser Theorie als Wegbereiter des Expressionismus in

                Deutschland.

                Zum anderen wird Hubert Berke von dem Maler Fritz Burmann (1892-

                1945) beeinflußt, der seit 1926 an der Universität Königsberg Kirchen-

                und Glasmalerei lehrt. Burmann ist sich des tiefen Zwiespalts bewußt,

                in dem sein junger Student Hubert Berke lebt. Da ist einerseits das

                geistliche Leben, in dem Hubert Berke erzogen ist und anderseits die

                fast "revolutionäre Freiheit" der zeitgenössischen Kunst. Gegensätze,

                die wohl kaum miteinander zu verbinden sind. Burmann zieht Hubert

                Berke auf die Seite der Kunst. Er ernennt ihn 1931/32 zu seinem

                Meisterschüler und bestärkt ihn darin, sich zukünftig ganz auf die

                Malerei zu konzentrieren. 

Paul Klee: Hubert Berkes Lehrer in Düsseldorf

1932        Wohl auf Fritz Burmanns Empfehlung hin, geht

                Hubert Berke als Schüler von Paul Klee (1879-

                1940) zur Kunstakademie nach Düsseldorf. 

                Hier lernt er die von Paul Klee benutzte künst-

                lerische Technik der Monotypie kennen und ent-

                wickelt sie unter Anleitung seines Lehrers für

                sich weiter.

 

1933         Im unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung

                 an der Kunstakademie Düsseldorf ausgebro-

                 chenen Richtungsstreit zwischen den Verfech-

                 tern einer "deutsch-nationalen Kunst" und den

                 Befürwortern einer "ungebundenen supra-

                 nationalen Kunst- und Stilentwicklung", siegen die deutsch-nationalen

                 Kräfte. Paul Klee wird gezwungen, seine Lehrtätigkeit aufzugeben und

                 wird entlassen. Hubert Berke hält dies für zutiefst ungerecht und sieht

                 keine Veranlassung zu bleiben und so verläßt auch er die Kunstakade-

                 mie Düsseldorf. Paul Klee empfiehlt ihn seinem Kollegen Heinrich Nauen

                 (1880-1940), der als bekennender rheinischer Expressionist an der

                 Kunstakademie Düsseldorf lehrt und in den Sommermonaten privaten

                 Malunterricht in Xanten gibt.

                 Hubert Berke arbeitet im Sommer 1933 in Heinrich Nauens Atelier.

                 Hier lernt er unter anderem Brunhilde Hoppe und deren Bruder Erlefried

                 Hoppe kennen, die ebenso kunstbegeistert wie er sind. Die beiden

                 Geschwister stammen aus einer begüterten Kaufmannsfamilie in

                 Solingen. Hubert besucht sie häufger zusammen mit seinen Studien-

                 freunden August Preusse und Georg Jakob Best.

                 1937 wird Heinrich Nauen ebenfalls als "entarteter Künstler" von den

                 Nazis gebranntmarkt und gezwungen, seine Professur an der KA Düssel-

                 dorf aufzugeben.

Frühphase (bis 1945)

1934         Hubert Berke kehrt in seine Heimatstadt Buer zurück und läßt sich

                 dort als freischaffender Künstler nieder. Es gelingt ihm nur schwer,

                 Boden "unter die Füße" zu bekommen. Er lebt "von der Hand im Mund".

                 Möglicherweise lernt er bereits zu dieser Zeit den Kölner Maler Joseph

                 Fassbender und dessen Freund Hann Trier kennen. Wahrscheinlich ge-

                 hört er auch zum Kölner Freundeskreis "Amalienschlößchen" und parti-

                 zipiert an Faßbenders Grafik-Aufträgen, die dieser von der Kölner

                 Messegesellschaft zur Beschilderung des Messegeländes, der Messe-

                 hallen und einzelner Messestände erhält.

1935         Hubert Berke übersiedelt nach Köln und wird hier als Werbegrafiker

                 (wohl für die Messegesellschaft Köln) und als Buchillustrator für ver-

                 schiedene Kölner Verlage tätig. Daneben ist er als freischaffender

                 bildender Künstler damit beschäftigt, sich ein "Portfolio" von Werken

                 zuzulegen, die er - politisch noch halbwegs opportun - in öffent-

                 lichen Ausstellungen als "Reflexionen zur Zeit" zeigen kann.

                 Es ist nicht überliefert, ob Hubert Berke - wie nahezu alle seine frei-

                 beruflichen Malerkollegen - Mitglied in der "Reichskammer der Bilden-

                 den Künste" in Berlin war. Dafür spricht, dass er 1936 eine Ausstellung

                 im Kölner Wallraf-Richartz-Museum mit Werken aus seinem "Portfolio"

                 beschickte, was ohne eine positive Beurteilung der Gaukammer Köln-

                 Aachen formal nicht möglich gewesen wäre. Möglicherweise ist Hubert

                 Berke von Seiten der Reichskulturkammer damals aber den "Kirchen-

                 künstlern" zugeordnet worden, die im katholischen Köln noch unter

                 einem gewissen "Schutzschirm" arbeiten konnten (unbestätigt).

Brunhilde Berke

1937        Hubert Berke ist 29 Jahre alt, als er die 24-jährige

                Brunhilde Hoppe aus Solingen heiratet. Brunhilde

                ist eine angehende Textildesignerin, die an den Köl-

                ner Werkschulen "Textilkunst" studiert. Das junge

                Paar bezieht eine Mansardenwohnung in der Ehren-

                straße in der Kölner Südstadt. Die Hochzeitsreise

                geht nach Paris. Für beide ein Gewinn: Brunhilde

                studiert vor Ort die Pariser Mode und nimmt Kon-

                takt zu bekannten Modehäusern der Houte Couture

                auf. Hubert gelingt es, zwei französische Verlage

                für die Herausgabe der französischen Fassung ei-

                nes von ihm bearbeiteten und illustrierten Köln-

                Reiseführers sowie einiger Prosa- und Lyrikbände (u.a. Der Uhlenspiegel

                von Grimmelshausen) zu interessieren. Der Ehe von Hubert und Brun-

                hilde Berke entspringen in den Folgejahren drei Kinder, darunter Eva

                Berke (1940), die später unter dem Namen Eva Ohlow ebenfalls als

                Künstlerin in Köln arbeitet und die Söhne Michael (1947) und Hubert

                (1949).

1940        Hubert Berke erhält ein Kunststipendium der Stadt Köln. Er reist nach

                Süddeutschland, besucht Regensburg und Passau und fährt weiter nach

                Österreich, wo er Alfred Kubin in dessen Schloss Zwickledt besucht.

                Herbert Berke weiß sich mit Alfred Kubin (1877-1959), der als öster-

                reichischer Schriftsteller und Buchillustrator bekannt wurde, sehr

                verbunden. Kubins "Phantasmagorien" sind den seinen nicht unähnlich.

                Er kann sich gut in Kubins Texte und Illustrationen hineindenken. Vor

                allem faszinieren ihn die gezeichneten Phantasiewelten und Traum-

                visionen Kubins.

Hubert Berke als Rekrut in Wesel

1941        Im Folgejahr 1941 wird Hubert Berke zum

                Miltiärdienst eingezogen und "darf" in Wesel,

                dem Standort seiner Ausbildungskompanie,

               "verschiedene Kasernenräume, darunter

                die Kantine, ausmalen". Danach - so wird

                reportiert - "wird er an die Front geschickt".

                Es ist nicht überliefert, an welchen Fronten

                er in welcher Funktion während des Krieges

                gedient hat.

                Sein engster Freund August Preusse fällt

                1942.

 

1945        Hubert Berke wird zu einer Panzereinheit

                an den Rhein versetzt. Das Kriegsende

                erlebt er in Gummerbach. Er gerät in ame-

                rikanische Kriegsgefangenschaft und wird

                in Sinzig am Rhein interniert. Als er zu sei-

                ner Familie nach Köln (in die englische Be-

                satzungszone) zurückkehrt, findet er die

                Stadt durch die Bombadierungen zum großen Teil "in Schutt und Asche"

                gelegt vor. Die Kölner Innenstadt und die Südstadt sind weitgehend

                unbewohnbar. Die Versorgung der Bevölkerung gestaltet sich schwierig.

                Die Not ist groß. Angesichts des Hungers und der fehlenden Heizmittel

                erklärt der Kölner Erzbischof und spätere Kardinal Joseph Frings den

                Mundraub in seiner sonntäglichen Dom-Predigt ausdrücklich als "läss-

                liche Sünde", woraufhin die Kölner das Wort "fringsen" als Synonym für

                das notgedrungene "Filzen" von Lebensmitteln, von Kleidung und den

                gelegentlichen Kohleklau in ihren Sprachgebrauch übernehmen.

Hubert Berke: Apokalyptische Reiter, (1944)

1946        Anna Fassbender, die umtriebige Frau seines Malerkollegen Joseph

                Fassbender organisiert für die Familie Berke eine Unterkunft in Alfter,

                einem vorwiegend bäuerlich geprägten Vorgebirgsdorf zwischen Köln

                und Bonn. Die Berkes beziehen ein notdürftig umgebautes Stallgebäude

                im Hof von "Spargel Weber". Direkt über dem verbliebenen Kuhstall

                richtet Hubert Berke sich ein Atelier ein. Hier verbringt er - geradezu

                versessen malend - alle seine Zeit. Gelegentlich kommen seine Freunde

                Joseph Fassbender und Hann Trier vorbei und man beratschlagt, wie

                man das Augenmerk breiterer Bevölkerungsschichten auf die Bilden-

                de Kunst der Nachkriegszeit lenken kann. Irgendwie sind alle drei von

                dem Gedanken beseelt, man müsse in der Kunst einen neuen Anfang

                machen, müsse etwas Neues, Ungewohntes präsentieren, um die

                Kunstfreunde auf sich aufmerksam zu machen.

               "Zu lange Zeit ist die "Deutsche Kunst" - propagiert von Hitler, Göring

                und Göbbels - dominant gewesen. Zu lange Zeit war Deutschland

                komplett abgekoppelt von allen internationalen Kunstströmungen.

                Es gilt, die Zeit zwischen 1933 und 1945 neu aufzufüllen! Viele vormals

               "entartete" Künstler sind zu rehabilitieren, ihre Werke sind bekannt

                zu machen!

                Dazu muss man zunächst die "verpassten" Stilrichtungen nachholen

                und kann dann später - darauf aufbauend - etwas Eigenes, Neues

                schaffen".

Aufbruch: Die Alfterer Donnerstagsgesellschaft

Die maßgeblichen künstlerischen Köpfe der Alfterer Donnerstagsgesellschaft:

(von links nach rechts): Joseph Fassbender, Hann Trier, Hubert Berke

1947        Die Idee einer "Kunstvermittlungsplattform" kommt auf. Auf dieser

                Plattform sollen möglichst alle zeitgenössisch-avangardistischen

                Stilrichtungen gezeigt werden. Die offiziell für Kunst- und Kulturveran-

                staltungen verantwortlichen Dezernenten der Städte Köln und Bonn

                winken ab. Man verfügt unmittelbar nach dem Krieg weder über die

                erforderlichen Mittel, noch über geeignete Lokalitäten, noch über die

                notwendigen personellen Resourcen, um die angedachte "Kunstver-

                mittlungsplattform" zu realisieren. Immerhin sagen aber die tonange-

                benden Herren, darunter die Kunsthistoriker Toni Feldkirchen und

                Hermann Schnitzler aus Köln, sowie Walter Holzhausen aus Bonn ihre

                ideelle Unterstützung zu. Zusammen mit dem Alfterer Rechtanwalt

                Weber gründet man die "Alfterer Donnerstagsgesellschaft". Sogenannt,

                weil man sich einmal pro Woche - stets Donnerstags trifft, um die an-

                gedachte Kunstvermittlungsplattform inhaltlich auszulegen und ein ent-

                sprechendes Programm zu erstellen. Im Laufe des Jahres 1947 stoßen

                die Maler Eugen Bratz und Georg Meistermann zur "Alfterer Donner-

                stagsgesellschaft" dazu und als dem Fürsten zu Salm-Reifferscheidt das

                Projekt vorgestellt wird, bietet dieser die Burg Alfter als Räumlichkeit 

                für die Veranstaltungen an und ist auch bereit, die organisatorischen

                Vorbereitungen, insbesondere die Einladungen und die Verpflegung der

                geladenen Gäste zu übernehmen. Lebensmittel für Suppen, Kartoffeln,

                Gemüse, Salat und Obst werden von den umliegenden Bauernhöfen und

                aus Beständen des Burghofes Alfter organisiert. Dem Hörensagen nach

                ist es auf diese freie Beköstigung zurückzuführen, dass schon zur ersten

                Auftaktveranstaltung der "Alfterer Donnerstagsgesellschaft" unter dem

                Titel: "Abstrakte Bilder" weit über 150 Personen (manche berichten sogar

                von 250 Personen) aus der amerikanischen, der englischen, der franzö-

                sischen und der belgischen Besatzungszone erscheinen. Das Programm

                ist spartenübergreifend zusammengestellt und bietet alles, was die zeit-

                genössische Avangarde ausmacht. Neben den Kunstausstellungen

                werden einzelne Dichterlesungen, Musikaufführungen, szenisch von den

                Ensemble-Mitgliedern des Kölner Schauspielhauses ausgespielte Litera-

                turbeiträge sowie kunstanalytische und kulturphilosophische Vorträge und

                Referate zur Orientierung des kunstinteressierten Publikums angeboten.

Fassbender / Trier / Berke: Holzschnitte aus einer Mappe zu Jean Paul Sartes: "Die Fliegen" herausgegeben durch die Alfterer Donnerstagsgesellschaft (Schloss Alfter 1948)

                Zwischen 1947 und dem Auslaufen der Aktivitäten 1950 finden insgesamt

                34 Veranstaltungen - geplant durch die "Alfterer Donnerstagsgesell-

                schaft" - statt. Wie die Besprechungen der Veranstaltungen in den

                einschlägigen Kunst- und Kulturzeitschriften zeigen, ist das künstlerische

                Ziel der "Alfterer Donnerstagsgesellschaft" tatsächlich erreicht, die Avan-

                gardekunst im Nachkriegs-Deutschland zu profilieren und gleichzeitig

                Anschluß an die internationale Kunstentwicklung zu gewinnen. Und das

                auf vielen Ebenen.

Hubert Berke:"Blaue Welt" (1948/49); Öl auf Leinwand 130 x 100 cm

1948        Zeitlich ist Hubert Berke zum einen in der Planung und Organisation des

                Kunstprogramms der "Alfterer Donnerstagsgesellschaft" eingespannt, zum

                anderen entwickelt er - "im fruchtbaren Dreiklang Berke, Fassbender,

                Trier" eine eigene künstlerische Handschrift. Tatsächlich sind die 50-er

                Jahre die wohl experimentell-kreativste Zeit in seinem Leben. Schon bald

                zeigen sich die Erfolge.

                Als erster Nachkriegsmaler erhält Hubert Berke 1948 den renommierten

                Peter von Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Mit dem Preis wird Hubert

                Berkes rückhaltloses Eintreten für Paul Klee gewürdigt, als dieser 1933

                die Düsseldorfer Kunstakademie auf Druck der Nazis verlasssen mußte

                und Berke ihm aus Solidarität folgte und ebenfalls die Akademie verließ.

1949        Hubert Berke wird auf Initiative der "Bonner Maler der ersten Stunde",

                darunter Willy M. Stucke, Paul Magar, Otto Küppers, Ernst Meurer, Hans J.

                Dotterweich, Herm Dienz sowie Joseph Fassbender und Hann Trier, fest in

                die Bonner Kunstszene eingebunden. Er stellt im gleichen Jahr erstmals

                einen Teil seiner abstrakten Gemälde als Gast der Künstlergruppe Bonn

                in der "1. Bonner Sommer-Ausstellung" aus. Hans Dotterweich vermittelt

                ihm den Kontakt zu Leo Breuer, den Hubert Berke bei Breuers Besuch

                in Bonn auch persönlich kennenlernt und mit ihm eine Ausstellungs-

                beteiligung im "Salon des Realites Nouvelles" in Paris bespricht. In den

                Folgejahren baut Hubert Berke sein perrsönliches Beziehungsgeflecht

                systematisch aus. Er wird Mitglied der Gruppe "Junger Westen", tritt dem

               "Deutschen Künstlerbund", dem "Westdeutschen Künstlerbund", der

               "Neuen Rheinischen Sezession", der "Neuen Münchner Künstlergruppe"

                sowie der "Künstlergruppe Bonn" bei. Hierdurch potenziert sich Hubert

                Berkes Ausstellungstätigkeit.

Hubert Berke in seinem Atelier in Alfter

1950        Hubert Berke erhält den "Kunstpreis Junger

                Westen", den die Stadt Recklinghausen als

                Förderpreis für junge und besonders heraus-

                ragende bildende Künstler vergibt. Berke

                wird damit in eine Reihe mit Karl Otto Götz,

                Kurt Lehmann, Emil Schumacher, Heinrich

                Siepmann und Hap Grieshaber gestellt.

                Sein Ruf als Vertreter eines "Lyrischen

                Informel" festigt sich mit jeder Ausstellung

                und jeder Auszeichnung. Berke wird von den

                Kunstkritikern seiner Zeit sehr unterschied-

                lichen Kunststilen zugeordnet:

                Er ist abstrakter Maler, Tachist, Surrealist,

               "Traumatiker", utopischer Zeichner, Phantas-

                magoge, Kirchenmaler, Bühnenbildner und

                Textildesigner, Dadaist, "Ready-Made-Crea-

                tor" und (in Vorgriff auf Ücker) Nagelkünstler

                in einem. Berke haßt es, "in Kisten gestopft

                zu werden" und er haßt es genauso, wenn "Erklärungsschematas" aus

                der Art seiner Denkweise, seines Glaubens und seiner angeblichen

                Lebensphilosophie über seine Kunst "ausgeschüttet werden".

1951        Hubert Berke tritt der Gruppe "Zen 49" bei, die ursprünglich ein Zusam-

                menschluß von sieben deutschen Nachkriegsmalern - darunter Rupprecht

                Geiger, Willi Baumeister (und anderen) war - um "die abstrakte Kunst in

                Deutschland einem breiteren Publikum bekannt und verständlich zu

                machen". Im Folgejahr 1952 reist er zu Studienzwecken nach Spanien

                und Nordafrika, legt auf der Rückreise einen Stop in Paris ein, wo er die

                Ausstellung seiner Bilder im "Salon des Realites Nouvelles" besucht und

                macht anschließend Zwischenstation in Düsseldorf, wo er den Kunstpreis

               "Eisen und Stahl" der Stadt Düsseldorf für angewandte Kunst annimmt.

1954        Hubert Berke beginnt, plastische Objekte und Assemblagen aus Fund-

                stücken zu fertigen. Er entdeckt Nägel als künstlerisches Gestaltungs-

                mittel für sich und experimentiert mit ihnen, legt ganze "Nagelplan-

                tagen" an und kreiert Phantasieobjekte, die er in Baümen aushängt,

                anrosten läßt und später in seinem Atelier mit Ölfarben bemalt.             

Hubert Berke: Zwei Philosophien (um 1955)

                Schon als Jugendlicher hatte Berke ein besonderes Faible für fremde,

               "primitive" Kunstformen, insbesondere für "Glaubensrepräsentationen"

                Fetische und andere "Projektions- und Transferobjekte" wie Vodoo-

                Puppen etc. Neben der afrikanischen Kunst beschäftigte er sich intensiv

                mit fernöstlichen, insbesondere chinesischen Kunstformen, die er im-

                mer wieder aufgreift und in seine Werke einfließen läßt. Seine "Tusch-

                zeichnungen" zeugen davon. Zudem legt sich Berke mit den Jahren

                eine stattliche Sammlung ostasiatischer Kunstobjekte zu. Er - wie auch

                seine Frau Brunhilde - gelten als profunde Kenner der ostasiatischen

                Kunst. Im Umfeld des Kölner Museums für ostasiatische Kunst sowie

                des Rautenstrauch-Joest-Museums (ethnologisches Völkerkundemuseum

                in Köln) treffen die Berkes auf aktuelle Vertreter dieser fremden Kunst-

                formen, laden sie zu sich ein und befreunden sich mit ihnen.

Hubert Berke bei der Arbeit in seinem Atelier in Köln-Rodenkirchen

1957        Die Berkes bauen für sich und ihre

                Kinder ein großzügiges, zweige-

                schossiges Wohn- und Atelierhaus

                in Köln- Rodenkirchen. Sie verlas-

                sen Alfter und beziehen das neue

                Haus, das endlich genügend Raum

                und Garten bietet und bis ins Alter

                ihren Lebensmittelpunkt darstellt.

 

1959        Eine gewisse Krönung seiner Lauf-

                bahn erreicht Hubert Berke, als er

                zur Teilnahme an der dokumenta

                II in Kassel eingeladen wird. Er ist

                mit seinen 51 Jahren nunmehr ein "gemachter Mann" und zählt zum

                anerkannten "Kunst-Establishment in der Bundesrepublik"

1960        Hubert Berke erhält einen Ruf als Professor für "Freihandzeichnen und

                Aquarellieren" vom Bereich " Technische Illustration und Dokumen-

                tation" der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen.

                Er nimmt die Professur an und pendelt in der Folgezeit zwischen Köln

                und Aachen.

                Die Lehrtätigkeit läßt ihm genügend Zeit für ausgedehnte Studienreisen

                mit seinen Studenten (Rom; Pellepones; Kreta; Syrien, Provence).

                Hubert Berke meditiert viel, übt sich in der Kunst der Kalligraphie und

                vertieft sich "in den Geist des Zen". Die zentralen Mappenwerke "Zenga"

                entstehen und sind sofort vergriffen. Es folgen mehrere Serien von

                Aquarellen und Guachen, in denen Berke Reminiszenzen seiner Reise-

                Eindrücke wiedergibt ("Das Erlebnis Orient", "Alexanderzüge", "Ruinen

                und Spuren" etc.). 1964 sieht Berke die großen Triptychons von

                Francis Bacon in einer Ausstellung. Die Bilder faszinieren ihn so sehr,

                dass er die Eindrücke in einer eigenen Werkreihe verarbeiten muss.    

Hubert Berke: "Hängende" (1964) öl auf Leinwand, 130 x 150 cm

Abb. links:  Hubert Berke  o.T.  1964        rechts: Hubert Berke: Hängender  1964

                 Ol /Lw.  150 x 100 cm                        Öl / Lw. 150 x 90 cm

1965        Hubert Berke wendet sich verstärkt großen, umfassenden Auftragsarbei-

                ten zu. Unter anderem entstehen große Betonglasfenster und Glas-

                mosaike für die "Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände"

                (1965) in Köln, der "Große Glasfensterzyklus" für die Stiftskirche in

                Bonn, (1971/72), weitere Glasfenster für das Franziskanerinnenkloster

                in Olpe (1974), für die St. Josefs-Kirche in seinem Heimatort Köln-

                Rodenkirchen und für die Christ König Kirche in Essen (1977). Die

                Ausführung seiner Entwürfe überläßt er einschlägigen Glasfachfirmen

                (Fa Derix u.a.).

Hubert Berke: Glasfensterentwürfe (hier Stiftskirche Bonn)
Hubert Berke: Glasfensterentwurf (hier Haus der Deutschen Arbeitgeber, Köln)

1973        Ab Mitte der 70-er Jahre zieht sich Hubert Berke mehr und mehr aus der

                Öffentlichkeit zurück. Er verbringt viel Zeit in seinem Ferienhaus an der

                südholländischen Küste auf der Insel Schowen. Die "Hollandserie", seine

                wohl gößte Werkgruppe in den letzten Schaffensjahren, entsteht hier in

                selbstgewählter Einsamkeit und Selbstreflexion.           

1978        Hubert Berke reist nach Süditalien und besucht die Insel Ischia und von

                dort aus Herculaneum. Er "atmet Geschichte" und verspürt fast körperlich

                die antike Kultur, die hier aus jeder Steinritze zu quellen scheint. In sei-

                ner letzten großen Werkgruppe "Herculaneum" gibt er die gesammelten

                Eindrücke wieder.

Hubert Berke: "Herculaneum" (1979); Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

1979        Hubert Berke verstirbt am 24. 11. 1978 in seinem Atelierhaus in Köln -

                Rodenkirchen.

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